Wenn sich Kai Havertz als nächstes auf der ganz großen Bühne präsentieren darf, sollte er hinterher vielleicht auskunftsfreudiger sein. „Harte Arbeit, drei Punkte“ - mehr als diesen kurzen Instagram-Post gab der Jungstar des Fußball-Bundesligisten Bayer Leverkusen nach dem 1:0 (0:0) beim SC Freiburg nicht von sich. Falls der Matchwinner, der in seiner Jugend für Alemannia Mariadorf und Alemannia Aachen spielte, auch am kommenden Samstag gegen Bayern München (15.30 Uhr/Sky) für die Entscheidung sorgt, wird er sicher noch gefragter sein - und zwar nicht nur als Interview-Partner.
Schließlich erreichte Havertz beim glücklichen Sieg der Leverkusener im Breisgau als erster Bundesliga-Profi schon vor seinem 21. Geburtstag die Marke von 35 Toren. Der deutsche Nationalspieler war 20 Jahre und 353 Tage alt, als er am Freitagabend in der 54. Minute traf. Zuvor war Dieter Müller mit 21 Jahren und 18 Tagen im Jahr 1975 der jüngste Spieler gewesen, der 35 Liga-Tore erzielte. Dass Havertz zwölf Minuten nach seinem Treffer mit einem blutigen Knie vom Platz ging, bereitete Bayer-Trainer Peter Bosz nur kurz Sorgen.
„Er hat einen Schlag bekommen. Aber es geht im gut. Das geht schon in Ordnung“, kommentierte der Niederländer die Folgen des Zweikampfs mit dem Freiburger Roland Sallai. Einem Einsatz des Offensivspielers gegen den Rekordmeister dürfte also nichts im Wege stehen. Dabei werden viele Augen auf Havertz gerichtet sein. Denn der europaweit umworbene Profi, der bereits zum neunten Mal in der Rückrunde und zum fünften Mal nach der Corona-Zwangspause erfolgreich war, wird bekanntlich mit den Bayern in Verbindung gebracht.
Warum das so ist, zeigte der erneut als Mittelstürmer aufgebotene Havertz auch in Freiburg. Der Angreifer (sein Marktwert liegt derzeit bei 81 Millionen Euro) war während des Spiels kaum zu sehen, in der entscheidenden Szene schob er SC-Torwart Alexander Schwolow den Ball aber geschickt durch die Beine. „Er hat in der Rückrunde wieder einen Lauf und die Selbstverständlichkeit, diese Situationen in Tore umzumünzen“, sagte Bayer-Kapitän Julian Baumgartlinger: „Denn das war keine hundertprozentige Chance.“
Der Havertz-Treffer sorgte dafür, dass sich die Werkself nicht weiter mit der deftigen Pleite vom Dienstag gegen den VfL Wolfsburg (1:4) beschäftigen muss und im Rennen um die Teilnahme an der Champions League bleibt. Zudem sind die Leverkusener, die zum ersten Mal seit Oktober 2011 wieder in Freiburg gewonnen haben, seit sieben Pflichtspielen auswärts ungeschlagen.
Selbst Christian Streich, der die erste Heim-Niederlage gegen Bayer verkraften musste, zollte Havertz Respekt. „Das ist genial“, gab der SC-Trainer beim Blick auf den Treffer fast schon ehrfurchtsvoll zu Protokoll. Ähnlich äußerste sich sein Kapitän Christian Günter: „Das ist die Qualität, die Kai hat. Er braucht nur diese eine Situation.“
Nicht ganz so euphorisch wie die Gegner bewertete Bosz den Auftritt seines Musterschülers am Ende der englischen Woche. „Man hat gesehen, dass Kai müde war - was auch verständlich ist“, äußerte der Coach: „Trotzdem war er wieder sehr, sehr wichtig für uns.“ Falls Havertz seine Bedeutung für Bayer auch gegen die Bayern unter Beweis stellt, dürfte es mit einem Instagram-Post allerdings nicht getan sein. (sid/mv)

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