Fabienne Xhonneux hatte eigentlich mit Politik wenig am Hut. Obschon ihr Großvater lange Jahre ein Schöffenamt in Nidrum bekleidete und ihre Tante, Franziska Franzen, in der ostbelgischen Politik auch kein unbeschriebenes Blatt ist. Dennoch lag ihr Interesse lange brach. Erst als Rene Chaineux sie 1999 als Mistreiterin bei der CSL anwarb, wurde es geweckt. Aus purer Neugierde schaute die waschechte Raerenerin bei ein paar Versammlungen der christlich-sozialen Fraktion vorbei. Das Fazit war eindeutig und entspricht ihrer pragmatischen Art: „Ich fand es interessant. Es hat mir gefallen, also habe ich entschieden, mitzumachen.“
Bei den Wahlen im Jahr 2000 ging sie auf dem dritten Platz ins Rennen und erzielte auf Anhieb ein hohes Stimmenergebnis. Als die Koalitionsgespräche gelaufen waren, wurde deutlich: Es winkt ein Schöffenamt. „Das kam sehr überraschend. Damit hatte ich nicht gerechnet“, so Fabienne Xhonneux. Weil sie sich als absoluter Neuling noch eine kleine Schonfrist erbeten hatte, übte Rolf Kammler in den ersten drei Jahren das Schöffenamt aus. Erst dann übernahm Fabienne Xhonneux. „Somit konnte ich mich noch ein wenig einarbeiten und die Abläufe besser kennenlernen.“ Sie sei als Politik-Novize komplett unbefangen und offen an die Sache herangegangen. Dieses manchmal vielleicht ein wenig an Naivität grenzende Unbelastet-Sein habe ihr aber sehr geholfen. „Es kommt mehr Elan und eine ungezwungene Vorgehensweise dadurch zustande. Vieles würde man vielleicht gar nicht anpacken, wenn man wüsste, was für ein Rattenschwanz an Genehmigungen und bürokratischen Hürden daran hängt. Aber es ist gerade wichtig, dass Leute mit Idealismus und neuen, frischen Ideen in der Gemeindepolitik tätig sind“, weiß die 51 –Jährige heute. Das war für sie auch ein Grund, nun einen Schlussstrich zu ziehen.
Immerhin 20 Jahre, davon neun Jahre als Schulschöffin, hat sie in der Töpfergemeinde auf lokalpolitischer Ebene mitgemischt. „Das ist eine lange Zeit, obschon es mir nie lange vorkam. Es war sehr spannend, ich habe dabei viel gelernt.“
Die wichtigsten Projekt ihrer Karriere waren die Fusion und der Neubau der Schule in Raeren. Staatliche und Gemeindeschule existierten noch bis in die 2000er Jahre parallel zueinander. Dieses Nebeneinander war von einem starken Konkurrenzdenken geprägt. „Es gab unterschiedliche pädagogische Konzepte und zwei Kollegien. Das alles musste vereint werden. Ich denke, man kann heute von einer gelungenen Zusammenführung reden“, so Fabienne Xhonneux. Sie hatte sich damals, was den Standort des Schulbaus angeht, für das Dorfzentrum stark gemacht. Ein außerhalb gelegener Neubau war die Alternative, die zur Diskussion stand. „Ich bin auch heute noch der Meinung, dass eine Schule mitten ins Dorf gehört. Eine Schule belebt das Dorf und gehört mitten in die Gemeinschaft.“ Dass sie als Kindergärtnerin quasi „vom Fach“ war, habe ihr viele Diskussionen erleichtert. Somit konnte sie oft als „Mittelsmann“ agieren.

