Die beiden flämischen Blätter berufen sich auf eine aktuelle Studie der Verbraucherschutzorganisation Test-Achats. Demnach sind diverse Produkte aktuell bis zu 10 Prozent teurer als Anfang März, also vor dem Einsetzen der Corona-Maßnahmen.
Im Zuge der raschen Verbreitung des Coronavirus hatte die Föderalregierung um Premierministerin Sophie Wilmès (MR) phasenweise in Geschäften Rabatte und Werbeaktionen untersagt, da diese zu Hamsterkäufen animierten. Mittlerweile ist das Verbot aber aufgehoben worden. Die Normalität hat damit aber nicht wieder Einzug gehalten in den Regalen. Nach Angaben von Test-Achats sind die Preise bei Colruyt, Albert Heijn, Carrefour, Aldi und Co. nämlich noch nicht wieder auf das alte Niveau gesunken.
Die Verbraucherschutzorganisation hatte 267 Produkte – davon ausgenommen waren Fleisch- und Fischprodukte sowie Gemüse und Obst – unter die Lupe genommen und deren Preisentwicklung analysiert. Das Fazit: Bei Colruyt waren die kontrollierten Waren im Schnitt 5 Prozent teurer als vor dem Lockdown. Markenprodukte hatten dort sogar einen Preisanstieg von rund 10 Prozent verzeichnet. „Unter dem Strich ist Colruyt immer noch am billigsten“, sagt Test-Achats-Sprecher Simon November.
Bei Carrefour und Albert Heijn konnte die Verbraucherschutzorganisation derweil einen Preisunterschied um 3 Prozent bzw. 2 Prozent ausmachen. Bei Match, Delhaize und Intermarché wurde seit März indes nicht mehr an der Preisschraube gedreht. „Das sind Ketten, die auch schon vor Corona erheblich teurer waren“, ergänzt Simon November.
Dass wir aktuell beim Einkaufen tiefer in die Tasche greifen müssen, „sind wir selbst schuld“, sagt Gino Van Ossel von der renommierten „Vlerick Management School“. „Mit dem Beginn der Corona-Regeln konnten wir beobachten, dass die Verbraucher sich weniger Gedanken über Werbeaktionen und Preise machen. Das ist paradox, denn in Zeiten einer Wirtschaftskrise würde man eigentlich das Gegenteil erwarten. Wegen Corona wollen die Kunden aber nicht weit gehen und einfach nur schnell und sicher ihre Einkaufswagen füllen. Aktuell überwiegt die Bequemlichkeit, weshalb weniger auf den Preis geschaut wird“, erklärt der Marketingexperten gegenüber „De Morgen“.
Aber auch die Tatsache, dass weniger Menschen in den Urlaub fahren und das Gastgewerbe einige Wochen komplett dicht machen musste und heute auch noch immer nicht zu alter Stärke gefunden hat, spiele den Supermärkten in die Karten. Denn statt einem Kundenschwund erleben die Geschäfte in Zeiten von Corona einen regelrechten Boom. Warum also sollten die Supermarktketten also die Preise senken?
Um die Lage zu verändern, müsse ein kollektives Umdenken stattfinden, meint Gino Van Ossel. (belga/calü)

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