Ryanair will ohne Staatshilfen durch die Krise kommen

<p>Der irische Billigflieger Ryanair will seinen Flugbetrieb zum Sommer wieder deutlich hochfahren. Ab 1. Juli sollen 40 Prozent der regulären Flüge wieder stattfinden. Das betrifft auch die Flughäfen in Zaventem und Charleroi.</p>
Der irische Billigflieger Ryanair will seinen Flugbetrieb zum Sommer wieder deutlich hochfahren. Ab 1. Juli sollen 40 Prozent der regulären Flüge wieder stattfinden. Das betrifft auch die Flughäfen in Zaventem und Charleroi. | Foto: Andreas Arnold/dpa

Europas größter Billigflieger Ryanair will seinen Flugbetrieb zum Sommer wieder deutlich hochfahren. Ab 1. Juli sollen 40 Prozent der regulären Flüge wieder stattfinden, teilte das Unternehmen am Dienstag in Dublin mit. Ryanair-Manager David O'Brien bekräftigte im Gespräch mit verschiedenen Nachrichtenagenturen allerdings auch die Pläne, wegen der langfristig schwächeren Nachfrage rund jeden fünften Job streichen zu wollen. Voraussetzung für den Neustart sei, dass die Regierungen die Reisebeschränkungen für Flüge innerhalb der Europäischen Union lockern und an den Flughäfen Sicherheitsmaßnahmen zum Gesundheitsschutz eingeführt würden. Täglich würde Ryanair nach eigenen Angaben dann fast 1.000 Flüge anbieten und damit 90 Prozent der Strecken abdecken, die die Airline vor Ausbruch der Coronakrise angesteuert hatte.

Ryanair-Chef Michael O'Leary kritisierte zugleich die geplante 14-tägige Quarantäne für Flugreisende nach Großbritannien als „idiotische Maßnahme“. „Das ist Unsinn und es hat keinen Einfluss darauf, die Ausbreitung von Covid-19 zu begrenzen“, sagte er am Dienstag dem Fernsehsender ITV. Covid-19 ist die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit. Die zweiwöchige Quarantäne soll nicht für Passagiere aus Irland und Frankreich gelten. Diese Ausnahmeregelung habe keinerlei wissenschaftliche Grundlage, meinte O'Leary.

Seit Ende März hat Ryanair den Großteil seines Flugbetriebs eingestellt und bietet derzeit täglich nur rund 30 Flüge zwischen Irland, Großbritannien und Kontinentaleuropa an. Im kommenden Winter und im Sommer 2021 werde Ryanair im Gesamtnetz voraussichtlich nur 80 Prozent der vorherigen Kapazität fliegen, sagte O'Brien. Dafür würden auch nur 80 Prozent des fliegenden Personals benötigt. Es sei aber noch zu früh, die genauen Auswirkungen auf die Basen und die Beschäftigten zu nennen. Deshalb ist es bislang unklar, was die Ankündigung für die Ryanair-Beschäftigten am Landesflughafen von Zaventem und am Regionalflughafen von Charleroi bedeutet. Die Gesellschaft geht davon aus, wegen der Coronakrise bis zu 3.000 Stellen abzubauen. „Wir müssen uns aber die Auswirkungen pro Land noch anschauen“, sagte Michael O'Leary der Nachrichtenagentur Belga. Es hänge von den jeweiligen Kosten, Steuern und Bedingungen an den Standorten ab, ob sich ein Angebot wieder lohne, hieß es. Das Gesamtniveau des Vorjahres werde man frühestens in den Jahren 2022 oder 2023 wieder erreichen.

Wenn das Angebot ab dem 1. Juli wieder ausgedehnt wird, werde es auch wieder Flüge von und hin zu den beiden Flughäfen in Zaventem und Charleroi geben. Es gebe bereits Reservierungen von Belgien aus für Ryanair-Flüge nach Griechenland, Portugal, Frankreich, Italien und Spanien. Buchungen gebe es aber auch in Richtung Belgien, weil viele Mitarbeiter der EU-Kommission und anderer europäischer Einrichtungen in Brüssel ihre Arbeit wieder aufnähmen.

Um die Übertragung des Coronavirus zu verhindern, sollen die Passagiere am Flughafen und an Bord laut Ryanair Gesichtsmasken tragen. Zudem sollen sie der Airline bei Flügen im Juli und August am Check-in ihre Kontaktdaten und die Dauer ihres Aufenthalts nennen. Ryanair plädiert zudem dafür, dass die Passagiere schon beim Betreten des jeweiligen Flughafens auf ihre Körpertemperatur überprüft werden. Freie Mittelsitze an Bord lehnt Ryanair-Manager David O'Brien wie die gesamte Branche ab, weil sie die verbleibenden Tickets unverhältnismäßig verteuerten und zur Corona-Prävention unnötig seien. (belga/dpa)

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