Die Hitzewelle bereitet auch den Obstbauern im Haspengau in diesem Jahr viel Kopfzerbrechen, denn die Äpfel und Birnen in den Plantagen bekommen durch die brennende Sonne braune Flecken. „Die Früchte, die außen an den Bäumen hängen, und das sind die besten, sind am stärksten betroffen. Bei jungen Bäumen kann eine Seite komplett verloren gehen“, sagt Jef Vercammen vom Forschungszentrum für Obstanbau. „Wenn sie braune Flecken haben, können die Äpfel und Birnen nicht einmal für die Industrie verwendet werden. Bei geringerem Schaden kann man immer noch Saft aus ihnen machen.“
Die Folgen fallen je nach Sorte und Parzelle unterschiedlich aus. „Bei den Conférence-Birnen zum Beispiel ist der Schaden geringer, aber einige Parzellen haben dennoch viel Schaden erlitten“, sagt Vercammen. „Kleinere Früchte scheinen weniger betroffen zu sein, und die Kirschensaison ist bereits vorbei.“ Auch Futterpflanzen wie Gras und Mais sind betroffen, mit geringeren Erträgen als Folge. Die Gemeinden dieser für ihre Ostplantagen bekannten Gegend haben zahlreiche Schadensmeldungen von Landwirten erhalten. In Wellen ist eine Kommission mit der Ermittlung des entstandenen Schadens beauftragt. „Das hatten wir schon vor einigen Wochen geplant", sagt Landwirtschaftschöffin Kristien Treunen dem Sender VRT. „Wegen der Schäden, die durch den Frost und die Dürre im Frühjahr verursacht wurden. Aber jetzt kommt noch der Sonnenbrand hinzu. Wir werden uns das jetzt kurz vor der Ernte anschauen, weil wir uns dann ein gutes Bild von den Schäden machen können.“ In Borgloon macht sich die Schadenskommission nächste Woche auf den Weg, in Heers und Sint-Truiden voraussichtlich Ende August.
„Gegen Sonnenbrand kann man sich nicht versichern, und dies wird auch nicht durch eine Naturkatastrophenversicherung abgedeckt“, sagt Jef Vercammen. Der Boerenbond fordert daher, dass durch extreme Hitze verursachte Schäden in die allgemeine Versicherung zur Deckung von Naturkatastrophen aufgenommen werden.
Mehr Studenten bei
der Obsternte: wegen Corona, aber auch wegen Klimawandels
Für die Birnenernte, die in den nächsten Tagen beginnt, fällt auf, dass für diese Arbeit verstärkt auf Studenten zurückgegriffen wird. Sie ersetzen einen Teil der Saisonarbeiter aus den roten Corona-Zonen in Osteuropa. Aber nicht nur das. Früher wurden Birnen im September gepflückt, aber aufgrund des Klimawandels sind sie heutzutage früher reif und können bereits Mitte August gepflückt werden. Dies ist ein Glücksfall für Werkstudenten, denn sie haben noch Ferien und suchen eventuell noch Arbeit. Es ist auch gut für die Obstbauern, denn die Corona-Maßnahmen erschweren die Beschäftigung von Saisonarbeitern. Jeder Saisonarbeiter muss getestet und unter Quarantäne gestellt werden, bis das Ergebnis des Tests vorliegt. Ein Student kann sofort seine Arbeit aufnehmen.
Es gibt noch eine weitere Auswirkung der Coronakrise: Die Werkstudenten in der Obsternte wären ohne Corona normalerweise in anderen Sektoren wie dem Gastgewerbe beschäftigt. Da aber auch dort weniger Menschen benötigt werden, wollen sie in einer Plantage arbeiten. Obstbauer Piet Porreye: „Wir haben bereits Werkstudenten beim Kirschenpflücken beschäftigt, und das war gar nicht so schlecht. Deshalb haben wir beschlossen, für die bevorstehende Birnenernte erneut Jugendliche anzuwerben.“
Dass die Birnen bereits Mitte August reif an den Bäumen hängen, ist ein Trend der letzten Jahre. Wenn der Frühling mild ist, reifen die Früchte früher. Nach Ansicht der Expertin Ann Schenk ist dies eine klare Auswirkung des Klimawandels und hat auch Folgen für das Obst, das wir noch anbauen können: „Der typische Jonagold-Apfel hat es hier immer schwerer. Es ist ein zweifarbiger Apfel, der seine typische Röte von kalten Nächten bekommt. Wenn diese fehlen, wird es sehr schwierig, ihn anzubauen.“ (gz/belga/vrt)

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