Feiern bis in die frühen Morgenstunden, aus voller Kehle zu Ballermannmusik grölen, sich dicht an dicht um die Theke drängen, in einem Zelt, in dem die Luft steht und der Schweiß von der Decke tropft: „So etwas ist in der jetzigen Situation undenkbar“, sagt Werner Kalff vom Jugendtreff Inside. Die ausrichtenden Vereine – neben dem Jugendtreff der HC Eynatten-Raeren, die KLJ Eynatten und die Jugendvereinigung Eynatten – möchten zwar kein unnötiges Risiko eingehen, aber auch nicht gänzlich auf die Kirmes verzichten.
Biergarten statt Kirmeszelt
Im Frühjahr sei man noch guter Dinge gewesen, die Kirmes in gewohnter Form über die Bühne zu bringen, erzählt Werner Kalff. „Mit jeder Lockerung wurden wir optimistischer. Dann wurden die Regeln wieder strenger. Es war ein richtiges Hin und Her“, erinnert er sich. „Wir waren uns aber von Anfang an einig, dass wir etwas machen möchten. Wir wussten nur noch nicht, in welcher Form“, ergänzt Guido Lausberg vom HC Eynatten-Raeren. „Wir können nicht auf ewig alles absagen, deswegen machen wir jetzt den ersten Schritt.“
Die Veranstalter hatten sich bis zuletzt über ihr coronakonformes Kirmeskonzept ausgeschwiegen, nun ist es raus: Statt in einem Zelt wird diesmal im Freien gefeiert, und zwar in einem 300 Quadratmeter großen Biergarten, der rundherum eingezäunt, größtenteils überdacht sein wird und Platz für rund 200 Besucher bietet. „An jedem Tisch können bis zu zehn Personen einer Blase Platz nehmen“, präzisiert Guido Lausberg.
Dafür, dass der Biergarten nicht, wie üblicherweise das Festzelt, aus allen Nähten platzt, sorgen eine Lichtschranke und eine Ampelanlage am Eingang: Ist die maximal zulässige Besucherzahl erreicht, springt sie auf Rot. „Kinder können unter der Lichtschranke durchgehen, die werden nicht mitgezählt“, so Lausberg. „Und weil wir bereits derartige Anfragen hatten: Reservierungen sind nicht möglich.“
Auf dem gesamten Kirmesgelände gilt Maskenpflicht. Einzige Ausnahme: Wer im Biergarten an einem der Tische Platz genommen hat, darf den Mundschutz abnehmen. „Es gelten eigentlich die gleichen Regeln wie auf Terrassen“, sagt Lausberg. Demnach werden die Besucher auch ein Kontaktformular pro Tisch ausfüllen müssen.
Damit das neue Konzept aufgeht, müssen sich alle Kirmesbesucher an die Spielregeln halten. „Natürlich ist einem mulmig zumute und man macht sich Gedanken, ob alles glatt läuft. Es wäre sicher einfacher gewesen, nichts zu organisieren“, sagt Werner Kalff. „Aber wir setzen auf den gesunden Menschenverstand und das Verständnis der Besucher.“
Um den Laufverkehr im Biergarten so gering wie möglich zu halten, wird es Bedienung an den Tischen geben. Coronabedingt werden die Getränke nicht stilecht im Plastikbecher oder in Gläsern, sondern in Fläschchen serviert. „Gläser müssten wir bei 60 Grad spülen, das wäre zu aufwendig“, erklärt Lausberg den Hintergrund.
Die beiden Mitorganisatoren gehen davon aus, dass sich der Besucherandrang in Grenzen halten wird. „Die Leute sind vorsichtiger geworden und so manch einer wird sich sicher zweimal überlegen, ob er sich unter Leute mischt“, ist Lausberg überzeugt. Diese Erfahrung hätten auch andere Kirmesveranstalter in der Wallonie gemacht. Dennoch sei nicht auszuschließen, dass es am Eingang zum Biergarten zu Wartezeiten kommen kann. „Das wird sicher zu Diskussionen führen, und wenn die Schlange zu lang wird, müssen wir Leute nach Hause schicken oder bitten, später wieder zu kommen, aber wir hoffen einfach auf das Verständnis der Besucher. Wir müssen uns an die Regeln halten. Anders geht es nicht.“ Das bedeutet auch, dass die Sperrstunde greift: Ausschank erfolgt bis 23 Uhr, um Mitternacht ist Schluss.
Die von der Coronakrise schwer getroffenen Schausteller hätten die Einladung der Gemeinde dankend angenommen und ihr Kommen ohne Zögern zugesichert. Mehrere Schausteller haben sich angekündigt, darunter die „üblichen Verdächtigen“ wie Lunapark, Autoscooter, Schießbude, Kinderkarussell, Entchenangeln und mehrere Imbissbuden. Neu ist in diesem Jahr auch, dass die Fahrgeschäfte bereits freitags öffnen, und nicht erst samstags, wie es bislang der Fall war.
Um den Besucherstrom etwas zu entzerren, werden sich die Schausteller in einer Art Rundgang aufstellen, der sich auch über die Wiese ausdehnt, auf der bislang das Festzelt stand.
Werner Kalff und Guido Lausberg hoffen, dass die Besucher an der „etwas anderen“ Kirmes ebenso ihre Freude haben werden wie an der traditionellen. „Man kann gemütlich eins trinken und über die Kirmes schlendern. Das ist vielleicht nicht die Art von Kirmes, die wir gewohnt sind, aber wir hoffen, dass es trotzdem alle gut haben werden.“
Aus finanzieller Sicht dürfte die diesjährige Kirmes eine Nullnummer werden. Doch darum geht es den Vereinen auch gar nicht: „Wir möchten dem Dorf ein bisschen Atmosphäre geben und nach langer Zeit noch mal was für das Zusammengehörigkeitsgefühl tun“, so Guido Lausberg.
Biergarten und Fahrgeschäfte sind am Freitag ab 17 Uhr, am Samstag ab 16 Uhr, am Sonntag ab 15 Uhr und am Montag ab 16 Uhr geöffnet. Am Montagabend findet gegen 20 Uhr der beliebte Bingoabend statt.

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