Reaktivierung der Bahnstrecke bis nach Eupen bleibt das Ziel

<p>Rollen bald schon wieder Züge über das Falkenbach-Viadukt? Zuvor steht eine gründliche Sanierung an.</p>
Rollen bald schon wieder Züge über das Falkenbach-Viadukt? Zuvor steht eine gründliche Sanierung an. | Foto: Günther Sander

In diesem Jahr noch will die Eisenbahngesellschaft Euregio Verkehrsschienennetz (EVS) mit Sitz in Stolberg einen entsprechenden Antrag in die Wege leiten. Sie ist bestrebt, den Streckenabschnitt, einschließlich des Falkenbach-Viadukts, einer Sanierung zuzuführen, um den Betrieb wieder aufnehmen zu können.

„Unser Ziel ist es nach wie vor, die Bahnstrecke bis nach Eupen zu reaktivieren“, so Thomas Fürpeil, EVS-Geschäftsführer, gegenüber dem GrenzEcho auf Anfrage. Eine Wiederbelebung wäre besonders für den Tourismus ein großer Gewinn und auch ein Schritt in die richtige Richtung. Obwohl von belgischer Seite Interesse bestehe, bedürfe es dazu noch konkrete Gespräche. „Und alles ist auch eine Sache der Finanzierung“, weiß Fürpeil. Gerade für die Sanierung des Falkenbach-Viadukts falle ein beachtlicher Betrag an. „Ich bin zuversichtlich, dass sich in puncto Reaktivierung und Realisierung bald schon etwas bewegen wird.“

Auf die derzeit durchgeführten Arbeiten an den Gleisen in Schmithof, Richtung Raeren, angesprochen, sagt Fürpeil, dass es sich um reine Instandhaltungsmaßnahmen handeln würde. „An der Straße und auf dem Radweg geht es um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer, mehr läuft da nicht.“

Thomas Fürpeil erwähnt noch einmal, dass Belgien daran interessiert sei, dass es zu einer Verbindung von Stolberg über Walheim, Raeren nach Eupen kommen werde. „Das braucht alles natürlich Zeit. Ich bin aber zuversichtlich, dass unser Wunsch eines Tages in Erfüllung gehen wird.“

Auf die Frage, ob es im Falle einer Realisierung sinnvoll sei, die Strecke zu elektrifizieren, sagt Fürpeil, hierzu müsse eine Ausschreibung beim Nahverkehr Rheinland (NVR) erfolgen, der sei für Elektrofahrzeuge zuständig. „Keine Frage, wir sind gefordert“, weiß der EVS-Geschäftsführer nur allzu gut.

Ein Verfechter der Reaktivierung der Bahnstrecke von Stolberg nach Eupen ist Rainer Hülsheger, Vorsitzender der Heimat- und Eifelvereins Rott, Mitglied im Vorstand der Landesgemeinschaft Naturschutz und Umwelt (LNU) sowie des Naturschutzbeirates der Städteregion Aachen. Er spricht sich nach wie vor für eine wirtschaftliche Belebung der beiderseits der deutsch-belgischen Grenze liegenden Städte und Orte mit Bahnhöfen und Haltepunkten aus. „Die Bahnstrecke zwischen Eupen und Stolberg kann einer Kanalisierung von Verkehrsströmen dienen, weil sie Landes- und Bundesstraßen kreuzt, die radial auf Aachen und die Autobahn E 40 zulaufen“, sagt er. Nach seinen Vorstellungen könnten in Raeren und Walheim P+R-Parkplätze dann Pendlerströme aus der Eifel in die Räume Aachen, Düren, Köln und E 40 „abfangen.“ Weiter schwärmt er von Naturerleben entlang der Bahn, von Rad- und Wanderbahnhöfen in der Nordeifel. Hülsheger erwähnt den Eifelsteig und auch die Ravel-Rad-Route, man könne dann von Bahnhof zu Bahnhof aus bequem radeln und auch wandern.

