Ferienregion Ostbelgien profitiert von einer starken Sommersaison

<p>Blick auf den Campingplatz in Bütgenbach-Worriken</p>
Blick auf den Campingplatz in Bütgenbach-Worriken | Foto: D. Ketz/www.ostbelgien.eu

„In diesem Sommer sind wir regelrecht von Gästen überlaufen worden. In den letzten Jahren lief die Sommersaison bereits gut, doch 2020 war noch besser, so dass wir die Verluste aus dem Frühjahr größtenteils wieder gut machen konnten“, sagte Tanja Pip vom Hotel Pip-Margraff in St.Vith. Aufgrund der europäischen Reiseverbote waren die Angebote in der Ferienregion Ostbelgien vor allem im Inland sehr gefragt, hieß es. „Viele Gäste mussten sich wegen Covid-19 gegen entfernte Urlaubsgebiete und für einen Aufenthalt in Ostbelgien entscheiden. Viele Flamen, Wallonen aber auch viele Einheimische nutzten die hervorragenden Freizeitmöglichkeiten in Ostbelgien. Wir hatten sogar Wandergäste aus Eupen und Raeren zu Gast“, erklärte die Hotelfachfrau.

Der anfängliche Frust über die Covid-19-bedingten Betriebsschließungen im Frühjahr wurde durch das gute Sommergeschäft gemildert: „Covid-19 war ein Segen für uns in Bezug auf Tourismus und Hotelbuchungen. Viele Reservierungen wurden zwar storniert, doch im Gegenzug kamen viel mehr neue Anfragen für das Hotel. Die Leute konnten und wollten nicht mehr weit reisen und blieben im Lande“, sagten die Betreiber des Hotel-Restaurants „Zur alten Schmiede“ in Schönberg.

Den hohen Anteil an Gästen aus dem Inland belegten die Zahlen der Online-Umfrage der TAO: 64 Prozent der Betriebe aus dem Bereich „Hotel, Gästezimmer & Herbergen“ waren der Ansicht, dass die Gäste in diesem Jahr ihren Haupturlaub nicht anders als sonst in Ostbelgien verbracht haben. 68 Prozent sagten, dass die Feriengäste länger in Ostbelgien verblieben als in den Vorjahren. Insgesamt führten 84 Prozent der Befragten aus diesem Bereich eine „bessere oder gleiche“ Auslastung im Vergleich zum Vorjahr an. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde öfter als sonst direkt beim Anbieter gebucht, was 70 Prozent der Befragten bestätigten.

In etwa der gleiche Trend wurde im Segment „Ferienwohnungen, Feriendörfer & Camping“ verzeichnet. Viele Ferienwohnungen waren in den Ferienmonaten voll ausgebucht. Neben Flamen nutzten auch viele Familien aus der Wallonie und den Niederlanden die Ferienunterkünfte, die sich vielfach in der Nähe der Badeseen von Bütgenbach und Robertville befinden. Gebucht wurde den Angaben zufolge bevorzugt direkt beim Anbieter aber auch gerne über Agenturen. 85 Prozent der teilnehmenden Betriebe sprachen von einem „besseren oder gleichen“ Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr. Wandern, Radfahren und Mountainbike waren die Lieblingsbeschäftigungen der Gäste.

Von den strengen Covid-19-Maßnahmen stark betroffen waren allerdings die teils luxuriösen Gruppenunterkünfte. Aufgrund der Tatsache, dass aus Sicherheitsgründen maximal zehn Personen pro Unterkunft zugelassen waren, lohnte sich die Vermietung für diese Anbieter nicht und blieben die Einnahmen aus.

Der Campingbereich konnte die Verluste aus dem Frühjahr durchweg auffangen. „Wir hatten wesentlich mehr belgische Besucher als im Vorjahr, vor allem Flamen aber auch viele Brüsseler und Wallonen“, erklärte Lesley Bekker vom Camping Anderegg bei Robertville. Dort herrschten strenge Hygiene-Auflagen, die laut Aussage der Betreiber vor allem bei den Gästen oftmals nur zögerlich befolgt wurden.

