„De Blömcher“ geben in Raeren den Ton an

<p>Silke Bormann (l.) und Sylvia Lorenz (Mitte) nehmen den Schlüssel von Bürgermeister Erwin Güsting (Mit Uns) entgegen.</p>
Silke Bormann (l.) und Sylvia Lorenz (Mitte) nehmen den Schlüssel von Bürgermeister Erwin Güsting (Mit Uns) entgegen. | Fotos: Helmut Thönnissen

400 Brötchen, zehn Brote, zehn Schwarzbrote, sechs Kilo Schinken, acht Kilo Käse und zwei Kilo Salami, dazu noch einiges an Deko wie Gurkenscheiben oder Tomatenschnitten: Das war die Einkaufsliste des Altweiberkomitees „De Blömcher“ in Raeren, das traditionell am Donnerstagmorgen ein Frühstück im Bergscheider Hof ausrichtet. „Das Wichtigste nicht vergessen: 650 Eier und sieben Kilo Speck“, fügt Sylvia Lorenz aus dem Komitee der Töpfergemeinde hinzu.

Seit den frühen Morgenstunden hatten die Damen gearbeitet. „Wir lernen jedes Jahr dazu. Diesmal haben wir den Speck schon in der Frühe vorgebraten. Dann geht es schneller, wenn die Leute in der Schlange stehen und es bedeutet weniger Stress für uns“, erklären Malou und Wilma, die kräftig in den Pfannen rühren, damit nichts anbrennt. 500 Kaffeetassen wurde aufgebrüht. Den Besuchern sollte eine gute Grundlage geboten werden. Die war auch nötig, denn nach dem gemütlichen Frühstück wurde den Alten Weibern einiges abverlangt: Es galt das Tanzbein zu schwingen. Gemütliches Schunkeln war gestern. Im Bergscheider Hof gerieten so einige Besucher ganz schön ins Schwitzen. Der erste, der dem Karnevalsvolk anständig einheizte, war der Raerener Narrenherrscher höchstpersönlich. Stefan II. gestand, er sei „nervös, aufgeregt, aber voll in Stimmung“, bevor er in den Saal einzog und von den Karnevalisten stürmisch begrüßt wurde. Den „Blömcher“ schenkte er eine Kette in ihren Farben und brachte den Saal mit seiner Hymne auf Partykurs.

„De Hondsjonge“ legten kurz darauf kräftig nach. Sie hatten sich am Kölner Motto „Karneval im Veedel“ orientiert. Bandmitglied Guido Radermacher erklärte, er habe sich frei genommen für den Auftritt. Er befindet sich aber in guter Gesellschaft: „Ich arbeite im Kabelwerk. Meine Abteilung, das Rohrwerk, ist eine Gesangshochburg.“ Kollegen von ihm sind Mike Nüchtern und ein Bandmitglied von Domm en Dööl. Kleine technische Probleme zu Beginn des Auftritts überspielte das Trio gekonnt und animierte den Saal kurzerhand mitzusingen, bis die Hintergrundmusik wieder verlässlich eingespielt wurde. Die Haus- und Hofkapelle der „Blömcher“, die Aubaachtaler, unterstützte die drei Sänger dabei. Diese Truppe aus Raerener Karnevalisten sorgt bereits seit Jahren aus dem Hintergrund des Saals für Paukenklänge und Trommelwirbel. Sie geben den Takt beim Schunkeln an und untermalen jede Polonaise.

Das wissen auch Patricia Reul und ihre Freundinnen zu schätzen. Sie können sich nicht genau erinnern, wie lange sie schon nach Raeren kommen, um Altweiber zu feiern. „Wir waren immer schon dabei. Das Programm ist toll, die Stimmung super“, lacht sie.

Ähnlich sehen es auch Claudine Haas und Michaela Goor. „Wir kommen aus Raeren und sind gerne hier. Diese Bindung ans Dorf gefällt uns. Das Feiern hier ist eine gute Alternative zu Eupen.“

D´r Sach eilte direkt aus dem Raerener Marienheim in den Bergscheider Hof. „Es macht immer Spaß, vor den Senioren aufzutreten. Meine Oma wohnt auch im Marienheim. Sie freut sich natürlich, mich zu sehen und ich gehe gerne dorthin“, erklärt er, bevor er die Bühne stürmt, in orangenfarbenen Hosenträgern und mit Hüftschwung.

