Tour und Wimbledon: Die letzten Giganten wehren sich

<p>Egan Bernal war mit seinen 19 Jahren im vergangenen Jahr der jüngste Tour-de-France-Sieger seit 1909 und der erste aus Südamerika.</p>
Egan Bernal war mit seinen 19 Jahren im vergangenen Jahr der jüngste Tour-de-France-Sieger seit 1909 und der erste aus Südamerika. | Foto: belga

Fußball-EM: verschoben. Olympia 2020: verschoben. Aber die Tour de France wehrt sich trotz der dramatischen Coronakrise vehement gegen eine Absage. Das Radsport-Spektakel ist neben dem Tennis-Mekka Wimbledon der letzte Gigant, der sich gegen eine Verlegung sträubt – auch weil die finanziellen Schäden immens wären. „Es wäre eine Katastrophe, wenn die Tour nicht gefahren oder erstmal abgesagt wird“, sagte Deutschlands Rundfahrer Emanuel Buchmann dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Alles andere könne der Radsport ganz gut verkraften, meinte der 27-Jährige, wie die Absagen und Verlegungen von Klassikern wie Mailand-Sanremo oder Rundfahrten wie dem Giro. „Aber wenn die Tour ausfällt, wäre das echt schlimm.“ Buchmann regt eine Vertagung der Großen Schleife an, die am 27. Juni in Nizza beginnen soll: „Vielleicht kann man sie ja auch einen Monat nach hinten verschieben. Es weiß halt niemand, wie die Entwicklung in ein paar Wochen und Monaten aussieht.“

„Wenn es keine Tour gibt, kann das ganze Modell des Radsports zusammenbrechen.“

Die aus einer Absage resultierenden finanziellen Folgen wären verheerend, insbesondere für die Teams, sagte Patrick Lefevere, mächtiger Boss der Top-Equipe Quick-Step der Tageszeitung Het Nieuwsblad: „Wenn es keine Tour gibt, kann das ganze Modell des Radsports zusammenbrechen. Die Teams investieren Millionen in der Gewissheit, dass sie im Sommer mit einem Engagement bei der Tour belohnt werden. Und da mehrere Teams bereits unter dem Druck stehen, Sponsorengelder für 2021 zu finden, wird die Aufgabe im Falle einer Absage nur noch schwieriger.“

Mit diesem Worst-Case-Szenario setzen sich die Organisatoren der Tour bislang noch nicht auseinander. „Wir stehen in Kontakt mit der ASO (Tour-Organisator Amaury Sport Organisation, d. Red.)“, erklärte Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu am Montag auf France Inter: „Es ist von größter Bedeutung, dass diese Veranstaltung durchgeführt werden kann.“

Bis zum Wimbledon-Turnier sind es noch knapp drei Monate.

Wie bei der Tour tickt für Wimbledon der Entscheidungs-Countdown unerbittlich, bis zum prestigeträchtigsten Tennisturnier der Welt (ab 29. Juni) sind es wie bis zur Tour noch knapp drei Monate. Die Spielervereinigungen ATP und WTA haben ihre Spielpausen vergangene Woche bereits bis zum 7. Juni verlängert. Der Klassiker an der Church Road in London war bislang kriegsbedingt in den Jahren 1915 bis 1918 sowie 1940 bis 1945 abgesagt worden.

„Der All England Lawn Tennis Club überwacht die aktuelle Situation wegen des Coronavirus und arbeitet eng mit der Regierung und den zuständigen Gesundheitsbehörden zusammen. Während wir derzeit weiterhin mit der Durchführung der Championships planen, werden wir verantwortungsvoll handeln im besten Interesse der Gesellschaft“, sagte Wimbledons Pressesprecherin Eloise Tyson. (sid)

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