Ihren Beruf als Kindergärtnerin will sie jetzt wieder mehr in den Fokus rücken. Lange Zeit hat eine Beinverletzung ihr das unmöglich gemacht. Nach einem Schienbeinbruch vor zehn Jahren, laborierte sie ewig mit bakteriellen Entzündungen, die dafür sorgten, dass sogar ein Stück Knochen entnommen werden musste. Eine Beinschiene und etliche Tage im Rollstuhl gingen damit einher. Diese ganze Krankengeschichte hatte aber auch ihr Gutes: „Ich hatte mehr Zeit für mein Engagement in der Gemeinde und ich habe gelernt, mich in Geduld zu üben – auch das ist in der Politik von Vorteil“, lacht Fabienne Xhonneux. Dennoch freut sie sich nun auf die Rückkehr in den Klassenraum. „Die Arbeit mit den Kindern hat mir immer Spaß gemacht. Ich habe immer gesagt, dass ich genau die richtige Berufswahl getroffen habe. Es ist ein sehr bereichernder Job. Die Kinder sind so offen und kreativ.“

In der letzten Ratssitzung, der sie als aktives Mitglied beiwohnte, ging es heiß her. Die Zukunft der Lichtenbuscher Schule wurde diskutiert. Es war indes keine Sternstunde der Gemeindepolitik. Die Anfeindungen seitens der Mehrheit gingen oft unter die Gürtellinie. „Mir war es immer wichtig, dass man sich nach heftigen Debatten trotzdem noch in die Augen schauen konnte. Ich finde es nicht schlimm, wenn man nicht einer Meinung ist, aber man sollte sich dennoch immer Anstand und Höflichkeit entgegen bringen. Das war in letzter Zeit nicht mehr der Fall“, kritisiert Fabienne Xhonneux, die sich laut eigener Aussage in den letzten Jahren ein dickes Fell zugelegt hat. Selbst wenn sie den Umgangston mancher Mehrheitsmitglieder nicht gutheißt, gab dies nicht den Anlass, ihr Mandat niederzulegen. „Meine Entscheidung stand schon lange vor dieser letzten Sitzung fest. Ich gehe ohne Frust und ohne Groll“, erklärt sie. Dass sie die letzten Jahre auf der harten Oppositionsbank verbracht hat, stört sie nicht. Im Gegenteil. Ihrer Meinung nach ist es von Vorteil, beide Arbeitsweisen kennenzulernen. „Als Oppositionspolitiker hat man einen schwereren Stand. Die Arbeit der Mehrheit ist immer viel sichtbarer. Aber es ist ganz gut, beide Perspektiven erlebt zu haben“, sagt die passionierte Hobbyköchin. Der Beschäftigung mit Kesseln und Pfannen wird sie nun künftig mehr Zeit einräumen können. „Ich koche wirklich unheimlich gerne. Ich könnte den ganzen Tag in der Küche stehen. Das finde ich sehr entspannend. Dabei probiere ich immer wieder Neues aus“, erklärt sie. Ein wirkliches Lieblingsgericht hat sie nicht, stellt ihre Kochkünste aber gerne in den Dienst anderer. So kocht sie bei der Raerener Pfadfindergruppe auf Lager oder verschenkt Essensgutscheine an Bekannte und Freunde. „Das ist wirklich lustig. So kommt es, dass ab und an in meinem Haus Leute am Tisch sitzen, die ich vorher gar nicht kannte. Sie kommen als die Gäste derjenigen, denen ich den Gutschein geschenkt habe. Ich lerne dadurch viele Leute kennen und habe schon interessante Abende auf diese Weise erlebt“, lacht die alleinstehende Raerenerin, der offensichtlich nie langweilig wird. Sie hat in den letzten Jahren zweimal einen Dekorationskurs besucht, gelernt Weidenkörbe, zu flechten und mit der Nähmaschine zu arbeiten, eine Meisterausbildung zur Schaufenstergestalterin absolviert und lässt sich von einem Schreiner in die Geheimnisse des Holzes einweisen. Auch in Zukunft hat sie noch volles Programm. Die CSL-Fraktion wird sie ab und an noch aus dem Hintergrund unterstützen. Sie will sich aber vor allem weiterhin kreativ betätigen, Leute treffen und neue Rezepte ausprobieren. Die erklärte Optimistin ist bereit, das Leben zu nehmen wie es kommt. Denn nicht nur Kochen ist eine Kunst, Genießt auch.

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