Im Anschluss folgten Chouke und Kowalski aus Kelmis. In diesem Jahr werden sie zum letzten Mal als Duo die Karnevalisten begeistern. Chouke (Jérôme Dreesens) hört aus familiären Gründen auf. Am Montag wird er ein letztes Mal die Lieder mit seinem Bühnenpartner anstimmen. „Zwischen uns ist alles in Ordnung und es hat mir bis zuletzt Spaß gemacht, aber ich habe nicht genug Zeit, alles unter einen Hut zu bekommen. Vielleicht klappt es in ein paar Jahren wieder“, stellt er in Aussicht. Sein Kollege Kowalski (Pascal Niessen) will alleine weiter machen.

Der Karneval, wie er im Bergscheider Hof gefeiert wird, kommt nicht nur bei den Einheimischen an, wie Jessica Schmidt zeigt. Obschon sie als Kölnerin sicher mit anderen Vergleichsmöglichkeiten aufwarten könnte, schwärmt sie für den Karneval in „Rore“. „Sicher, es ist kleiner und dörflicher hier. Aber gerade das Familiäre mag ich sehr“, gesteht die 27-Jährige, die in diesem Sommer der Liebe wegen ins Töpferdorf ziehen wird.

„Sven ohne Girls“ kann dieser Art Party zu machen auch einiges abgewinnen. Der Kelmiser Sänger erklärt: „Es ist immer eine Besonderheit, vor so vielen Mädels aufzutreten. Die Stimmung ist super. Es ist ein spontanes und ehrliches Feiern.“ Als Höhepunkt des Programms trat nach mehreren Zugaben von „Sven ohne Girls“ das Männerballett aus Lontzen auf. Die Truppe tanzt bereits im 13. Jahr gemeinsam. Diesmal wurde das Thema Cowboy in den Fokus gerückt. Die Männer wirbelten und flogen über die Bühne, die weiblichen Besucher jubelten und kreischten. Von den männlichen Gästen kam der eine oder andere anerkennende Blick. „Wir trainieren jede Woche zwei Stunden körperlich, im Anschluss wird dann noch Krafttraining mit den Armen gemacht“, lacht Sven Gehlen und ahmt dabei die Bewegung nach, die man macht, wenn man ein Glas an den Mund führt. Zumindest der erste Teil der Trainingseinheiten scheint zu fruchten. „Unsere Truppe ist gewachsen. Es macht total Spaß. Vor allem, weil der Erfolg sich einstellt und wir immer häufiger gebucht werden.“ Am 4. April organisiert das Lontzener Männerballett übrigens ein Turnier in ihrem Heimatdorf, bei dem auch befreundete Männerensembles auftreten werden, die sie bei Turnieren kennen gelernt haben.

Schlüsselübergabe in Raeren samt schiefer Töne und „bunter Truppe“

Nach der rasanten Vorstellung der Männer inklusive Hebefiguren, Konfettikanone, Lufteinlagen und Lichteffekt ging es dem Höhepunkt des Altweibertags entgegen: Die Schlüsselübergabe nahte. In ihrer Rede erklärte Silke Bormann, nun sei Schluss mit dem „Welpenschutz“ für das neue Gemeindekollegium, stattdessen gehe es ihm nun gewaltig „an den Kragen“. Sie wollte wissen, ob die Politiker überhaupt die grauen Zellen einschalten, wenn es um Entscheidungen wie die Renovierungen in und um die Burg gehe. Auch Waldverkäufe oder das „Naturbild an der Knoppenburg“ wurden ebenso wie die Klimapolitik mitsamt Windpark thematisiert. „Auf der Hauptstraße ist wieder was los, im Löcher buddeln ist man grandios, die Bagger rollen hin und her, nur was die wirklich machen, kapiert keine mehr“, mokierte sich Silke Bormann. Bürgermeister Erwin Güsting, begleitet von seiner „bunten Truppe“, parierte, die Alten Weiber könnten die Arbeiten ja während ihrer Herrschaftszeit nun selber vorantreiben.

Die anschließende Schlüsselübergabe untermalte er gesanglich – dabei erwischte er manch schiefen Ton. Diese musikalische Einlage hatten „De Blömcher“ im letzten Jahr von der Politik gefordert. Zufrieden, dass man ihrem Wunsch entsprochen hatte, forderte Silke Bormann dann kurzerhand alle Alten Weiber auf, sich dem Zug zum Marienheim und später zur Sporthalle anzuschließen: „Danke für den Gesang. Noch regnet es nicht, lasst uns also gehen!“

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