Zentrum Kaleido bemüht sich um Klarstellung seiner Rolle

<p>Kaleido-Direktor Manfred Kohnen und Murielle Mendez, der Kaleido-Fachkoordinatorin Gesundheit.</p>
Kaleido-Direktor Manfred Kohnen und Murielle Mendez, der Kaleido-Fachkoordinatorin Gesundheit. | Archivfoto: David Hagemann

„Bedauerlicherweise schlägt die Schließung der Gemeindeschule Kelmis hohe Wellen. Als Partnerdienst unter anderem von Schulen sind wir stets um eine gute Zusammenarbeit bemüht und möchten uns grundsätzlich nicht mit Schulen und Schulträgern in dieser Form auseinandersetzen. Andererseits lebt unser Dienst, dessen Leistungen größtenteils freiwillig in Anspruch genommen werden, vom Vertrauen in unsere Arbeit. Deshalb können und werden wir es nicht akzeptieren, wenn diese Arbeit bewusst von den Verantwortlichen der Gemeinde Kelmis in der Presse verunglimpft wird. Deshalb müssen wir zu unserem großen Bedauern auch über diesen Kanal antworten“, heißt es in einer Stellungnahme von Kaleido-Direktor Manfred Kohnen und Murielle Mendez, der Kaleido-Fachkoordinatorin Gesundheit.

„Vor allem ist es uns wichtig, den Kontext und die Auswirkungen der Vorgehensweise der Gemeinde zu beleuchten. Wie wir darlegen werden, geht es um ganz grundsätzliche Fragen der gesunden Entwicklung unserer Kinder und Jugendlichen – Fragen, die für künftige Situationen dieser Art von entscheidender Bedeutung sind.“

Kaleido Ostbelgien (bzw. die Vorgänger-Einrichtungen) habe einen gesetzlich festgelegten Auftrag zur Vermeidung und Bekämpfung von ansteckenden Krankheiten u. a. in Schulen und Einrichtungen zur Kinderbetreuung. Im Dekret sei u. a. festgelegt: „….Zentrums (=Kaleido) trifft alle individuellen oder allgemeinen Vorsorgemaßnahmen zur Vermeidung der Verbreitung von ansteckenden Krankheiten im schulischen Umfeld. Diese sind verbindlich für die Erziehungsberechtigten der Schüler, den Schulträger und das Personal der Schule.“ Auch deshalb würden bei Kaleido eine Gesundheitswissenschaftlerin, Ärzte und zahlreiche Krankenpflegerinnen arbeiten. Diese Regelungen beständen seit vielen Jahrzehnten und seien jedem Schulleiter und Schulträger bestens bekannt. „Der Sinn – es geht ja nicht um Zuständigkeitsfragen – dürfte auch jedem einleuchten: Es handelt sich um komplexe medizinische Sachverhalte, die fachkundig und kohärent für ganz Ostbelgien bearbeitet werden müssen“, so Kaleido.

„Man kann sich deshalb unsere Verwunderung und Verärgerung vorstellen, in einer E-Mail und jetzt in einer Pressemitteilung der Gemeinde lesen zu müssen, dass Kaleido kurioserweise erklärt habe, ‘nur für das Testing-Tracing verantwortlich zu sein’“. Als ob, wie oben dargelegt, die Schulen, die Schulträger nicht haargenau wüssten, dass Kaleido für ansteckende Krankheiten zuständig ist. Und als ob wir kurzerhand eine unser Kernbefugnisse glatt vergessen hätten… Nein - in Wahrheit hat die zuständige Kaleido-Mitarbeiterin der Schulleiterin auf deren Nachfrage hin zu einer eventuellen Schulschließung ganz klar mitgeteilt, dass eine Schließung ‘weder notwendig, noch sinnvoll sei’“, so Kaleido. Dies sei „natürlich nicht“ ihre rein persönliche Meinung gewesen, sondern diese Aussage entspreche dem, was in der gültigen Covid-19-Prozedur festgelegt sei, die auch den Schulverantwortlichen bestens bekannt sei.

