Bei der Straßenrad-WM in Imola am Sonntag holte sich der französische Star Julian Alaphilippe den Titel. Der frühere Mailand-Sanremo-Champion siegte nach 258,2 Kilometern vor dem belgischen Allround-Helden Wout Van Aert und dem Schweizer Marc Hirschi.
Mit einer seiner überfallartigen Attacken setzte sich Alaphilippe von der Konkurrenz ab und stürmte im Alleingang zum Sieg auf der Rennstrecke. Noch in der letzten Tour-Woche schien beim Franzosen die Luft raus - womöglich ein kluger Schachzug, holte er doch nun den ersten französischen WM-Titel seit Laurent Borochard 1997 und trat die Nachfolge des Dänen Mads Pedersen an.
In der vorletzten Runde legten die Stars die Zurückhaltung ab. Eine Attacke von Tour-de-France-Sieger Tadej Pogacar mehr als 40 Kilometer vor dem Ziel sprengte das große Feld. Wie entfesselt stürmte der Slowene den Cote de Gallisterna hinauf, als ob die 3482 Kilometer bei der Tour nur eine Spazierfahrt gewesen waren. Die starke belgische Mannschaft musste sich schon strecken, um den Wunderjungen wieder einzufangen.
Nachdem das 177 Fahrer große Feld am frühen Morgen einmal um den Kurs auf der Rennstrecke gerollt war, ging es auf die knifflige 28,8-Kilometer-Schleife, die neunmal zu bewältigen war.
Das motorsportverrückte Imola, in dem Straßen nach Rennfahrern benannt sind und Verkehrsschilder auf berühmte Formel-1-Kurven hinweisen, hat innerhalb von drei Wochen tadellose Rad-Titelkämpfe unter bestmöglichen Bedingungen organisiert. Die Italiener sprangen kurzfristig ein, weil das Event in den Schweizer Gemeinden Aigle und Martigny coronabedingt abgesagt werden musste. Der WM war die Spontan-Organisation aber nicht anzumerken.
IOC-Boss Bach lobte bei seinem Besuch, der Radsport spiele mit seinen Konzepten in Pandemie-Zeiten „eine zentrale Rolle“. Man könne sich für Olympia 2021 in Tokio einiges von Veranstaltungen wie der Tour de France oder der Straßenrad-WM abschauen, betonte der 66 Jahre alte Funktionär. Am Samstag und Sonntag waren auf den Strecken-Tribünen auch vereinzelt Zuschauer zugelassen, an den Anstiegen war das Gedränge dichter. Die meisten Fans trugen dabei ihre Masken. (dpa/mv)

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