MC Moustache cruist entschleunigt durch die Landschaft

<p>Nicolas Küchen ist Präsident des MC Moustache aus Lichtenbusch.</p>
Nicolas Küchen ist Präsident des MC Moustache aus Lichtenbusch. | Fotos: Klaus Schlupp

Wenn diese „Rocker“ im Schwarm um die Ecke tuckern, herrschen weder Angst noch Schrecken. Im Gegenteil, die Menschen klatschen, lachen und sind begeistert. Denn die „Sandkastenrocker“ des MC Moustache aus Lichtenbusch sind keine Höllenengel mit schweren Harleys. Ihre „heißen Öfen“ sind Mofas und Mopeds der italienischen Kultmarke Piaggio.

Dennoch, die Familienväter aus Lichtenbusch und den umliegenden belgischen und deutschen Gemeinden spielen augenzwinkernd mit dem Rockerimage. Stolz führt „President“ Nicolas Küchen seine Kutte mit dem „Patch“, dem Rückenabzeichen mit einem riesigen Schnauzbart vor. Natürlich gibt es auch einen „Roadcaptain“, der für die Ausfahrten zuständig ist und einen „Treasurer“, der die Kasse verwaltet. „Prospects“, Anwärter, die bei Rockern für die Drecksarbeit zuständig sind, gibt es in diesem Klub selbstverständlich nicht. „Bei uns geht alles demokratisch zu“, sagt Küchen. Nur in einem ist man streng: Es müssen Piaggiomaschinen sein. Zündapp und Co. sind natürlich sehr gern gesehene Gäste bei den Ausfahrten. Um Mitglied zu werden, muss man Piaggio fahren.

„Es ist einfach cool, so ein Mofa zu haben wie früher“, sagt Küchen. Natürlich ist der Junge vom Land auch als Jugendlicher so einen „heißen Ofen“ gefahren, um die Freiheit im Dreiländereck genießen zu können. Schon da war dann auch die Leidenschaft für das Schrauben grundgelegt, die auch heute noch ein wichtiger Bestandteil des Klublebens ist. Hier ist der gelernte KfZ-Mechaniker, den es inzwischen beruflich ins Bankwesen verschlagen hat, in seinem Element. In der Garage des Einfamilienhauses sind gleich mehrere Mofas und Mopeds, die er fit für die große Ausfahrt am Samstag macht. „Manche Klubmitglieder haben halt zwei linke Hände“, sagt er grinsend. Und ein Profi macht jeden Motor schneller flott als ein Amateur. Aber auch die Mitglieder mit anderem Berufshintergrund nutzen den Winter gerne, um an den Mofas herumzuschrauben und alte Maschinen wieder flottzumachen. Nur das früher bei Jugendlichen beliebte „Frisieren“, um alles aus dem Motörchen zu holen, findet nicht statt. Ein „frisiertes“ Mofa sieht nicht mehr original aus und geht schneller kaputt.

Ehefrau Claudia kommt aus dem Haus und begrüßt den Besuch. „Klar sind die Frauen mit dabei“, sagt Küchen. Die machen sogar eigene Touren, entweder mit den Mofas der Männer oder auch mit dem eigenen oder sie fahren mit den Männern mit. Die Ausfahrten sind der Höhepunkt des Klublebens. Meist sind es Rundfahrten im Dreiländereck, sogar bis zum amerikanischen Friedhof in Henri-Chapelle ist es schon gegangen. Das war einmal ein spontaner Entschluss, da manch deutsches Mitglied die Gedenkstätte noch nicht kannte. Schon länger auf dem Zettel steht die Idee, einmal eine längere Tour sei es an die Küste, sei es an die Mosel zu machen und das Ganze mit einer Übernachtung zu verbinden.

Aber auch zu den normalen Tagestouren in die Region gehört es, auch einmal einzukehren und dabei die Vorteile der drei Länder zu nutzen. Da gibt es Mittagessen in Belgien, Kaffeetrinken in den Niederlanden und ein leckeres Eis in Deutschland.

Sowieso geht es im Klub unkompliziert zu. Der ganz harte Kern sind die Nachbarn in Lichtenbuch, und man ist sowieso miteinander befreundet und unternimmt spontan sowieso das ein- oder andere miteinander. Manchmal fahren auch die Ehepaare mit den Mofas herum oder nutzen das Fahrzeug für private Einkaufsfahrten. In Küchens Garage steht auch ein Lastenmofa eines Klubkameraden. „Schade, dass es nicht mitkann“, bedauert er. Doch hier muss noch das ein- oder andere getan werden, bevor es wieder auf die Straße darf.

Die Lichtenbuscher „Sandkastenrocker“ des MC Moustache verbreiten in der Umgebung weder Angst noch Schrecken.

Nicolas Küchen zeigt sein Lager. Da liegen Rahmen, Motoren, Auspuffe und andere Teile liegen im Regal. Auch bei der Schrauberei geht es freundschaftlich zu. Manchmal besorgt jemand Teile in Italien, wo die Sachen noch recht günstig zu bekommen sind oder man wird im Internet fündig. Wer dann ein Teil braucht, kann sich bedienen und entweder allein oder mit Hilfe eines Profis einbauen, sei es von Nicolas Küchen oder von einem der in Aachen ansässigen Profischrauber.

Aber bei allem, was im Klub so ansteht, das Schönste ist es, einfach aufs Mofa zu steigen und loszufahren. „Das ist wie Urlaub, das entschleunigt so schön“, sagt Küchen. Denn mit 25 oder 40 Stundenkilometern erlebt man die Schönheit der Landschaft doch ganz anders, als wenn man stumpf mit 90 Stundenkilometern die Straße längs brettert.

Die nächste Ausfahrt ist am 6. September. Gäste sind herzlich willkommen und können sich über Nicolas Küchens Profile in den gängigen sozialen Medien melden.

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