„Dann mussten wir in dem Leserbrief einiger Lehrer der Gemeindeschule lesen, man habe u. a. Kaleido kontaktiert, niemand sei aber vor Ort erschienen, um über die Situation auszutauschen. Die Realität stellt sich auch hier leider ganz anders dar: Als unsere Mitarbeiterin von der Schulleiterin kontaktiert wurde, hat sie u.a. angeboten, sie könne in 20 Minuten vor Ort in der Schule sein. Dieses Angebot wurde von der Schulleiterin abgelehnt – und in weiteren Telefonaten ist nicht ein Mal der Wunsch nach Unterstützung vor Ort geäußert worden.“ Kaleido teilt auch mit, dass es vor einigen Wochen einen Covid-19-Fall an einer hiesigen Sekundarschule gegeben habe. Doch weder sei die betreffende Schule geschlossen worden, noch habe das Personal um einen Austausch vor Ort gebeten.

„Die Entscheidung des generellen Lockdowns im März mit der Schließung aller Schulen halten wir auch im Rückblick für vollkommen richtig und angemessen. Die Krankenhäuser drohten überlastet zu werden, und man wusste zu dieser Zeit noch so gut wie nichts über die Auswirkungen (Anfälligkeit, Ansteckungsfähigkeit) des neuartigen Virus auf die Kinder und Jugendlichen. Klar war aber auch, dass versucht werden musste, die normale Funktionsweise unserer Gesellschaft Schritt für Schritt wiederherzustellen, sobald die Infektionskurve substanziell abgeflacht war. Die Belastung für die Kinder und Jugendlichen und ihre Eltern sowie die Folgen mangelnder sozialer Kontakte und des Unterrichtsausfalls waren und sind enorm. Deshalb müssen Schulschließungen immer das Mittel der letzten Wahl sein. Wenn künftig nämlich bei jedem Fall von Covid-19 eine Schule (oder Kinderbetreuungseinrichtung) geschlossen wird, wird es zu erheblichen negativen Folgen kommen. Aus diesem Grund haben viele Fachleute, die übrigens auch Kinder in Schulen haben, kluge, differenzierte Prozeduren ausgearbeitet, wie man beides erreichen kann: Schutz der Betroffenen und engen Kontaktpersonen einerseits, aber wenn möglich Aufrechterhaltung des Unterrichts (und der Betreuung) für die anderen Kinder andererseits“, teilen Manfred Kohnen und Murielle Mendez weiter mit. Eine Schulschließung im vorliegenden Kontext sei der einfache Weg, sehe es doch so aus, als würde man schnell und im Interesse der Gesundheit der Kinder handeln. „Nur ist das Ganze leider nicht wirklich durchdacht und erst recht nicht vom Ende her gedacht. Was geschieht nämlich, wenn sich im Herbst wieder die Fälle häufen sollten? Werden Schulen dann ‘am laufenden Band’ bei jedem Einzelfall zu- und aufgemacht? Wie organisieren Eltern dann die Betreuung? Und vor allem: Was macht das mit unseren Kindern und Jugendlichen, auch und gerade auf lange Sicht? Dazu gibt es beunruhigende wissenschaftliche Untersuchungen. Und nochmals kurz zur Form: Wie kann es sein, dass eine einzelne Gemeinde beim ersten Fall alle Prozeduren, die ihren Sinn haben, über Bord wirft? Dieselbe Gemeinde ahndet vermutlich regelmäßig Verstöße gegen ihre eigenen Corona-Regelungen… Unter welchen Druck geraten jetzt nicht andere Schulen und Schulträger, die sich sehr wohl an die Prozeduren halten wollen“, fragt sich Kaleido weiter.

Das Zentrum äußerte sich auch zu spezifischen Punkten:

Sommerferien: „Die Gemeinde argumentiert, die Sommerferien stünden ja sowieso kurz bevor. Ein merkwürdiges Argument, dass man herumdrehen muss: Gerade weil den Kindern nach der langen Lockdown-Phase in Kürze wieder neun Wochen Schulferien, also Unterrichtsausfall, bevorstehen, sollte jeder Schultag genutzt werden. Abgesehen davon gibt es im Unterrichtswesen zahlreiche Ferienmomente, sodass man dieses Argument dann quasi immer verwenden können wird, um eine Schule zu schließen.“

Geschwisterkinder

eines Falles gehen in Quarantäne sowie alle anderen Personen, die unter demselben Dach wohnen.

