Irmke von Schlichting singt auf dem grünen Hügel von Bayreuth

„Ich will zeigen, dass Musik die Kraft hat zu verbinden und Unsagbares erlebbar zu machen“, sagt Irmke von Schlichting. Die aus dem Schwäbischen stammende und in Rheinland-Pfalz im professionellen Singen ausgebildete junge Frau ist mittlerweile in Ostbelgien beheimatet, „aber zu Hause bin ich in dem Gefühl, das Musik über alle Grenzen hinweg trägt, uns Menschen verbindet, dem Klang von Miteinander, Harmonie und Menschlichkeit“, sagt sie.

„Über den Wolken“ kämpft mit einer Online-Trilogie gegen Corona an.

Sie hat den Worten Taten folgen lassen: Mit einer „Sommer-Online-Konzertreihe“ will sie ihren Fans helfen, die Coronazeit besser zu überstehen. Der in Ostbelgien bestens bekannte Künstler Rafael Ramirez-Maro hat ihr für drei außergewöhnliche Konzerte sein Zuhause in Hauset zur Verfügung gestellt. Ein erstes Konzert wurde bereits am 25. Juli ausgestrahlt: mit der Pianistin Carmen Stefanescu. Es trug den Titel „Kaleidoscope of Life“, was so viel heißt wie der Farbenfächer des Lebens. Am kommenden Samstag, dem 15. August, pünktlich um 21 Uhr, folgt das Programm „Sempre Libera“, benannt nach dem Songtext aus Giuseppe Verdis „La Traviata“.

Am 29. folgt dann, erneut um 21 Uhr, zum Ende des Sommermonats August, das Programm „Frühlingsstimmen“. An beiden Abenden tritt Irmke von Schlichting mit ihrem Ensemble „Über den Wolken“ auf. Präsentiert werden jeweils klassische Werke.

Davor allerdings geht es für das sechsköpfige Ensemble nach Bayreuth. Ist das nicht...? Ja, es ist die Stadt, in der der Sommer jedes Jahr Richard Wagner gehört. Selbst in diesem Jahr – auch wenn die Coronakrise auch hier den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Auf dem berühmten grünen Hügel ließ Wagner ein nur für ihn geschaffenes Theater errichten. Seit 1876 wird dort im Sommer der „Ring des Nibelungen“ aufgeführt. Dieses Jahr, Corona bedingt, virtuell: mit Hilfe der Deutschen Grammophon.

Ein großer Moment in einer jungen Karriere: Bizet, Berg, Debussy und Strauss auf dem grünen Hügel

Das betrifft aber nur das klassische Programm der „Bayreuther Festspiele“. Irmke von Schlichting präsentierte am 11. August, zwei Tage nach der virtuellen Aufführung von „Die Walküre“ und einen Tag vor dem Online-„Siegfried“, mit ihren Musikern ihr Programm „Frühlingsstimmen“ in Bayreuth. Am Donnerstag, dem 13. August, wird sie ihr persönliches Debut auf dem „grünen Hügel“, im Wagner-Festspielhaus geben. Das Sommer-Event der Festspiele hat sie zu einer Matinee um 10.30 Uhr eingeladen - „eine Ehre“, empfindet die junge Sopranistin vollkommen zu Recht. Sie wird Werke von Bizet, Berg, Debussy und Strauss aufführen. Begleitet wird sie von der Pianistin Carmen Stefanescu, die bereits Ende Juli das 50-minütige Programm zum Auftakt der Online-Konzertreihe bestritt, die von Schlichting initiierte. Außerdem kommt die Sopranisitn in den Genuss einer Meisterstunde mit der bekannten deutschen Wagner- und Mahler-Interpretin Petra Lang, die seit 2005 regelmäßig Gast in Bayreuth ist und 2016 die Rolle der Isolde in „Tristan und Isolde“ inne hatte.

Ehe Corona über uns hinwegrollte, hatte ich Gelegenheit, Irmke von Schlichting live in der Eupener Galerie „Vorn und oben“ von Benjamin Fleig zu erleben. Ihre Interpretation des Klassikers „Küssen kann man nicht alleine“ klingt noch heute in meinen Ohren nach. Die Sopranistin will sich in der Tat nicht in eine Schublade stecken lassen, gekonnt springt sie von einem zum nächsten Genre und trifft dabei im doppelten Sinn den Ton: Denn nicht nur jeder Ton muss sitzen, jede Zeit hat ihren besonderen Ton. So auch diese Krise, die sich durch ihre Geräuschlosigkeit und Stille auszeichnet. Kein Wunder, dass Kunstschaffende sich zuletzt in den sozialen Medien mit einem roten Kreuz mit den Lettern „Sound of Silence“ präsentieren. Sie gehören sicherlich zu denen, die diese Krise am härtesten getroffen hat.

Von Bayreuth nach Hauset, von Debussy zu Guiseppe Verdi

Für Irmke von Schlichting jedenfalls wird diese Woche wahrscheinlich die sein, an die sie und ihr Ensemble sich am ehesten erinnern werden, wenn sie irgendwann an 2020 zurückdenken.

Bayreuth ist nicht nur für Wagnerianer, sondern für viele Melomane fast schon ein Muss. Wer die Reise dorthin nicht antreten kann oder will, kann Irmke von Schlichting am kommenden Samstagabend, 21 Uhr, online bewundern. Wer dann andere Pläne hat, kann den Mitschnitt des Konzerts noch sieben Tage lang online erleben. Mehr Informationen auf www.von-schlichting.com oder auf dem Facebook-Profil und dem YouTube-Kanal von Irmke von Schlichting, wo man auch erste Einblicke in ihr künstlerisches Schaffen erhalten kann.

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