„Der Kies muss weg“: Deutlicher als Tjards Wendebourg in seinem gleichnamigen Buch kann man es kaum sagen. Das Thema Schottergärten ist inzwischen Thema von Veröffentlichungen und in sozialen Netzwerken. In Ostbelgien, genau gesagt im Dreiländereck, hat sich der Gartenbaubetrieb Leufgen mit Niederlassungen in Üttfeld (D) und Weiswampach (Lux) viel mit der Thematik auseinandergesetzt. Firmengründer Jens Leufgen hat längst für sich entschieden, dass er konsequent Nein zum Schottergarten sagt und Kundenwünsche, die dahin gehen, den Garten mit einer Ladung Steine zuzuschütten, nicht erfüllt.
Oft sind die Anlagen teurer und pflegeintensiver als gedacht.
„Wir versuchen die Kunden zu überzeugen und gemeinsam Alternativen zu entwickeln“, so der Geschäftsführer des Unternehmens. „Die meisten glauben, ein Schottergarten sei mit weniger Arbeit verbunden und günstiger“, berichtet Jens Leufgen.

Die Enttäuschung sei dann nachher groß: „Es dauert ein bis zwei Jahre, bis das Unkraut seinen Weg durch die Steine gefunden hat. Und haben Sie mal versucht, heruntergefallenes Laub oder Äste aus einem Steinhaufen zu entfernen?“, so der Gartenfachmann. Viele seiner Kollegen sowie Naturschützer sind der gleichen Ansicht. „Der Kies alleine kann schon mehrere Hundert Euro pro Tonne kosten“, weist der Naturschutzbund Nabu darauf hin, dass der Schottergarten nicht unbedingt die günstigste Alternative ist. Nach drei bis zehn Jahren müsse die gesamte Fläche abgetragen und erneuert werden. Algen- und Moosbewuchs lassen die Fläche recht schnell unansehnlich wirken. Dann müssen Laubbläser oder Hochdruckreiniger eingesetzt werden. „Das verbraucht viel Energie und schadet Kleinstlebewesen“, argumentiert Nabu. Der ökologische Aspekt ist noch eine ganz andere Sache, denn die spärliche Bepflanzung bietet weder Vögeln noch Insekten oder anderen Gartentieren Nahrung und damit keinen Lebensraum. „Biologisch gesehen sind viele dieser Gärten tot“, sagt Nabu. Für Jens Leufgen, dessen Beruf es ist, grüne Anlagen zu gestalten, gibt es noch ein ganz anderes Argument: die Ästhetik. „Was gibt es Schöneres als abends nach Hause zu kommen und sich in seinen schönen Schottergarten zu setzen?“, sagt er augenzwinkernd und blickt auf seinen eigenen grünen Garten an seinem Wohnsitz in St.Vith.
Besonders an heißen Sommertagen bieten die Steingärten eher Hitze und Staub als Erholung. Zudem wird die Luft nicht durch Pflanzen abgekühlt, sondern eher noch zusätzlich erwärmt. „Und regnet es einmal stark, wie es in Zukunft häufiger vorkommen kann, steht das Wasser im Schotterbeet, weil es durch den verdichteten Boden nicht abfließen kann“, warnt Nabu.
Alle diese Aspekte haben Jens Leufgen dazu bewogen, solche Anlagen konsequent abzulehnen. „Meist können wir die Kunden überzeugen“, sagt er. Kein Schotter, das heißt nicht, dass Steine als Elemente der Gartengestaltung abgelehnt werden. „Wir arbeiten so, dass wir uns nahe am Haus an der Architektur orientieren und dann, je weiter wir uns entfernen, uns der Natur anpassen“, erklärt Jens Leufgen das Konzept seines Betriebes, in dem 30 Mitarbeiter beschäftigt sind, und den er zusammen mit seiner Frau, der St.Vitherin Julie De Vuyst, leitet. Alle seine Kunden legen nach seiner Erfahrung Wert darauf, dass der Garten „sauber und ordentlich“ aussieht. „Alles, was geradlinig und wie geleckt aussehen soll, ist natürlich vermeintlich mit viel Arbeit verbunden“, sagt der Gartenbauer.
Sein Rat ist, einmal ein Konzept zu entwerfen und dieses dann – eventuell Schritt für Schritt – umzusetzen. Mulch könne eine gute Lösung sein, eine Fläche zu gestalten. „Jede Fläche, die zugeschottert wird, ist aber eine verlorene Fläche für Blumen, Bienen und letztlich auch für den Menschen“, so der Gärtnermeister.
Nun haben er und seine Kollegen wie gesagt nichts gegen eine ansehnlich gestaltete Fläche mit schönen Steinen. „Dazu gehört allerdings mehr, als einfach eine Schubkarre Schotter auszuschütten“, bringt Jens Leufgen es auf den Punkt.
Auch Nabu betont, dass Steingärten nach alpinem Vorbild, „vielen Insekten Nahrung bieten, wenn sie fachgerecht angelegt sind“. Apropos fachgerecht: Weder in Belgien noch in Deutschland oder Luxemburg ist der Beruf des Landschaftsgärtners geschützt. „Man sollte als Kunde schon darauf achten, ob es sich um eine Fachkraft handelt. Da, wo Gärtner drauf steht, ist nicht unbedingt Gärtner drin“, erklärt der Chef des Gartenbauunternehmens.
In Deutschland hat Baden-Württemberg nun als erstes Bundesland die „Gärten des Grauens“, wie eine Facebook-Gruppe die Steingärten nennt, verboten. Dies im Rahmen der Naturschutzgesetzgebung und mit dem Ziel, die Artenvielfalt zu stärken. Auch viele andere deutsche Städte haben entsprechende Initiativen ergriffen. In Belgien und Luxemburg gibt es zwar keine entsprechende Gesetze, aber auch hier wird die Diskussion engagiert geführt.
Mitmachaktionen und Sensibilisierung in Luxemburg
So „ermutigt“ das luxemburgische Innenministerium Gemeinden dazu, in Bebauungsplänen und Bauordnungen entsprechende Empfehlungen und Verordnungen vorzusehen und so die Entwicklung von Kiesgärten zumindest zu begrenzen.
„Mouvement Ecologique“ (Méco) hat im Großherzogtum sogar eine Initiative gestaltet, um die „Steinwüsten“ in naturnahe Gärten umzugestalten und verschiedene Mitmach-Aktionen ins Leben gerufen. In Ostbelgien gibt es (bisher) keine entsprechenden Vorschriften. Seit der Übertragung der entsprechenden Befugnisse fällt dies in den Entscheidungsbereich der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Die Gemeinden können allerdings bei der Erteilung von Baugenehmigungen entsprechende Empfehlungen aussprechen.
„Es gibt wirklich viele Alternativen, die sehr pflegeleicht sind“, ist Jens Leufgen überzeugt, dass sich mehr Gartenbesitzer begeistern lassen mehr Grün in ihren Garten zu bringen. Denn alles andere, das sagen Gärtner und Naturschützer, hat den Namen „Garten“ gar nicht verdient.




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