Hauset ist nicht Brüssel und auch nicht Berlin. Während für viele Kinder in den Hauptstädten Pflaumen auf dem Kuchen oder als Mus im Glas wachsen, wissen Hauseter Kinder, wie es geht. „Wer von euch hat schon mal einen Baum gepflanzt?“, fragt Gärtner Alexander Hardt in die Runde. Die Schüler des ersten Schuljahres der Gemeindeschule Hauset müssen nicht lange überlegen. Unmittelbar schnellt ein Finger nach dem anderen in die Höhe. „Ich habe zu selten gegossen, da sind die Pflanzen eingegangen“, berichtet Fee von ihren gescheiterten Versuchen, eine Kürbispflanze zu ziehen. Die ist zwar kein Baum, wächst aber auch auf der Erde.
Insgesamt sollen 18 hochstämmige Bäume auf der Streuobstwiese wachsen.
Auch die fünfjährige Emily hat schon gemeinsam mit dem Papa einen Apfelbaum gepflanzt. Etwas ganz Besonderes haben Lena und Romy gemacht. Als nämlich Carlo auf die Welt gekommen ist, hat die Familie ein Bäumchen für das Brüderchen gepflanzt, und die großen Schwestern durften ihre Wünsche für den Familienzuwachs auf Bildern unter dem Baum vergraben.
Jetzt gilt es, einen Reine-Claude-Baum zu pflanzen – eine in Mitteleuropa traditionell heimische Pflaumensorte mit kleinen, gelben, süßen und leckeren Früchten, die man prima vom Baum pflücken und direkt essen kann, die aber auch aus dem Einmachglas, als Marmelade oder auf dem Kuchen munden.
2018 sei man im Raerener Verkehrsverein auf die Idee gekommen, das Freizeitgelände mit einer Streuobstwiese aufzuwerten, erzählt Bürgermeister Erwin Güsting (mit Uns). Mike und Inge Jacob vom Jacobshof haben 2.000 Euro zum 20-jährigen Jubiläum dazugegeben, und die Bäckerei Kockartz hat die passende Wiese gestiftet. Insgesamt sollen 18 hochstämmige Bäume auf der Streuobstwiese wachsen, an denen sich jeder beliebig bedienen darf. Wer sich auf der Wanderung einen leckeren Apfel oder eine Birne genehmigen möchte, kann das genauso tun wie derjenige, der gerne einen Eimer Quitten für fruchtiges Gelee haben will.
Doch nun heißt es erst einmal buddeln. Die Kinder, die mit ihrer Lehrerin Elisabeth Hepp gekommen sind, sind in Gummistiefeln da und haben von zu Hause Schaufeln mitgebracht. Vom Sandschäufelchen bis hin zum beinahe professionellen Spaten ist alles vertreten. „Die, die noch nicht gebuddelt haben, dürfen jetzt“, mahnt Elisabeth Hepp. Denn mancher Junge ist geradezu wild darauf, seine Kräfte mit dem regenschweren Erdboden zu messen.
Alexander Hardt erklärt sehr sorgfältig und kindgerecht die einzelnen Arbeitsschritte. Schließlich hat er ja auch schon im Hergenrather Kindergarten mit den Zwergen gearbeitet. Zumal: Es reicht nicht, ein Loch zu graben und einen Baum hinein zu stellen – dieser würde keine drei Monate alt. Zuerst muss ein Metallnetz gelegt werden. Denn die gemeine Wühlmaus liebt junge Wurzeln, und durch das Netz kann sie sich nicht knabbern. „Ich mag es, mit Kindern zu arbeiten und finde es gut, dass sie so früh schon in der Natur sind“, sagt Alexander Hardt und erklärt die weiteren Arbeitsschritte. Die Kinder vermischen die Erde mit Humus, um dem Baum einen besseren Grund zu geben. Der Gärtner verpasst den Pflanzen schließlich noch eine Maniküre und knipst überflüssige Äste weg. Außerdem werden die Bäume gedüngt. Die Exemplare, die schon länger stehen, sind mit einem Metallschutz gegen Wildverbiss und einem Wassersack ausgestattet, denn gerade in trockenen Perioden brauchen die Bäume ausreichend Bewässerung, um gut gedeihen zu können. Für einen feuchten Grund sorgt zusätzlich eine dicke Filzmatte, die Hardt um den Baum legt. Jetzt heißt es zunächst warten und auf das Engagement der Bienen hoffen, sodass es schon im kommenden Spätsommer erste Erträge gibt. Aber eine richtige Ernte ist erst in drei Jahren zu erwarten und dann wird sich manch Neunjähriger, der als Sechsjähriger beim Pflanzen mitgeholfen hat, eine gute Handvoll Pflaumen nehmen, um sich nach dem Fußballtraining etwas zur Stärkung zu gönnen, das nicht nur lecker und kostenlos, sondern auch noch gesund ist.
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