So wie die meisten Betriebe im Tourismus mussten auch die ostbelgischen Anbieter von Freizeitaktivitäten und Ausflugszielen sowie die Touristinfo Büros etwa zwei bis drei Monate wegen der Coronakrise schließen. Unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen konnten die meisten Einrichtungen dann wieder öffnen. „Zu Beginn war es nicht einfach, weil wir Veränderungen bei der Einrichtung und dem Empfang vornehmen mussten. Als sich die Routine eingestellt hatte, verlief alles reibungslos. Viele Gäste verstanden nicht sofort, warum nur ein Mitglied pro Familie zugelassen war, doch im Grunde verhielten sich die Meisten vorbildlich“, erklärte Kevin Bodarwé vom „Haus für Tourismus Hohes Venn-Ostbelgien“ in Malmedy. Dort wurden von Mitte Juni bis zum 22. August diesmal 5.493 Besucher mehr als im vergangenen Jahr empfangen (2020: 17.385, 2019: 11.892).

Viele Ausflugsziele wie beispielsweise die Burg Reinhardstein in Ovifat erlebten einen wahren Besucher-Ansturm. „7.800 Besucher alleine im Monat Juli bedeutet eine Steigerung von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Monat August war noch besser besucht“, sagte Martine Delvoye, Verwalterin der VoG Reinhardstein. Viele Einrichtungen bedauerten natürlich das Fehlen der traditionellen Festtage wie den 15. August, die Kirmes- oder Musikveranstaltungen und die Formel 1, aber insgesamt meldeten 73 Prozent der Befragten ein besseres oder gleiches Besucheraufkommen im Vergleich zum Vorjahr. Hochsaison herrschte vor allem am verlängerten Wochenende des Nationalfeiertages. Die Badeseen und Freibäder hatten mit Zugangsbeschränkungen und strengen Auflagen zu kämpfen. Sowohl die Anlagen am See von Bütgenbach (maximal 500 Besucher / Tag) also auch in Robertville (maximal 600 Besucher / Tag) hätten in einer normalen Saison wesentlich mehr Gäste aufnehmen können. Stattdessen mussten die Anlagen an den Sommertagen teilweise mit Polizeihilfe abgeriegelt werden. In Bütgenbach wurde in diesem Sommer laut der Verwaltung 19 Mal die maximale Tagesbesucherkapazität erreicht. Auch in Robertville herrscht viel Andrang: „Viele Leute hatten kein Verständnis dafür, dass sie nicht reinkommen durften. Ein schwieriges Hindernis war die Maskenpflicht für Badegäste, die sich auf dem Gelände bewegten“ sagte eine Mitarbeiterin des Touristinfo Robertville.

Höhere Zugriffszahlen auf der Webseite www.ostbelgien.eu

Aus der Analyse der Webdaten war ersichtlich, dass konkrete Urlaubsplanungen bereits im Mai und besonders im Juni 2020 durchgeführt wurden, denn ab dieser Zeit kletterten die Zugriffszahlen auf dem touristischen Webportal Ostbelgiens (www.ostbelgien.eu) in hohem Maße. In der Zeit vom 1. Juni bis zum 15. August suchten demnach etwa doppelt so viele Menschen via Internet nach Informationen über Ostbelgien wie noch vor einem Jahr. Großes Interesse zeigten die Besucher bei der Bestellung von Karten- und Infomaterial über den Webshop der Seite.

Die Online-Umfrage wurde unter den 150 Mitgliedsbetrieben der TAO durchgeführt. Der Befragungszeitraum betrifft größtenteils die Periode der Sommerferien vom 1. Juli bis zum 22. August 2020. Die Ergebnisse sind rechtlich nicht bindend und beziehen sich ausschließlich auf die ostbelgischen Betriebe, die an der Befragung teilgenommen haben. (sc/red)

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