Spielabsagen, Rekordzahlen, Terminnöte: Die Corona-Pandemie hat die englische Premier League zum Jahreswechsel immer fester im Griff. Angesichts von zuvor nie erreichten 18 neuen Fällen binnen einer Woche, werden die Rufe nach einer Unterbrechung des Spielbetriebs lauter. „Ich mache mir große Sorgen um mich selbst und den Fußball im Allgemeinen. Wenn das getan werden muss, müssen wir es tun“, sagte Teammanager Sam Allardyce von West Bromwich Albion nach der 0:5-Heimpleite gegen Leeds United und fügte an: „Die Sicherheit aller ist wichtiger als alles andere.“
Besonders die in Großbritannien entdeckte Mutation des Coronavirus bereitet Sorgen. Im gesamten Land steigen die Zahlen. „Wenn ich mir die Nachrichten anhöre, überträgt sich das mutierte Virus schneller als das Originalvirus. Also können wir nur das Richtige tun, nämlich eine Unterbrechung des Stromkreises“, sagte Allardyce.
Es droht ein Terminchaos.
Eine Zwangspause würde die Verantwortlichen allerdings in ein Terminchaos stürzen. Der überfüllte Kalender bietet kaum Ausweichmöglichkeiten. Viele Klubs sind zudem noch international in der Champions und Europa League im Einsatz. „Wann sollen wir die Spiele spielen?“, fragte daher Teammanager Ole Gunnar Solskjaer von Rekordmeister Manchester United: „Wir alle wissen, dass dieses Jahr so schwierig ist, aber ich denke nicht, dass das Stoppen der Spiele eine große Veränderung bewirken wird.“
Drei Spiele der Premier League mussten im Dezember aber schon verlegt werden – am Mittwoch wurde wenige Stunden vor dem Anpfiff die Partie zwischen Tottenham Hotspur, dem Klub von Nationalspieler Toby Alderweireld, und dem FC Fulham aufgrund eines „signifikanten Anstiegs der positiven COVID-19-Fälle sowie einer Reihe von Spielern mit Symptomen“ bei Fulham abgesagt.
Kevin De Bruyne befindet sich mit ManCity in Quarantäne.
Am Montag konnte die Begegnung von Ex-Meister Manchester City beim FC Everton nicht ausgetragen werden. Eine Corona-Testreihe bei den Citizens hatte zuvor erneut „einige positive Ergebnisse“ gebracht. Kevin De Bruyne und seine Mitspieler haben sich danach in Isolation begeben. Am Mittwoch folgte die Entwarnung: Es wurden keine weiteren Spieler positiv getestet, die negativen Spieler konnten das Training wiederaufnehmen. Ob das Spiel beim FC Chelsea am 3. Januar wie geplant stattfinden kann, ist dennoch fraglich.
Insgesamt vermeldete die Premier League im Dezember schon 45 Coronafälle. Auch Teammanager Ralph Hasenhüttl vom FC Southampton befindet sich nach einem positiven Test in seinem Haushalt in Isolation. Der Ex-Trainer des Bundesligisten RB Leipzig verpasste daher das Spiel gegen West Ham United (0:0) am Dienstagabend.
Die Zahlen steigen trotz „sehr strenger Protokolle“, wie Burnley-Teammanager Sean Dyche feststellte. Das Problem: „Die Spieler haben ihr Leben. Sie haben Familien, und uns wird gesagt, dass das Virus überall ist, so dass wir nur innerhalb der Richtlinien bleiben können.“ Ebenso wie Allardyce kann er sich aber auch eine Unterbrechung des Spielbetriebs vorstellen: „Wenn die Zahlen weiter steigen, müssen wir uns darum kümmern.“ (sid/tf)

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