Pandemie kurbelt im ÖSHZ Raeren den Fortschritt an

<p>Pandemie kurbelt im ÖSHZ Raeren den Fortschritt an</p>
Foto: dpa

Die Pandemie kurbelt in der Töpfergemeinde den Fortschritt an. Was sich im ersten Moment nach einem Widerspruch anhört, erklärt ÖSHZ-Sekretärin Claudia Kirschfink-Fonk folgendermaßen: „In Sachen Informatik lebten wir bisher in der Kreidezeit.“ Homeoffice wäre noch vor ein paar Wochen undenkbar gewesen. Dazu fehlte schlicht und einfach die technische Ausrüstung: kein Diensthandy, kein Laptop, kein Tool für Videokonferenzen.

Durch die Coronakrise und die damit einhergehende Forderung nach möglichst viel Homeoffice veränderte sich die Situation. Auf die Schnelle musste der Rahmen geschaffen werden, um auch das Arbeiten außerhalb des ÖSHZ an der Burgstraße zu ermöglichen. „Die Mitarbeiter sind zufrieden“, so Claudia Kirschfink-Fonk. Es wurde ein Roulement eingerichtet. Vor Ort müssen immer jeweils zwei Sozialarbeiterinnen und zwei Mitarbeiter des Sekretariats anwesend sein. Die anderen erledigen die anfallende Arbeit in den eigenen vier Wänden oder sind nur tageweise anwesend. Insgesamt sind 12,31 Vollzeitäquivalente eingestellt. „Mit dem Homeoffice wurde die Sicherheit der Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt, aber auch der Situation der Mütter Rechnung getragen, für die die Kinderbetreuung plötzlich wegbrach.“

„Die gesamte Situation beschert uns etwas mehr Ruhe, um auch die Sachen anzupacken, die sonst vielleicht schon mal auf der Strecke bleiben“, so Claudia Kirschfink-Fonk. Es hätten sich Muster und Arbeitsmodelle ergeben, die in ihren Augen durchaus zukunftsträchtig sind. „Ich könnte mir vorstellen, dass man auch nach der Krise mehr freies Arbeiten ermöglicht und nun eingeführte Modelle zumindest teilweise beibehält. Für Alleinerziehende kann es beispielsweise sinnvoll sein, im Krankheitsfall der Kinder von zu Hause zu arbeiten. Bisher mussten diese Mitarbeiter sich frei nehmen und kamen nicht arbeiten. Im Endeffekt hat aber jeder etwas davon, wenn man die Arbeitsbedingungen zeitgemäßer und lockerer gestaltet“, ist Claudia Kirschfink-Fonk überzeugt. Eines bleibt aber wichtig: In der sozialen Arbeit wird auch in Zukunft der „Mensch im Mittelpunkt stehen“.

Auch über fehlende Kommunikation kann man sich im Raerener ÖSHZ nicht beklagen. „Natürlich gibt es viel Gesprächsbedarf und viele Fragen innerhalb des Teams. Wir tauschen regelmäßig aus.“ Auch der Sozialhilferat tagt weiter – nur eben per Videoschaltung. „Wir sind in der Moderne angekommen.“ Die Anschaffung und Einrichtung all dieser informatischen Neuheiten, die man für dieses neue Arbeiten braucht, schlagen natürlich zu Buche. „Das sind Gelder, die im Haushalt nicht vorgesehen waren. Aber ich glaube, dass es eine sinnvolle und langfristige Investition ist.“

Über die Form des Arbeitens nach der Coronazeit konnte man sich in Raeren demnach bereits Gedanken machen. Was die inhaltliche Ausrichtung angehe, sei noch alles offen. Die Vereinigung der Städte und Gemeinden Belgiens (union des villes et communes) sehe einen Ansturm auf die Öffentlichen Sozialhilfezentren voraus und rate dazu, sich auf Mehranfragen einzustellen. „Bisher sind in der Gemeinde Raeren infolge des Coronavirus nur sehr wenig Menschen finanziell in eine Schieflage geraten. Rund zehn Personen haben sich zusätzlich zu den bisherigen Kunden bei uns gemeldet. Wir können nur hoffen, dass es so bleibt. Vielleicht wird die Zahl noch steigen, wenn einige Unternehmen schließen müssen oder nicht all ihre Mitarbeiter halten können. Aber das ist momentan noch schwer abzusehen“, so Claudia Kirschfink-Fonk.

Die Mitarbeiter im Sozialdienst machen jedoch viel Beratungsarbeit. Sie leiten die Kunden weiter an die Sozialsekretariate oder die Wallonische Region. Auch die Lebensmittelbank wird weiter beansprucht. „Außerdem wenden sich Menschen mit den verschiedensten persönlichen Problemen an uns, die wir versuchen zu lösen. Es geht dabei um familiäre Probleme, Probleme wegen Grenzbeschränkungen, die Kontakte erschweren und einiges mehr.“ Auch in der Krise will das ÖSHZ in Raeren also für seine Kunden da sein. (nawi)

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