Update: Mathias Cormann und Cecilia Malmström kämpfen um OECD-Chefposten

<p>Die Chancen von Mathias Cormann im Auswahlverfahren um den OECD-Vorsitz sind in den letzten Tagen weiter gestiegen.</p>
Die Chancen von Mathias Cormann im Auswahlverfahren um den OECD-Vorsitz sind in den letzten Tagen weiter gestiegen. | Foto: imago images/AAP

Der ehemalige Schweizer Nationalbankpräsident warf nach 150 bilateralen Gesprächen in den Ländern der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) und vier Abstimmungsrunden das Handtuch, weil er nicht genügend Unterstützung erhielt, um Chancen auf den Chefsessel der einflussreichen Behörde in Paris zu haben. Hildebrand hatte von Beginn an als einer der Favoriten gegolten. Vor ihm hatten sich bereits sechs andere Kandidatinnen und Kandidaten aus dem Wettbewerb zurückgezogen.

Am Montag teilte dann dann die ehemalige griechische EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou via Twitter mit: „Ich habe mich entschlossen, meine Bewerbung für den Posten des Generalsekretärs der OECD zurückzuziehen, um einen Konsens im Auswahlverfahren zu ermöglichen. Ich bin dem griechischen Premierminister für sein Vertrauen und seine Unterstützung dankbar. Ich bin auch den Mitgliedsländern dankbar, deren Unterstützung meine Kandidatur auf den dritten Platz gebracht hat.“

Während viele EU-Länder sich hinter der Schwedin und ehemaligen EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström scharen, kann Mathias Cormann dem Vernehmen nach die Unterstützung aus Mexiko, Türkei, Südkorea, Chile und Japan genießen. Auch verschiedene europäische Länder, so Großbritannien, sollen dem gebürtigen Raerener, der einst im Gemeinderat von Raeren saß, ihre Unterstützung zugesagt haben.

Offen ist noch, wie die USA sich in der Schlussphase positionieren wird, nachdem der eigene Kandidat, der noch von Donald Trump nominiert worden war, sich aus der Kampagne verabschiedet hat. Eine Entscheidung, wer die OECD in den nächsten fünf Jahren leiten wird, wird in den nächsten Tagen erwartet.

Die OECD ist aus dem Marshall-Plan der Nachkriegszeit hervorgegangen und spielt eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der wirtschaftlichen Agenda. Ihre 37 Mitglieder repräsentieren mehr als 60 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und müssen sich zu Demokratie und einem freien Markt bekennen. Bei einem Sieg von Cormann wäre es das erste Mal, dass die OECD von jemandem aus dem asiatisch-pazifischen Raum gelenkt wird. Für ihn besteht aktuell noch das Risiko, dass Joe Biden einen europäischen Kandidaten unterstützt, weil er die während der Trump-Präsidentschaft beschädigten transatlantischen Beziehungen reparieren möchte.

Außerdem drängen einige Länder Europas darauf, dass zum ersten Mal eine Frau die Organisation leitet. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass Europa sich durch die verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Interessen auf einen Kandidaten verständigen kann. Seit 1996 hat kein Europäer mehr an der Spitze der OECD gestanden.

Zum ersten Mal seit 14 Jahren wird ein neuer Generalsekretär gewählt. Dieser wird schwierige Entscheidungen treffen müssen, die internationale Ansätze für Steuersysteme, digitale Transformation, Handel, Klimapolitik und Bildung betreffen.

Die OECD wählt den Generalsekretär durch Konsultationsrunden mit den Mitgliedsstaaten aus. Experten gehen davon aus, dass ein entschiedener amerikanischer Vorstoß Mathias Cormann als idealen Kompromiss zwischen allen OECD-Parteien etablieren könnte, insbesondere mit seiner Verbindung zu Europa als gebürtiger Belgier. In dem auf Konsens basierenden OECD-System müsse Cormann, so heißt es, nicht der populärste Kandidat sein, aber einer, der einige der Kriterien für alle Parteien erfüllt.

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