Brussels Airlines: Kollateralschäden in Millionenhöhe

<p>Brussels Airlines: Kollateralschäden in Millionenhöhe</p>
Illustrationsfoto: Photo News

Am Freitag findet eine außerordentliche Betriebsratssitzung bei Swissport statt. Das Unternehmen ist am Landesflughafen von Zaventem für zahlreiche Bodendienste im Auftrag von Brussels Airlines zuständig. Fast die Hälfte des gesamten Geschäfts des rund 800 Mitarbeiter zählenden belgischen Arms der Servicegesellschaft geht auf Brussels Airlines zurück. Die Reduzierung der Flüge und des Personals der Fluggesellschaften – nicht nur von Brussels Airlines – wird unweigerlich Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und nicht zuletzt auf die Beschäftigung von Swissport haben. Kernaufgaben sind die Abfertigung des Gepäcks der Passagiere, die Be- und Entladung der Flugzeuge etc.

Swissport benötigt – eigenen Angaben zufolge – je nach Größe des Flugzeugs für jeden Flug zwischen sechs und zwölf Personen auf dem Rollfeld und für die Betreuung des Gepäcks. Angesichts der angekündigten Maßnahme von die Brussels Airlines, im Rahmen des Umstrukturierungsplans eine „Netzoptimierung“ vornehmen zu wollen, ist davon auszugehen, dass die Kosten für die von Swissport erbrachten Bodendienste drastisch sinken werden. Die Fluggesellschaft plant, das Verkehrsaufkommen zu Spitzenzeiten zu reduzieren. Demnach wird weniger Bodenpersonal benötigt – eine Hiobsbotschaft für das Personal von Swissport.

„Es ist schwer vorherzusagen, was dem Betriebsrat mitgeteilt wird“, analysiert CNE-Gewerkschafter Kurt Callaerts gegenüber der Brüsseler Tageszeitung „Le Soir“. Ebenso wenig seien die direkten Auswirkungen auf die Aktivitäten des Serviceunternehmens abzusehen. „Das Personal ist in Teams organisiert, die nacheinander mehrere Flugzeuge abfertigen. Wenn es sich um ein größeres Flugzeug handelt, stellen wir zwei oder drei Teams zusammen, je nachdem, welche Mitarbeiter zur Verfügung stehen.“

Die gesamte Organisation des Unternehmens stünde unweigerlich auf dem Prüfstand, so Callaerts, der hinzufügt, dass wohl viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stünden. Bei Swissport ist man bemüht, keine Panik zu schüren. „Es handelt sich um einen Betriebsrat, dessen Ziel es ist, Bilanz zu ziehen, und nicht, Ankündigungen zu machen oder Entscheidungen zu verkünden“, so die Unternehmensleitung gegenüber „Le Soir“.

Dass die Auswirkungen der Sparmaßnahmen bei Brussels Airlines Auswirkungen auf den gesamten Sektor haben werden, dokumentieren die bloßen Zahlen. Die Fluggesellschaft hat in dieser Woche die Streichung von etwa einem Viertel ihrer 4.200 Mitarbeiter (oder etwa 3.800 Vollzeitäquivalente) angekündigt. Hinzu kommen die Streichungen von zwei der 20 Langstreckenziele sowie von 22 der 78 europäischen Destinationen.

„Auf einen direkt betroffenen Arbeitsplatz kommen zwei indirekte.“

Doch auch der Flughafen Zaventem blickt mit Sorge auf die Entwicklungen bei Brussels Airlines. Im vergangenen Jahr besorgte die Fluggesellschaft 81.378 An- und Abflüge auf dem Landesflughafen, das heißt 224 von etwa 600 pro Tag. Das entspricht etwas mehr als zehn Millionen Passagieren. Brussels Airlines ist der größte Kunde des Landesflughafens. 40 Prozent aller Flüge werden von der Fluggesellschaft abgewickelt. Ein Viertel Abbau bedeutet eine Abnahme von zehn Prozent der Flüge für den Flughafen Zaventem – so die Rechnung des Unternehmens. Ein Schaden in Millionenhöhe wird befürchtet.

Doch damit nicht genug: Blickt man auf weitere indirekt betroffene Unternehmen verdunkelt sich das Bild zunehmend. Beim öffentlichen Flugsicherungs- und Verkehrsdienstleister Skeyes wird sich die Reduzierung der Flugzeuge und Flugziele direkt auf dessen Aktivität und demnach ebenfalls auf die Einnahmen auswirken. Ein verminderter Personalbedarf ist dabei ebenfalls zu erwarten.

Hinzu kommen die Auswirkungen auf die Anbieter von Wartungsdiensten und sämtlichen Flughafenaktivitäten – angefangen beim Personal in den Geschäften und Restaurants, aber auch in der Zone um den Flughafen Zaventem: Taxifahrer, Busfahrer, Personal in Fahrkartenschaltern an Bahnhöfen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Flughafenchef Arnaud Feist rechnet vor, dass für einen direkt betroffenen Arbeitsplatz bei Brussels Airlines zwei indirekte Arbeitsplätze wegfallen könnten. „Daher gibt es mehrere Tausend Jobs, die potenziell betroffen sind.“ (belga)

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