Am Dienstag wurden in Belgien 205 neue Todesfälle registriert. Demnach sind in unserem Land seit dem Ausbruch der Epidemie insgesamt 2.240 Menschen an Covid-19 gestorben. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Erstmals ging die Gesamtzahl Corona-Patienten in den Krankenhäusern zurück: „Der Höhepunkt der Epidemie zeichnet sich immer deutlicher ab“, sagte der Virologe Steven Van Gucht bei der Vorstellung der jüngsten Fallzahlen. Was aber nicht bedeutet, dass dieser Peak schon überwunden ist.
Am Dienstag wurden 487 Infizierte in ein Krankenhaus eingewiesen. Gleichzeitig durften 524 Patienten das Krankenhaus genesen verlassen (gesamt: 4.681 Menschen). Insgesamt liegen 5.688 Covid-19-Patienten in den Spitälern, nach 6.012 am Montag und 5.840 am Sonntag. Davon befinden sich 1.276 Patienten auf der Intensivstation (plus 16). 1.008 von ihnen werden künstlich beatmet (plus 9). Es wurden 1.209 Neuinfektionen registriert (gesamt: 23.403). „Wir sind noch nicht aus der Gefahrenzone“, sagte Van Gucht, gab sich aber angesichts des erstmaligen Rückgangs der Krankenhauspatienten besonders motiviert: „Gemeinsam werden wir diesen Teufel wieder vertreiben.“ Die Situation in den Altenheimen bleibe allerdings prekär. „Wir müssen die Betreuer in diesen Zentren unterstützen und ihnen Mut zusprechen. Genau wie das Personal in den Krankenhäusern befinden sie sich in einer Heldenrolle“, so der Vorsitzende des Corona-Ausschusses. Bürger, die noch über Mundmasken verfügen, sollten diese den Altenheimen geben.
Die Intensivstationen der Krankenhäuser verfügen derzeit noch über genügend Betten, seien aber nicht vorbereitet auf einen weiteren Zustrom von Covid-19-Patienten, meint Geert Meyfroidt, Präsident der belgischen Vereinigung für Intensivmedizin. „Wir erwarten dies auch nicht, wenn die Schutzmaßnahmen weiterhin strikt eingehalten werden, aber wenn die Cafés wieder geöffnet werden, wird es diesen Zustrom geben.“
„Diejenigen, die jetzt dort versorgt werden, werden auch in zwei Wochen noch dort sein", sagt er. Bei der Pressekonferenz von Mittwoch zu den neuesten Fallzahlen hoben die Experten die wichtigsten Gesundheitsprobleme hervor, die dazu beitragen können, dass gewisse Personen stärker von dem Virus betroffen sind: Herzprobleme, Diabetes, Lungen- und Nierenerkrankungen und alle chronischen Erkrankungen, die das Immunsystem schwächen. Darüber hinaus zeigt sich, dass unter den Patienten über 60 mehr Männer als Frauen sind.
Gelobt wurde die Kreativität junger Menschen im Land. „Sie sind kreativ, nicht um die Regeln zu umgehen, sondern in der Art und Weise, wie sie ihre Zeit verbringen. Die belgischen Jugendlichen nehmen ihre Verantwortung wahr und helfen anderen, indem sie zum Beispiel ihre Einkäufe erledigen. Diese Initiativen verleihen unserer Gesellschaft Widerstandsfähigkeit in diesen Zeiten.“ „Die Bevölkerung hat sich gut an die neuen Lebensregeln angepasst“, fügte Yves Stevens, Sprecher des Krisenzentrums, hinzu. „Laut einer Analyse des Datenverkehrs der vergangenen Woche hielt sich 70 %der Bevölkerung in seiner Gemeinde auf.“
Ob das warme Wetter Einfluss auf die Eliminierung des Virus hat, wie in sozialen Medien spekuliert wird, wollte Van Gucht nicht bestätigen. „Es stimmt, dass sich viele Atemwegsviren bei gutem Wetter weniger schnell ausbreiten, aber es ist nicht sicher, dass dies auch bei diesem Virus der Fall ist.“ Der Virologe wies darauf hin, dass man das Virus am besten auf Distanz hält, indem man die Regeln einer guter Handhygiene anwendet und auf Abstand zu anderen Menschen bleibt. „Diese Verhaltensweisen funktionieren mit Sicherheit“, sagte Van Gucht.
Am Mittwoch war die Coronakrise Thema bei den Sitzungen von gleich vier Kammerausschüssen. Im Innenausschuss war zu erfahren, dass die Polizei eine Privatwohnung betreten darf, um eine „Lockdown-Party“ zu beenden. Innenminister Pieter De Crem (CD&V) konnte ferner versichern, dass der Polizei rund 170.000 Masken zur Verfügung stehen. Wegen des Mangels an Schutzausrüstung für Beamte hatten die Polizeigewerkschaften in der vergangenen Woche eine Streikankündigung eingereicht.
Die Degressivität der Arbeitslosenunterstützung wird vom 1. April bis zum 30. Juni eingefroren, gab Arbeits- und Wirtschaftsministerin Nathalie Muylle mit. Wegen der Krise seien Arbeitsuchende nicht in der Lage, sich für eine Stelle zu bewerben. Verteidigungsminister Philippe Goffin (MR) konnte mitteilen, dass die Armee in ihren Reihen 62 bestätigte Fälle von Coronavirus-Infektionen identifiziert hat. Zwölf Militärangehörige seien in ein Krankenhaus eingewiesen worden. Weitere 178 Personalmitglieder zeigen Symptome, ohne getestet worden zu sein. 91 Personen seien ohne Symptome in Quarantäne. (gz)

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