Tanzen ist wieder erlaubt, aber nur in der „Blase“ – Expertengruppe dagegen

<p>Tanzen ja, aber nicht mit jedem: Das sind die Bedingungen für Hochzeitsfeierlichkeiten in der Coronakrise.</p>
Tanzen ja, aber nicht mit jedem: Das sind die Bedingungen für Hochzeitsfeierlichkeiten in der Coronakrise. | Illustrationsfoto: imago

Diese neue Lockerung der Regel zur Eindämmung des Coronavirus, die das nationale Krisenzentrum beschlossen hat, besagt, dass „der Abstand von 1,5 Metern zwischen den Gästen eingehalten werden muss, es sei denn, sie sind Teil der gleichen Kontaktblase oder leben unter dem gleichen Dach“.

Die Branche der Hochzeitsdienstleister freut sich und setzt auf das Verantwortungsbewusstsein der Gäste. „Um sicherzustellen, dass die Party sicher abläuft, empfehlen wir, die Tanzfläche in Zonen für 15 Gäste zu unterteilen, die jeweils eineinhalb Meter voneinander entfernt sind“, erklärte Cynthia De Clercq vom nationalen Verband der Hochzeitsdienstleister.

Bislang mussten die Gäste bei Feierlichkeiten an ihren Tischen sitzen bleiben. Und eigentlich sollte das den Sommer über auch so bleiben. So hatte jüngst noch Arbeits- und Wirtschaftsministerin Nathalie Muylle (CD&V) gegenüber der VRT erklärt: „Tanzen wird nicht so schnell möglich sein. Wenn alles gut verläuft, ab September.“ Und auch Jan Jambon, der flämische Ministerpräsident von der N-VA, hatte dem gleichen Rundfunksender gesagt: „Singen und Tanzen gibt es noch nicht diesen Sommer.“

Das Krisenzentrum geht aber nun einen Schritt weiter. Es sei erlaubt, auf diesen Feierlichkeiten zu tanzen., hieß es in mehreren Zeitungen am Samstag. Aber: „Der Abstand von 1,5 Metern muss eingehalten werden, es sei denn, die Menschen sind Teil der gleichen sozialen Blase oder leben unter dem gleichen Dach.“

Nicht mit dieser Lockerung einverstanden ist unterdessen die Expertengruppe, die die Föderalregierung beim Ausstieg aus den Coronamaßnahmen berät. Die sei nicht mit ihnen diskutiert worden, erklärte die Vorsitzende Erika Vlieghe gegenüber dem flämischen Rundfunk: „Nur um es klar zu sagen: Ich tanze selbst gerne. Es ist nur so, dass dies wirklich nicht sicher ist. Das öffnet die Tür zu Hochzeiten im alten Stil, und das ist jetzt gefährlich. Unser Rat war eindeutig, es nicht zu tun. Das hatten wir nicht im Sinn, als wir wieder Feierlichkeiten möglich machten.“

Tanzen - vor allem auf einer Hochzeit - sei eigentlich ein „Sport des engen Kontakts. Man steht dicht beieinander, springt, tanzt, atmet schneller und so weiter. Die Menschen schreien auch, um lauter als die Musik zu sein und mitzusingen. Nicht umsonst haben wir im Kultursektor so viele Regeln, um ihn sicher zu machen. Würden wir das alles jetzt im privaten Bereich zulassen? Ich verstehe es nicht“.

Die Gefahr sei keineswegs gering, betont Vlieghe. „Wenn eine Person auf der Party infiziert wird, ohne es zu wissen, und er oder sie sich auf der Party gehen lässt, kann dies wirklich ein superspreading Ereignis sein (ein Ereignis, bei dem viele Menschen gleichzeitig infiziert werden, Anm. d. Red.) Dafür sind wir als Gesellschaft noch nicht bereit. Wenn man die Epidemie schnell wieder in Gang bringen will, dann nur zu.“

Eine weitere Regel, die eingehalten werden muss, ist das Ende der Feier, die spätestens um 1 Uhr morgens beendet sein muss. (belga/vrt/mv)

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