Dr. Christine Joosten-Staar schließt ihre Praxis

<p>Dr. Christine Joosten-Staar wird heute ihre Praxis schließen, aber noch weiter als Ärztin tätig sein.</p>
Dr. Christine Joosten-Staar wird heute ihre Praxis schließen, aber noch weiter als Ärztin tätig sein. | Fotos: Eva Wetzels

Christine Joosten ist gebürtige Antwerpenerin und hat in Löwen ihr Medizinstudium absolviert. Zu Hause wurde Französisch gesprochen, in der Schule und an der Universität Niederländisch. Nach Raeren kam sie dank eines Praktikums im Eupener Krankenhaus am Ende ihres Studiums. ,,Die deutsche Sprache habe ich von den Raerenern gelernt“, erzählt sie schmunzelnd: ,,Deswegen spreche ich auch so schön, mit allen Fehlern, die hier üblich sind.“

Zwei Jahrzehnte Koordinatorin des Palliativpflegeverbandes

1975 ist sie nach Raeren gezogen. Sie wurde gefragt, ob sie dort Hausärztin werden wollte, denn in Raeren gab es zu diesem Zeitpunkt nur die Praxis von Dr. Otto Dehottay. Sie siedelte sich im Ortsteil Plei an. Damit ging für sie ein Traum in Erfüllung, denn schon als Kind hatte sie stets auf die Frage, was sie später einmal werden wolle, immer geantwortet: Doktorin. ,,Ich habe nie etwas anderes tun wollen“, erzählt sie: ,,Es war mein Traum, mein Schicksal, meine Idee.“ Als Kind hat sie bereits im dritten Schuljahr ihr erstes Anatomiebuch besessen und konnte jedes Organ des menschlichen Körpers malen. Könnte die Ärztin nochmal von vorne anfangen, würde sie nichts anders machen. Und bis heute ist Medizin ihre Leidenschaft geblieben.

Im Alter von 26 Jahren ist sie schließlich mit ihrem Ehemann, dem Kinderarzt Dr. Richard Joosten, in die Spitalstraße 36 in Raeren gezogen, um dort gemeinsam eine Praxis zu eröffnen. ,,Geholfen zu haben“, ist Dr. Joostens Antwort auf die Frage, was ihr der Beruf in all den Jahren als Ärztin gegeben hat. ,,Den Leuten beizustehen und sie zu begleiten, von Anfang bis zum Ende“. 1998 hat sie einen zweijährigen Lehrgang an Wochenenden zur Palliativmedizinerin beendet. ,,Man akzeptiert, dass die Leute ausbehandelt sind, und dann steht man ihnen bei – bis zum letzten Atemzug“. Dr. Joosten war 20 Jahre Koordinatorin des Palliativpflegeverbandes der DG, von 1999 bis zum vergangenen Jahr.

<p>Seit 2019 arbeitete Dr. Christine Joosten-Staar im Medizinischen Zentrum Merols.</p>
Seit 2019 arbeitete Dr. Christine Joosten-Staar im Medizinischen Zentrum Merols.

Dr. Valerie Lemmens machte 2010 ein Praktikum in der Praxis der Joostens. Nachdem das Praktikumsjahr vorbei war, ist sie als Kollegin geblieben. 2019 haben die Joostens sowie Dr. Lemmens dann die Praxis in der Spitalstraße geschlossen, um sich dem neuen Medizinischen Zentrum in Merols anzuschließen. Die Praxis im Untergeschoss des Hauses wurde für die drei Ärzte sowieso zu klein. ,,Die Patienten zu Hause zu empfangen, war aber angenehmer. Die Praxis war im Haus, das heißt, die Leute konnten kommen, wann sie wollten. Hier muss man mit Terminen arbeiten und warten, ob jemand kommt oder nicht. Zu Hause konnte man den Haushalt machen, bis der Patient schellte. Das ist eine ganz andere Art, zu arbeiten“, beschreibt die 68-jährige Ärztin die Entwicklung. Zwar tritt sie nun den Ruhestand an, doch alles wird sie nicht aufgeben. Dr. Joosten wird sich weiterhin um ihre älteren Patienten, ihre Palliativpatienten und ihre Hausbesuche kümmern. ,,Ich höre mit der Praxis auf, aber ich kann nicht alle fallen lassen. Ich mache also keinen kalten Entzug.“ Bis sie 70 Jahre alt ist, darf sie noch arbeiten. ,,Und dann muss ich aufhören, dann bin ich zu alt“, sagte sie lachend. Außerdem setzt sie ihre Koordinationsarbeit in den Wohn- und Pflegeheimen in Bütgenbach und St.Vith fort.

Ihre schönsten Erinnerungen in all den Jahren kann sie aufgrund des Berufsgeheimnisses nicht verraten. Es sind Momente gewesen, in denen sie wirklich den Unterschied zwischen Leben und Tod gemacht hat. Der Beruf des Arztes bringt aber auch eine andere Seite mit sich. ,,Ich habe auch Fehler gemacht, das merkt man dann im Nachhinein. Aber wir sind auch nur Menschen.“

Am wenigsten wird Dr. Joosten das Telefon vermissen. ,,Für mich ist das über die Jahre zu einem Horror geworden“, gesteht sie. Früher hat das Ärztepaar sogar einen Babysitter für das Telefon gebraucht, wenn sie mal ausgingen. ,,Wenn jemand ein Problem hat, dann hat er das jetzt. Nicht morgen“, begründet die Ärztin dies achselzuckend: ,,Es waren viele Jahre, Tage, Nächte und Wochenenden“.

Den Haushalt musste sie oft in der Nacht machen. ,,Die Kinder haben nicht viel von mir gehabt“, vermutet sie: ,,Aber ich hoffe, dass es jetzt im Rentenalter besser wird mit den Enkeln“, fügt sie optimistisch hinzu. Die alte Praxis in der Spitalstraße ist zum Spielplatz für ihre fünf Enkel geworden. Ihre Aufmerksamkeit in der Rente will sie vor allem dem Haushalt, dem Garten, ihrem Mann und ihren Enkeln widmen. Der Job eines Arztes ist ein harter. Tag und Nacht. ,,Und ich glaube nicht, dass sich das groß ändern wird. Mal gucken, wie es nächste Woche wird“.

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