In der internationalen Musikpresse ging Belgien insgesamt im Vergleich zu den großen Nachbarn wie Großbritannien oder Deutschland lange Zeit ein wenig unter. Abgesehen von wenigen Ausnahmen – dEUS ist dabei wahrscheinlich das bekannteste Beispiel -, lag der Fokus oftmals auf andere Länder, auch wenn sich dies in den letzten Jahren durch Acts wie Stromae oder verschiedene Hip-Hop-Künstler zumindest vorübergehend geändert hat. Elektronische Clubmusik und experimentelle Klänge aus Belgien stehen international jedoch seit langer Zeit hoch im Kurs. Die konstant hohe Dichte an spannenden Veranstaltungen und Veröffentlichungen sorgt dabei im Ausland nicht selten für Verwunderung. Für den in Köln wohnhaften Journalisten Olaf Karnik fanden in den letzten Jahren gar die spannendsten Entwicklungen im Bereich der Experimentalmusik in Belgien statt. In seiner zweistündigen Sendung „Those Behind Us That We Follow – experimentelle Musik aus Belgien“ versucht er nun, der Sache auf den Grund zu gehen, indem er einen eingehenden Blick auf das Geflecht an aktuellen Künstlern, Labels und Veranstaltern wirft.
Meakusma aus Eupen ist seit dem Jahr 2004 als Veranstalter und seit 2008 als Label aktiv an der Gestaltung der Szene beteiligt. Spätestens, seitdem das „Meakusma Festival“ 2016 ins Leben gerufen wurde, ist das Kollektiv auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Grund genug für Olaf Karnik, der bereits für die „taz“ vom Festival berichtete, sich mit Meakusma zum Gespräch zu treffen. Bezeichnend ist, dass auch alle weiteren in der Sendung erwähnten Protagonisten in der ein oder anderen Form bereits beim „Meakusma Festival“ eingebunden wurden. Dies weist auf den regen Austausch und die fruchtbare Vernetzung innerhalb der belgischen Szene hin. Die Heterogenität Belgiens auf politischer, sprachlicher und kultureller Ebene spiegelt sich ebenfalls im Output der Musiker wider.
Erscheint das komplizierte Konstrukt Belgien, mit seinen drei Landessprachen und den gefühlt unzähligen politischen Ebenen oftmals chaotisch, sorgt genau diese Tatsache für eine pragmatische und dynamische Haltung der Künstler in der Auseinandersetzung mit vielfältigen kulturellen Einflüssen. Die zentrale geografische Lage des Landes sowie die vielen Menschen unterschiedlicher Herkunft, die sich in Belgien auf engstem Raum begegnen, fließen ebenfalls in das kreative Schaffen ein. Auch die Abgrenzung zwischen Pop- und Experimentalmusik wird dabei seit jeher nicht so streng genommen.
Gepaart mit einer Lust am Experiment und dem Willen zur Abgrenzung von den großen Nachbarn entsteht so etwas sehr Eigenes. Dass Belgien insgesamt nicht ständig im Fokus der globalen Musikpresse steht und Künstler unter vergleichsweise sehr guten Bedingungen arbeiten können, sorgt für eine Gelassenheit, die es dieser schwer zu fassenden Szene erlaubt, im stetigen Wandel am Puls der Zeit zu bleiben. Wie sich das Ganze aktuell anhört und was die verschiedenen Protagonisten dazu zu sagen haben, kann man am Samstag auf WDR 3 und im Anschluss während einer Woche online im Archiv nachhören. (red/sc)
Weitere Infos unter www.meakusma.org und Link zur Sendung: https://www1.wdr.de/radio/wdr3/programm/sendungen/wdr3-open-sounds/Those... (zu hören nach der Erstausstrahlung)

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