Langstrecken-WM (WEC) vor leeren Rängen in Spa

<p>Titelverteidiger Toyota, hier beim freien Training in Spa-Francorchamps.</p>
Titelverteidiger Toyota, hier beim freien Training in Spa-Francorchamps. | Foto: Herbert Simon

Auch bei den anstehenden Sechs Stunden WEC in Spa herrschen wegen der Corona-Pandemie strenge Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen, wie dort zuvor schon bei der DTM und den Vier Stunden Le-Mans-Serie (ELMS). Bislang ist übrigens ein Fahrer – der französische LMP2-Pilot Gabriel Aubry, positiv auf Covid-19 getestet worden. Das hatte die im Corona-Protokoll vorgesehenen Maßnahmen für das Team zur Folge.

Das Rennen am Samstag (ab 13.30 Uhr) findet wohlgemerkt vor leeren Rängen statt. Dieser sechste von acht Läufen der jahresübergreifenden Langstrecken-WM 2019-20 gilt traditionsgemäß als Generalprobe für den Saisonhöhepunkt, die 24 Stunden von Le Mans am 19./20. September.

Unter den eingeschriebenen 30 Mannschaften ist die Hauptkategorie LMP1, die ohnehin auf Abschiedstour ist, zahlenmäßig schwach besetzt. Das Werksteam von Toyota tritt mit seinen beiden TS050 Hybrid (Conway-Kobayashi-Lopez und Buemi-Nakajima-Hartley) gegen zwei Nicht-Hybrid-Bewerber an: Rebellion-Oreca (CH) mit Senna-Menezes-Nato und Kolles-Enso (D) mit Dillmann-Spengler-Webb. Es fehlt Ginetta.

Natürlich sind die seit Jahren in der LMP1 dominierenden Japaner erneut die Favoriten. Doch wegen der neuen Handicap-Regel des WEC-Promoters, die für einen Leistungsausgleich im Feld sorgen soll, werden die TS050 Hybrid arg beschnitten, so dass die Meisterschaftsführenden mit stumpfen Waffen kämpfen müssen und in Spa-Francorchamps etwa drei bis vier Sekunden pro Runde langsamer als ihre theoretische Bestzeit sein sollten. Derweil wird der Rebellion-Oreca nur um knapp zwei Sekunden eingebremst und wittert somit seine Chancen auf den Sieg. Immerhin konnte er bei den bislang fünf Saisonläufen Toyota zweimal bezwingen.

Heimspiel: Maxime Martin vertritt die belgischen Farben.

Der WEC sind in den letzten Jahren in der Hauptklasse die großen Autobauer weggelaufen. Nur Toyota ist als LMP1-Werksteam treu geblieben. Mit den neuen Regelwerken Hypercar (ab 2021) und LMDh (ab 2022) erhoffen sich die Macher einen neuen Aufschwung dank Toyota, Glickenhaus, Peugeot, Kolles, Porsche u. a.

Maxime Martin kommt die Ehre zu, die belgischen Farben beim Heimspiel in Spa-Francorchamps zu vertreten. Er bildet mit dem Briten Alexander Lynn eines der beiden Duos des Werksteams von Aston Martin, das in der sehr gut besetzten Kategorie der GT-Sportwagen gegen die starke Konkurrenz von Ferrari und Porsche antritt. Der Brüsseler holte sich im Vorjahr den Sieg bei den 6h. „Daran erinnere ich mich gerne“, so der 34-Jährige im Gespräch mit dem GrenzEcho. Es war ein kompliziertes Rennen, denn die Bedingungen waren wechselhaft mit sogar Graupel und Schnee.“ Wie sieht er seine Chancen in diesem Jahr? „Nicht schlecht, das Auto funktioniert gut auf Trocken und Nass. Aber Spa könnte uns erneut einige Tücken bescheren, denn es werden Gewitter angekündigt. Da wird es auf eine wirksame Strategie ankommen.“

In der WEC 2019-20 haben die Aston Martin Vantage AMR schon drei Siege verbucht, aber es war nicht das Auto von Maxime Martin: „Ja, wir hatten das eine oder andere Problem, sonst hätten auch wir gewinnen können.“

Wegen Corona bestreitet der Brüsseler in diesem Jahr kein Programm im europäischen GT3-Challenge: „Das Team R-Motorsport pausiert aus wirtschaftlichen Erwägungen. Die Zeiten sind schwierig. Hoffen wir das Beste für 2021.“ Aber bei den 24 Stunden in Spa könnte er trotzdem mit von der Partie sein: „Allerdings nicht in der Pro-Klasse, sondern in der Pro-Am“.

Die Krise hat ferner dazu geführt, dass das Projekt des Martin Racing Teams, das 2020 mit Aston Martin-Sportwagen der Gruppe 4 seine Premiere feiern sollte, nicht geglückt ist: „Keine erfreuliche Erfahrung, ganz zu schweigen von den finanziellen Verlusten.“ Und was hält unser Gesprächspartner von Geisterrennen? „Grundsätzlich mag ich sie nicht, es fehlen halt die Fans. Aber lieber 20 mal solche Rennen als gar keine.“

Die Start- und Schlussphase der 6h von Spa werden vom RTBF- und vom Eurosport-Fernsehen live übertragen, auch ist das Rennen im Livestream zu sehen.

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