Der Aufstellungsort des geplantes Windrades liegt zwischen den Produktionshallen und dem Turm des Wasserversorgungsunternehmen SWDE im hinteren Bereich des Geländes an der Gert-Noël-Straße in Eynatten.
Luminus tritt bei dem Vorhaben als Bauherr auf, der ostbelgische Betrieb stellt in diesem Fall den Baugrund zur Verfügung und ist anschließend dann Kunde des Energielieferanten.
Sicherung des Standorts Eynatten mit seinen 500 Arbeitsplätzen
NMC geht es bei dieser Partnerschaft auch um die Sicherung des Standorts Eynatten mit seinen 500 Arbeitsplätzen, dessen Wettbewerbsfähigkeit durch die hohen Energiekosten in Belgien erschwert wird. „Künftig würden die Transportkosten des Stroms, die bei rund 50 Prozent der Gesamtkosten liegen, für uns wegfallen. Somit spinnen wir aber auch unsere Idee weiter, im Sinne der Nachhaltigkeit den Strom möglichst lokal zu produzieren“, sagt Bernd Vorhagen, der die Benelux-Geschäfte des weltweit operierenden Konzerns leitet.
Vor zwei Jahren hat Luminus im Auftrag von NMC bereits eine der größten privat finanzierten Solaranlagen in der Wallonischen Region auf dem NMC-Gelände installiert. Insgesamt verfügt diese über fast 9.000 Solarmodule und deckt 18 Prozent des Gesamtverbrauchs des ostbelgischen Standorts. „Wenn Luminus das Windrad in der größten Ausführung genehmigt bekommt, dann würden wir 70 bis 80 Prozent unseres Strombedarfs hier vor Ort decken können“, betont Vorhagen. Bei kleineren Windrädern würde der Anteil künftig bei 60 bis 65 Prozent liegen. Mehrere Größenordnungen hat der Projektautor daher im entsprechenden Antrag angeführt: 130, 150 und 180 Meter.
Verschiedene Gutachten werden nun angefertigt werden müssen, um das Projekt aus den verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Auch die Nachbargemeinden und die Bürger sind aufgerufen, sich zu artikulieren. Der Zeitplan bis hin zu einer möglichen Verwirklichung lässt sich nur ausgesprochen schwierig abschätzen.
„Wenn die Genehmigung vorliegt, dann geht es schnell und kann man von einer Bauzeit von sechs Monaten ausgehen, da hier inzwischen mit einer Reihe von Standardteilen gearbeitet wird“, präzisiert Vorhagen und ergänzt im Gespräch mit dem GrenzEcho: „In Sachen Geräuschentwicklung und Schattenwurf ist die geplante Anlage auf dem modernsten Stand der Technik.“
In der Brust von Bürgermeister Erwin Güsting (Mit uns) schlagen mehrere Herzen, wie er unumwunden zugibt: Zum einen begrüßt er die Erzeugung von grünem Strom und will er den Betrieb im Wettbewerb mit der Konkurrenz unterstützen, zum anderen erachtet er die Lage „mitten in der Gemeinde zwischen Eynatten und Raeren“ nicht als optimal. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Gemeinde selbst einen Windpark im Ortsteil Petergensfeld plant. „Ich sehe das Projekt in Eynatten daher nicht mit großer Begeisterung“, sagt Güsting.
Bleibt die Frage, wie die Pläne von der Bevölkerung angenommen werden. Am 25. August findet im Bergscheider Hof eine Informationsveranstaltung statt, bei der das Vorhaben durch die Verantwortlichen von Luminus vorgestellt wird und die Bürger angehört werden sollen.
Da im vorliegenden Fall die Grenze von drei Megawatt nicht erreicht wird, muss der Antrag im Rahmen des Verfahrens nicht den Raerener Gemeinderat passieren. Die Anlage gilt aufgrund der Leistungsstärke als kleineres Projekt der Klasse 2, sodass die Hürden auf dem Weg hin zu einer Verwirklichung weniger hoch sind. Die Raumordnungsaspekte werden von der Deutschsprachigen Gemeinschaft begutachtet, die übrigen weiteren von den Diensten der Wallonischen Region.
Bürgermeister Güsting: „Für eine Ablehnung muss es schon stichhaltige Argumente geben.“
Das abschließende Wort hat dann das Gemeindekollegium, das sich eine Meinung bilden will, wenn die Gutachten eingegangen sind. Gegen dessen Entscheid können dann noch Einsprüche von übergeordneten Behörden geltend gemacht werden. „Das Argument, dass ein solches Windrad nicht schön ist, reicht da nicht aus. Für eine Ablehnung muss es schon stichhaltige Argumente geben“, betont Güsting. Wichtig ist dem Bürgermeister eine korrekte Information der Bevölkerung.
„Das ist schwer zu sagen. Vielleicht stören sich einige Menschen an der Höhe von 180 Metern“, meint Bernd Vorhagen auf die Frage nach dem möglichen Gegenwind. Für diesen Fall der Fälle habe man mit den Höhen von 130 und 150 Metern ja noch zwei niedrigere Windräder als Alternativen in die Genehmigungsprozedur miteinfließen lassen.

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