„Die Daten, die uns derzeit zur Verfügung stehen, auch in den Nachbarländern, zeigen tendenziell, dass Kinder bei der Verbreitung des Virus eine gemäßigte Rolle spielen“, sagte Yves van Laethem, interföderaler Sprecher von Covid-19, am Donnerstag.
Der Professor wies auf in den Niederlanden durchgeführte Studien hin. „Diese Studien zeigen, dass die Rate der Antikörper gegen das Virus bei Kindern etwa halb so hoch ist wie bei Erwachsenen“, erklärte der Experte. Im Falle einer Grippe sind es sehr oft kleine Kinder, die die Infektion auf Erwachsene und ältere Menschen übertragen. Dies scheint bei Sars-Cov-2 derzeit nicht der Fall zu sein, so van Laethem.
Doch nicht alle Experten sind dieser Meinung - darunter auch Christian Drosten von der Berliner Charité. Kinder in Deutschland sind laut seiner Analyse zufolge in der gegenwärtigen Coronavirus-Pandemie vermutlich genauso ansteckend wie Erwachsene. Die Zahl der Viren, die sich in den Atemwegen nachweisen lässt, unterscheide sich bei verschiedenen Altersgruppen nicht, berichtet Drosten in einer vorab veröffentlichten und noch nicht von unabhängigen Experten geprüften Studie. Die Forscher warnen aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland.
Die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zeigten in vielen Ländern Wirkung, schreiben die Forscher. Mit Lockerung der Kontaktbeschränkungen gebe es vermehrt auch Diskussionen darüber, inwieweit die Schließung von Schulen und Kindergärten zu diesem Erfolg beigetragen hat - und wie sich eine Wiedereröffnung auf die Ausbreitung des Virus auswirken könnte. Bisher sei unklar, inwieweit Kinder das Virus an andere weitergeben. Die Untersuchung dieser Frage sei schwierig, gerade weil die Schulen früh geschlossen wurden und weil das Virus vor allem in der Anfangsphase der Epidemie vor allem von erwachsenen Reisenden weitergegeben wurde. Zudem hätten Kinder oft keine oder nur leichte Symptome und würden deshalb seltener getestet.
Das Team um Drosten hatte nun in Proben von 3.712 Infizierten, die zwischen Januar und 26. April in einem Berliner Testzentrum untersucht wurden, die Menge an Sars-CoV-2-Viren bestimmt. Sie fanden keinen Unterschied in der Viruslast zwischen verschiedenen Altersgruppen. Bei der Beurteilung der Ansteckungsgefahr in Schulen und Kindergärten müssten die gleichen Annahmen zugrunde gelegt werden, die auch für Erwachsene gelten, schreiben die Forscher.
Es gebe Argumente, denen zufolge Kinder weniger ansteckend seien als Erwachsene, erläutern die Forscher auch. Etwa, dass sie meist keine Symptome haben und deshalb weniger husten, und weil sie weniger Atemluft ausstoßen. Auf der anderen Seiten seien sie aber körperlich und sozial viel aktiver.
Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, betonte am Donnerstag, dass Kinder für die Ausbreitung wohl dieselbe Rolle spielten wie Erwachsene. „Sie können angesteckt werden, sie können das Virus ausscheiden und andere anstecken“, sagte er. Dabei spiele ihr Sozialverhalten eine größere Rolle als bei Erwachsenen. Kinder seien weniger gut darin, sich an Abstandsregeln zu halten.
Bleibt nur die Frage: Wer wird Recht behalten? (belga/dpa)

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