Raeren hat eine Rikscha für Senioren angeschafft

<p>Werner Kalff präsentiert die 7.000 Euro teure Neuanschaffung, die von der König-Baudouin-Stiftung, der VoG „Fahr mit“ und privaten Sponsoren finanziert wurde.</p>
Werner Kalff präsentiert die 7.000 Euro teure Neuanschaffung, die von der König-Baudouin-Stiftung, der VoG „Fahr mit“ und privaten Sponsoren finanziert wurde. | Fotos: Klaus Schlupp

Es ist der VW up! unter den Rikschas: klein, kompakt, feuerrot und stabil. Werner Kalff vom Jugendtreff Inside hat das Gefährt schon ausprobiert und Schwiegervater Aloys Leclerc (93) damit durch Walhorn kutschiert. „Der war Landwirt und kennt natürlich jeden Bauernhof“, erzählt Kalff. Natürlich kann man, wenn man mit 15 Sachen entschleunigt durch die Landschaft fährt, auch Kühe zählen. Ein Passant grüßt und guckt erstaunt, dass der Aloys vorne auf einer gemütlichen Bank sitzt, gesichert mit einem Gurt und einer Stange, wie man sie von turbulenten Kirmes-Fahrgeschäften kennt.

Vier ehrenamtliche Rikschafahrer konnten schon gefunden werden.

Die Rikscha ist die neueste Errungenschaft des „Sozialen Treffs“ und ist im Eynattener Dorfhaus stationiert. „Mancher Senior ist gebrechlich und allein. Der freut sich, wenn er einmal Gelegenheit hat, durchs Dorf zu fahren“, ist sich Claudia Wetzeler vom „Sozialen Treffpunkt“ sicher. Zumal die Rikscha in Zeiten der Pandemie eine gute Möglichkeit ist, soziale Beziehungen zu pflegen, ohne große Gefahr zu laufen, sich anzustecken. Vier Ehrenamtliche, die die älteren Herrschaften kutschieren, hat man schon gewonnen, weitere sind willkommen.

Die brauchen übrigens keine Angst zu haben, einen Herzkasper zu bekommen, wenn sie die Senioren durch die Hügellandschaft kutschieren. Das 7.000 Euro teure Gefährt hat nicht nur eine stufenlose Gangschaltung, die das Treten leichter macht, sondern auch einen starken Mittelmotor, der für „Rückenwind“ sorgt, wenn es bergauf geht. Mit an Bord sind auch eine Decke, damit der Fahrgast keine kalten Füße bekommt, und ein Ersatzakku. Ein Dach zum Schutz vor Regengüssen wird in den nächsten Tagen geliefert.

Natürlich kooperiert man auch mit dem Raerener Marienheim, dessen Bewohner sich auch darauf freuen dürfen, ein paar Kilometer auf dem Ravel-Weg zu fahren. Daneben können auch Raerener Familien die Rikscha nutzen, um der alten Großmutter zu zeigen, was sich so alles im Dorf verändert hat. Offen sind die Akteure auch für Betriebsausflüge, um beispielsweise Menschen mit Handicap die Teilnahme zu ermöglichen, wenn der Chef auf eine Radtour setzt. Hier ist aber ein kleiner Obolus fällig. Gedacht wird an 20 Euro, was im Vergleich zu kommerziellen Vermietern konkurrenzlos günstig ist. Schließlich kann ja mal die Kette reißen oder einer der süßen kleinen Rückspiegelchen abknicken.

Wer als Senior mit einem Ehrenamtlichen fährt, muss nichts bezahlen. Natürlich dürfen auch Nicht-Raerener die Rikscha nutzen. Nur, wenn es tatsächlich einmal zu Massenandrang kommen sollte, hätten die Bewohner der Töpfergemeinde den Vortritt.

Und um beim Geld zu bleiben: Der Raerener Steuerzahler musste im Zuge der Anschaffung nichts bezahlen. Die 7.000 Euro kommen von der König-Baudouin-Stiftung, der VoG „Fahr mit“ und privaten Sponsoren.

Werner Kalff: „Jeder, der darauf möchte, bekommt eine Einweisung.“

Ganz einfach zu fahren ist so eine Rikscha allerdings nicht. „Jeder, der darauf möchte, bekommt eine Einweisung“, verspricht Werner Kalff. Denn einen Rückwärtsgang hat die Rikscha nicht. Hinzu kommt ein Wendekreis, der trotz aller Kompaktheit des Gefährtes deutlich größer ist als bei einem normalen Fahrrad. Momentan läuft der Betrieb um die Rikscha allerdings etwas schleppend an. Zum einen muss sich das Angebot erst einmal herumsprechen. Zum anderen ist die aktuelle Situation eine besondere. Das Wetter ist momentan ja auch nicht gerade das perfekte Radfahrwetter. Aber wenn die Sonne wieder mehr scheint und das Virus sich zurückzieht, werden fröhliche Senioren, die sich gemütlich durch das Dorf kutschieren lassen, ein gewöhnlicher Anblick in der Töpfergemeinde sein. Schließlich hat ja jeder das Recht auf Wind in den Haaren.

Wer Lust hat, ehrenamtlicher Rikschafahrer zu werden, kann sich bei Claudia Wetzeler unter der Rufnummer 0470/912 415 melden.

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