Jakob von Thenen, Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Kornelimünster-Walheim, weiß, in den letzten Tagen sei in der Presse viel von einer Ertüchtigung der oben erwähnten Strecke berichtet worden. Daher sei es sicherlich nicht fernliegend anzunehmen, dass nach einer Renovierung des Falkenbach-Viadukts der Eisenbahnverkehr bis nach Belgien (Eupen?) ins Auge gefasst werden könne.

„Die Bahnstrecke zwischen Eupen und Stolberg kann einer Kanalisierung von Verkehrsströmen dienen“, sagt Rainer Hülsheger.

Bezirksamtsleiterin Rita Claßen betont, die Bezirksvertretung habe sich nicht mit der Reaktivierung der Bahntrasse beschäftigt, ob und wann bald Züge über das Falkenbach-Viadukt rollen werden, sie verfolge vielmehr die Anlegung eines Radweges entlang der Venwegener Straße. Die EVS, als Eigentümer der Bahnlinie, habe vorgeschlagen, diesen von Breinig über das Falkenbach-Viadukt mit Anschluss an die Vennbahntrasse planen zu wollen.

Für die Eisenbahnfreunde Grenzland (Walheim) berichtet Geschäftsführer und zweiter Vorsitzender Max Salzmann, der Verein halte unverändert an seinen Zielen fest und engagiere sich für die Wiederaufnahme des Eisenbahnbetriebes. Immerhin würde das letzte verbliebene Stück der Vennbahn zwischen Stolberg und Eupen eine große erhaltenswerte Infrastruktur im Aachener Südraum darstellen. Salzmann denkt an ein Angebot touristischer Sonderfahrten mit historischen Eisenbahnfahrzeugen.

„In Raeren wird das Areal weiter Stück für Stück entwickelt und die Fahrzeuge des Vereins instandgesetzt. Dabei ist die Zusammenarbeit mit den öffentlichen Stellen und dem Betreiber der Infrastruktur weiterhin sehr eng und von gegenseitigem Vertrauen geprägt.“ Erfreulich wertet Salzmann, dass der Verein in diesem Jahr vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes NRW einen großen Förderbetrag erhalten habe. „Jetzt können wir mit diesen Mitteln einen Triebwagen überholen und wieder in Betrieb nehmen, nach den Planungen bereits im dritten Quartal 2021.“

Darüber hinaus lässt Salzmann anklingen, hätten auch Fortschritte an der Instandsetzung anderer Fahrzeuge erzielt werden können. „Unser Verein ist demnach in der Lage, vielleicht schon ab Ende 2021, Anfang 2022, touristische Fahrten anzubieten.“ Inwieweit dann die Infrastruktur ab Falkenbach-Viadukt bis Eupen dafür bereits genutzt werden könne, müsse und werde das kommende Jahr zeigen. Max Salzmann bedauert, dass die aktuelle Corona-Lage dem Verein schwer zu schaffen mache. „Unsere Aktivitäten finden nur begrenzt statt, öffentliche Veranstaltungen, aus denen wir Einnahmen erzielen, fallen komplett aus“, bedauert er.

„Hier ist einiges in Bewegung“, bestätigt derweil auch Raerens Bürgermeister Erwin Güsting (Mit Uns) auf Anfrage. Der Bahnstrecken-Reaktivierung sehe er mit Freuden entgegen. Derzeit sei der belgische Schienennetz-Betreiber Infrabel dabei, eine Streckensicherung durchzuführen. Auch auf belgischem Gebiet werden Schwellen erneuert und an den Bahnübergängen neue Andreas-Kreuze gesetzt. Er betrachte es als sehr positiv, dass die Eisenbahnfreunde Walheim (die derzeit die frühere Halle der Vennbahn nutzen) auf der Strecke einen Pendelverkehr nach Raeren (und weiter nach Eupen) mit einem restaurierten Schienenbus mit Fahrradwagen betreiben wollen.

Kommentare

Kommentar verfassen