Eupener St. Nikolaus Hospital hat wieder verstärkt mit Corona zu tun

„Eigentlich trifft uns die Entwicklung nicht überraschend, da wir diese durch viele Reisende zwei, drei Wochen nach Urlaubsbeginn erwartet haben. Deshalb kann von einer Destabilisierung der Situation auch keine Rede sein. Im Gegenteil. Es läuft eigentlich wie geplant“, sagt Dr. Frédéric Marenne.

Ende Juni hatte es nur noch vereinzelte Fälle von Neuinfektionen im Eupener Krankenhaus gegeben, doch das hat sich nun geändert. Nach Angaben von Laborleiter Paul Göbbels sind ungefähr 50 Prozent der positiv getesteten Personen Urlaubsheimkehrer. Einige kamen aus Spanien, aber auch andere Länder waren betroffen.

Auch ein Baby wurde positiv auf Covid-19 getestet.

„Die Bevölkerung muss weiter aufpassen. Es besteht aber kein Grund zur Panik. Die Leute müssen einfach nur verstehen, dass das Virus nicht weg ist. Jeder muss aufpassen und hat seine Rolle zu spielen“, betont der 59-jährige Mediziner, der seit Anfang 2017 Chefarzt an der Hufengasse ist, wo er zuvor bereits mehr als ein Vierteljahrhundert als Internist und Kardiologe tätig war. Für den Monat August rechnet er aufgrund der Urlaubsperiode mit ähnlichen Zahlen. Was dann ab September geschehe, lasse sich noch nicht erahnen, doch feststehe, dass auf alle Fälle bis zum Jahresende Vorsicht angebracht sei.

Das St. Nikolaus-Hospital Eupen beobachtet das aktuelle Infektionsgeschehen mit großer Aufmerksamkeit, auch wenn beim Großteil der Infizierten der Krankheitsverlauf milde ist. Sie gehen nach Hause und kurieren in Quarantäne die Krankheit aus. Auch ein Baby erwischte es. Nach drei Tagen waren die Testergebnisse aber wieder negativ. „Auffallend ist, dass nun vor allem eine jüngere Altersgruppe betroffen ist. Viele sind zwischen 30 und 40 Jahre alt“, so Dr. Marenne. Zu Beginn hatten vor allem ältere Personen mit dem Virus zu kämpfen.

Trotz der überwiegend milden Verläufe musste in der vergangenen Woche eine Person ins Referenzkrankenhaus MontLegia nach Lüttich verlegt werden, wo alle Covid-Patienten aus dem CHC-Netzwerk behandelt werden. Sprachliche Probleme gebe es für die deutschsprachigen Patienten vor Ort nicht, versichert Dr. Marenne. Zumindest seien ihm keine Beschwerden diesbezüglich bekannt. Es gebe vor Ort deutschsprachiges Personal und auch alle Dokumente würden in deutscher Sprache vorliegen. Eine Verlegung ins Aachener Klinikum, wo spezielle Therapien angeboten werden, sei aber nach wie vor möglich.

Auch jeder Patient, der in der Hufengasse aufgenommen wird, wird auf eine Infektion getestet. Dies gilt auch bei ungeplanten und plötzlichen Aufnahmen, wie bei Notfällen. Bis das Ergebnis eintrifft, bleibt der Patient zur Vorsicht isoliert. Wenn das Ergebnis positiv ausfällt, wird er verlegt. So soll vermieden werden, dass das Virus in den Alltagsbetrieb des Eupener Krankenhauses gerät. Doch müssen die Mediziner und Pfleger, die mit dem Patient vorher in Kontakt waren, in Quarantäne? „Nein, das müssen sie nicht. Für alle Mitarbeiter haben wir seit Beginn strenge und auch effiziente Schutzmaßnahmen, sodass wir unsere Leute anschließend nicht speziell testen.“ Bislang haben drei Personalmitglieder über leichte Symptome geklagt. Keiner habe sich im Hospital angesteckt, keiner habe hospitalisiert werden müssen. Für die Zukunft rechnet Dr. Marenne eher mit kleineren Wellen als mit einer großen: „Wir werden damit leben müssen und darauf warten, dass ein wirksamer Impfstoff auf den Markt kommt. Auf alle Fälle werden wir besser als im März gewappnet sein: zum einen haben wir jetzt mehr Material, zum anderen inzwischen Erfahrung. Damals hatten wir nur generelle Informationen hinsichtlich Epidemien, heute wissen wir viel mehr über dieses ganz spezielle Virus.“

Vier Betten auf der normalen Station sind immer frei für verdächtige Fälle. Die vollständige Station mit ihren 17 Betten kann innerhalb von 48 Stunden komplett zur Covid-Station umgewandelt werden. Außerdem ist ein Bett auf der Intensivstation reserviert. Bei Bedarf kann die Kapazität erhöht werden. Und auch personell sieht sich der Chefarzt gerüstet. Viele Prozeduren und Regeln sind eingeübt, vom Screening und Desinfizieren bis hin zu einer Reglementierung von Besuchen und Mitbringseln.

Rege genutzt wird der Drive-in-Test auf dem Gelände in unmittelbarer Nähe zum Dialyse-Bereich. Seit der vergangenen Woche wurden die Kapazitäten verdoppelt. Mit ärztlicher Verordnung und einer Terminabsprache mit dem Labor des Hospitals können Menschen aus ihrem Auto heraus auf dem Gelände des Krankenhauses getestet werden – täglich, außer sonntags, von 8 bis 16 Uhr. Zwei Krankenpflegerinnen sorgen dort für eine korrekte Entnahme der Probe. Bis zu 153 Menschen pro Tag haben von diesem Angebot in der jüngsten Vergangenheit Gebrauch gemacht. Im Durchschnitt waren es rund 110 Personen täglich.

Wer sich übrigens am Samstag testen lässt, dessen Ergebnis liegt bereits am Montag vor. In positiven Fällen informiert das Labor den Hausarzt, das Kontakt-Tracing der Deutschsprachigen Gemeinschaft und das wissenschaftliche Institut für Volksgesundheit (Sciensano).

Die Covid-Maßnahmen der Föderalregierung erachtet der Mediziner als „logisch und richtig“. Hier habe man einen guten Mittelweg gefunden. Er selbst orientiere sich zur Meinungsbildung nicht an den meist mediatisierten Virologen Marc Van Ranst (B) oder Christian Drosten (D), sondern an Veröffentlichungen in internationalen Fachpublikationen sowie am Austausch mit Kollegen aus Aachen, Heerlen und Lüttich. „Ich sehe derzeit in der Forschung nichts Überzeugendes, das uns berechtigten Anlass zur Hoffnung geben könnte, dass bis Ende des Jahres ein wirksamer Impfstoff vorliegt“, so Dr. Marenne. Und auch gerade deshalb sei nach wie vor Vorsicht das Gebot der Stunde.

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