Kontaktblasen und Geschwisterkinder: „Auf einmal merken die Gemeinde- und Schulverantwortlichen sowie einige Lehrer, dass Kinder in Kontaktblasen (Klassengruppe) auch Geschwister in anderen Kontaktblasen haben. Deshalb würde das ganze Konzept nicht funktionieren. Es ist schon absurd, dass manche wirklich zu glauben scheinen, die vielen Fachleute hätten diesen einfachen Aspekt total übersehen und ihm nicht Rechnung getragen. Das Gegenteil ist natürlich der Fall: Geschwisterkinder eines Covid-19-Falles gehen in Quarantäne sowie alle anderen Personen, die unter demselben Dach wohnen.“ Die Gemeinde organisiere hingegen sehr wohl eine Notbetreuung für die Kinder der betreffenden Schule - hier würden also Kinder aus verschiedenen Kontaktblasen (vermutlich) gemeinsam betreut.

Reaktionen im Internet und die Art und Weise, wie Personen (meist politische Verantwortungsträger) angegriffen würden, mache sehr betroffen, so Manfred Kohnen und Murielle Mendez. „Im selben Satz, wo sich jemand ach so sehr um die Gesundheit der Kinder sorgt, werden Begriffe wie ‘Volltrottel’ verwendet. Welches Vorbild geben solche Menschen ab, gerade gegenüber Kindern und Jugendlichen, um die sie sich zu sorgen vorgeben? Es wird höchste Zeit – nicht nur in Ostbelgien – für eine Wertediskussion. In diesem Kontext hier sagen wir: Ehrlichkeit und Respekt sind zentrale Werte.“ (red/sc)

Kommentare

  • Einen politisch Verantwortlichen als "Volltrottel" zu bezeichnen, ist also der Wahl des Mediums geschuldet?

    Werter Herr Kohnen,

    leider entspricht diese "Behauptung" den Tatsachen. Es gibt, auch in Ostbelgien, direkt Medien denen die eigenen Vorgaben völlig Schnuppe sind.. Politiker, Personen des öffentlichen Lebens und andersdenkende Schreiber dürfen beschimpft und beleidigt werden. Selbst wenn körperliche Gewalt angeboten wird ist das kein Grund einen "Beitrag" nicht freizuschalten. Eine solche Reaktion erfolgt nur bei Kritik am Medium oder dessen Herausgeber.
    Die "universellen Anstandsformen" gelten halt nur für die die sich daran halten. Werte wie Anstand, Benehmen und Moral müssen anerzogen werden, das wird aber schwierig wenn einige "Wortführer" mit schlechtem Beispiel vorangehen.

  • Ob die Reaktion des Ministers und Kaleido die gleiche wäre wenn Luc Frank ein ProDG Bürgermeister wäre sei dahin gestellt.

  • Die entscheidende Frage ist doch, ob sich die theoretische Form der Maßnahmen, z. B. der Kontaktblasen im Alltag einer Schule umsetzen lässt und in diesem konkreten Fall umsetzen ließ. War dies nicht der Fall, war die Entscheidung richtig, die Schule zu schließen. Dies können im besten Falle die Verantwortlichen vor Ort entscheiden. Anstatt sich nun einem Kompetenzgerangel hinzugeben, wäre es doch zielführender, sich mit diesen Verantwortlichen an einen Tisch zu setzen und zu eruieren, wo das Problem lag, um es nicht im Herbst zu wiederholen. Und was den Volltrottel angeht, ist so manches Mal die Wahl des Mediums entscheidend für das Niveau der Aussagen....

  • Einen politisch Verantwortlichen als "Volltrottel" zu bezeichnen, ist also der Wahl des Mediums geschuldet? Es gibt also bei dir keine "universellen" Anstandsformen. Na dann sind wird weit genug. Als jemand, der in der PR-Branche arbeitet (zwei Jahre für Kaleido) solltest du schon etwas von "Benimmregeln im Internet, der "Netiquette", gehört haben...

    Was deine sonstigen Punkte betrifft, so kann ich dir versichern (wie du auch genau weißt), dass wir immer und überall zu Gesprächen bereit sind. Wir lassen aber keine falschen Behauptungen, die über unsere Arbeit in der Presse (!) gemacht werden, unkommentiert stehen. Das hat nichts mit Kompetenzgerangel, sondern mit "Ehrlichkeit" zu tun. Oder ist das auch einer der Werte, die du von "der Wahl des Mediums" abhängig machst?

    Manfred Kohnen

  • ... hier und auch anderswo, wäre es wohl besser, wenn sich die verschiedenen Gremien, vor Einführung solcher, sich aussprechen sollten, aber das ist ja in Belgien nicht möglich, es bleibt Überall immer ein Schatten dasein...

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