Schulen aus Eupen, Aachen, Alsdorf und Flémalle sowie einzelne junge Menschen zwischen vier und 25 haben sich auf ihre ganz eigene Art mit dem Thema befasst. „Mich haben die beiden zusammengesetzten Bilder des Eupener RSI beeindruckt“, sagt der Initiator, der Aachener Künstler Peter Schneider. Die Schüler haben den Kopf ihres Namenspatrons, des elsässischen Vaters Europas, Robert Schuman genommen und in sechs Teile geteilt, die je ein einzelner Schüler gemalt hat. „Die Schüler mussten als Gruppe zusammenarbeiten, damit die einzelnen Teile zusammenpassen“, sagt Schneider. Genauso müsse man auch in Europa zusammenarbeiten, damit etwas Gutes entstehe. Schuman schielt jedenfalls auf eine Europakarte und ist sich sicher, dass etwas Gutes aus seinem Werk geworden ist. Auch das zweite Bild des RSI ist eine politische Aussage. Es sind vier Bilder mit fotografierten Augen auf denen jeweils „securité“, Menschenrechte, Vrijheid oder Diversity als wesentliche Inhalte des europäischen Gedankens stehen.
Das Auge hat im künstlerischen Schaffen Schneiders immer schon eine Rolle gespielt. Im Rahmen einer Ausstellung „Lumière“ in La Vigan in Südfrankreich setzte er sich künstlerisch mit der Aufklärung auseinander. Dort machte er aus blauem Organzastoff ein großes Auge durch das der Besucher auf den Park blickt. Den „AugenBlick“ zeigte eine Ausstellung im Dachstuhl der St. Blasiuskirche im sündniedersächsischen Hannoversch-Münden.
Das menschliche Auge hat sowieso eine sehr hohe Symbolkraft. Grund genug für den Künstler, junge Menschen aus der Region zu bitten, sich einmal mit dem „Auge für Europa“ auseinanderzusetzen.
„Ich bin besonders den Lehrern dankbar, die sich derart für die Sache engagiert haben und das Projekt in ihren Unterricht integriert haben“, freut sich der Künstler. Denn die „Augenblicke Europas“ sind ein Kind Coronas. Als es angelaufen ist, war die Seuche schon im Gange. Schneider ist nicht selbst in die Schulen gefahren. Die Schüler hatten nur die Aufgabe. Wenn die Bilder fertig waren, haben sie sie eingescannt oder abfotografiert und Peter Schneider zukommen lassen. Die Ausdrucke sind jetzt im belgischen Zollhaus auf Köpfchen ausgestellt, das das KuKuk verwaltet.
Aber diese Sprachlosigkeit in der Distanz hat auch ihren Reiz. Sowohl der Kurator Schneider als auch das Publikum, das sich die Werke entweder vor dem Zollhaus betrachtet oder bequem am heimischen Computer muss die Bilder selbst ohne Rücksprache mit dem Künstler auf sich wirken lassen und interpretieren.
Die Arbeiten zeigen jedenfalls eine enorme Vielfalt, die abhängig von der Situation des einzelnen Künstlers, seines Alters oder auch seiner Herkunft sind. Gloria (12) von der Gesamtschule Alsdorf zeigt, was sie ausmacht. So mag das Mädchen mit ghanaischem Migrationshintergrund keine Bananen, fährt aber gerne Fahrrad. Ein Schüler der Gesamtschule Brand steht zwischen Weihnachten und Zuckerfest. Jan aus Bonn hat Deutschland in die Mitte seines Auges gezeichnet und mit Europasternen umrandet. Jan aus Flémalle hat ein Mangaauge gestaltet.
Manches ist auch rätselhaft und verlangt Interpretationsleistung wie das Bild von Thomas aus Bonn. In seinem Auge ist ein von einer Haube umhüllter Kopf, auf dem statt des Gesichtes die Flaggen Europas abgebildet sind. Viele der Einsendungen stammen von Kindern mit Migrationshintergrund, teilweise von Flüchtlingen. Diese Kinder haben natürlich eine ganz andere Sicht auf Europa, da sie viele Freiheiten und Möglichkeiten neu erfahren, die für uns selbstverständlich sind. Berufswünsche werden sichtbar. Ein sprachbegabtes Mädchen marokkanischer Herkunft möchte Anwältin oder Kriminalistin werden. Der gerade einmal vierjährige Milo aus Eynatten hat sein Auge aus einer Kastanie gestaltet. Und die Aktion kommt an. Am Sonntagmorgen kommen immer wieder Menschen vorbei, die neugierig schauen.
In jedem Fall zeugen die Bilder von hoher Reflexionskraft und der Buntheit und Verschiedenheit der Menschen, die unsere Euregio bevölkern. Peter Schneider ist jedenfalls sehr angetan von „seinen“ Künstlern und will unbedingt eine zweite Auflage, diesmal allerdings in Deutschlands östlichem Dreiländereck.
pjmschneider.de
zu sehen.

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