Eynattener feiern ihre Kirmes auf Distanz

<p>Der Biergarten auf der Eynattener Kirmes ist in Blasen aufgeteilt, die durch Baugitter getrennt sind. Der Stimmung tat diese Sitzordnung keinen Abbruch.</p>
Der Biergarten auf der Eynattener Kirmes ist in Blasen aufgeteilt, die durch Baugitter getrennt sind. Der Stimmung tat diese Sitzordnung keinen Abbruch. | Foto: Klaus Schlupp

„Es macht sicher keine Freude, mit Maske arbeiten zu müssen, aber wenn man nur mit Maske arbeiten darf, macht es dennoch Spaß“, sagt Carole Boulanger. Die Schaustellerin aus Soumagne ist jedenfalls richtig froh, mit ihrem Entenangeln wieder auf einer Kirmes zu sein. Für sie ist es die zweite nach Montzen. „In der Coronazeit haben wir versucht, uns irgendwie zu beschäftigen und waren viel wandern“, erzählt sie. Natürlich musste man auf die Ausgaben achten, wenn keine Einnahmen kommen. Auch Schießbudenbesitzer George Bairrolle ist glücklich, dass wieder etwas in die Kasse kommt. „Früher war ich bis zum September auf 30 Volksfesten gewesen, jetzt waren es gerade einmal drei“, bedauert er. „Corona ist eine finanzielle Katastrophe“, betont der Schausteller.

Bürgermeister Güsting: „Die Eynattener sind halt fixer.“

Aber nicht nur für die Schausteller, auch für die Besucher ist es eine Erleichterung, dass jetzt wieder solche Vergnügungen, wenn auch mit Hygienemaßnahmen stattfinden dürfen. „Hach, war das schön!“, schwärmt Jana mit großen Augen, als sie das Kinderkarussell verlässt. „Jana war ganz aufgeregt und hat sich gefreut, dass sie auf die Kirmes darf“, sagt die Mutter der Dreijährigen. Lena steht am Biergarteneingang beim Vater und spielt mit einer Schnur, aus der man viele Figuren machen kann. Einen Teil ihres Kirmesgeldes hat die Elfjährige im „Monte-Carlo“ an den Automaten „verzockt“ und freut sich über ihren Gewinn. An diesem Samstag ist die „Landwirtschaftliche Jugendvereinigung“ für den reibungslosen Ablauf des Festes zuständig. Manche stehen am Tresen und bereiten alles vor, andere bewachen den Biergarten. Der ist in Blasen aufgeteilt, die durch Baugitter getrennt sind. „Die Stimmung gestern war super, und alle haben sich an die Maßnahmen gehalten“, sagt Timo Schillig.

Monique Hoffmann ist jedenfalls begeistert vom Eynattener Publikum. Die wohl bekannteste Toilettenfrau Ostbelgiens lobt die Disziplin auch der jungen Leute. „Die waren einfach spitze“, schwärmt sie. Alle haben diszipliniert mit Abstand gewartet, viele haben sich bei Monique Hoffmann für die Hygiene an den an diesem Wochenende nicht ganz so stillen Örtchen bedankt. Noch ist der Biergarten nur dünn besetzt. Auf einer Bank haben es sich die Jugendlichen der KLJ Eynatten bei Bier und Cola gemütlich gemacht und spielen Karten. „Am Montag sind wir dran und machen Bingo mit vielen Gewinnen, Gewinnen, Gewinnen“ macht Marie Schanz Reklame.

<p>Das Zählwerk mit Lichtschranke am Biergarteneingang. Auf dem Display ist die Besucherzahl vermerkt, eine Ampel springt bei 400 Besuchern auf „Rot“.</p>
Das Zählwerk mit Lichtschranke am Biergarteneingang. Auf dem Display ist die Besucherzahl vermerkt, eine Ampel springt bei 400 Besuchern auf „Rot“.

Vor der Kirche spielt Johannes mit seinem Tretroller. „Ich gehe nicht auf die Kirmes, da meine Oma bei uns wohnt“, erzählt der verantwortungsbewusste Zwölfjährige. Schließlich will er die alte Dame nicht anstecken.

Inzwischen fängt es an, Abend zu werden und manch einer versorgt sich mit leckeren Fritten. Auch der Biergarten wird voller. Nun schaut auch Bürgermeister Erwin Güsting vorbei. „Die Eynattener sind halt fixer“, meint das Gemeindeoberhaupt angesichts der ausgefallenen Feste in den anderen Dörfern. In Eynatten hat der langjährige Automatisierungstechniker übrigens selbst mit Hand angelegt. Stolz zeigt er das Zählwerk mit Lichtschranke am Biergarteneingang. Auf dem Display ist die Besucherzahl vermerkt, eine Ampel springt bei 400 Besuchern auf „Rot“. Alles geht automatisch, die Türsteher müssen nicht mit Papier und Bleistift hantieren.

Geschlagene Fußballer trösten sich bei einem kühlen Blonden.

„Wir haben den SC Raeren Berg mit 7:0 geputzt, jetzt gehen wir einen trinken“, sagt Mike Schmitz von Gut Schluck Hauset. Die geschlagenen Jungs des neuen Sterns am ostbelgischen Amateurfußballhimmels trösten sich bei einem kühlen Blonden. „Ich hätte mir eine größere Bierauswahl gewünscht, aber es ist absolut super, was die hier geschafft haben“, sagt Timo Bergmann. Auch der Kegelclub „Böse 5“ hat die Gelegenheit genutzt, sich zum ersten Mal seit langem wieder einmal zu sehen. Auch Angelo Schweitzer von den Los Cannonos lässt es sich nicht nehmen, mit seinen Lieben ein Bierchen zu trinken und ist angetan davon, dass so etwas wieder möglich ist. Vor allem aber wartet er auf Karneval und was dann möglich sein wird.

Kirmes in Eynatten

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