Jugendliche diskutierten im PDG: Tut die Politik genug für den Klimaschutz?

<p>Jugendliche und Politiker diskutierten im Parlament der DG über Klimaschutz.</p>
Jugendliche und Politiker diskutierten im Parlament der DG über Klimaschutz. | Foto: PDG

Dass Taten zählen, stand außer Frage. Wie man aber persönliche Gewohnheiten umwerfen kann oder ob die Politik dazu etwas regeln muss, daran schieden sich die Geister.

„Warum tut ihr nichts?“, lautete der Vorwurf gleich zu Beginn.

Auf Einladung des Parlaments waren Jugendliche aus Ostbelgien in den Plenarsaal gekommen, um zu hören, welche konkreten Antworten Politiker auf die Fragen zum Thema Klimaschutz haben. Seit Monaten gehen in Europa Jugendliche auf die Straße, um für mehr Klimaschutz und besseres Konsumverhalten zu demonstrieren. Am 4. April 2019 hatte das Parlament bereits zu einer Anhörung der Jugendlichen eingeladen. Die Politik hielt sich damals zurück. Nun aber sollten die Politiker sehr konkret auf die Anliegen der Jugend antworten.

Auf dem Podium waren verschiedene Entscheidungsebenen und alle im PDG vertretenen Fraktionen anwesend. Bürgermeister Erwin Güsting (Raeren) vertrat die Gemeindeebene, Anne Kelleter (Ecolo) sprach für die Region. Für das Parlament saßen Freddy Cremer (ProDG), Jerôme Franssen (CSP), Charles Servaty (SP), Michael Balter (Vivant) und Gregor Freches (PFF) auf dem Podium. Die Regierung entsendete den Kabinettsmitarbeiter von Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG), Daniel Hilligsmann.

Den gleich zu Eingang geäußerten Vorwurf, dass die Politik nichts tue, wollten die Politiker nicht stehen lassen. Es gebe in den Parteiprogrammen Maßnahmen für den Klimaschutz, sagten die einen. Viel zu wenig, sagten die anderen. Aber nicht nur die Politik sei gefordert, sondern jeder Bürger müsse etwas tun. Dennoch, die Jugendlichen hielten am Ball am Rollen und ließen nicht locker. „Warum macht ihr nichts, wenn ihr doch einen Plan habt?“, stutzte eine Schülerin. Die Diskussion wurde lebhafter: Man ging auf zahlreiche konkrete Punkte ein, von der Mülltrennung zu alternativen Energien.

Dass sich auf kommunaler Ebene einiges bewege, bescheinigten Daniel Hilligsmann und Erwin Güsting. Für den „Integrierten Energie- und Klimaplan“ hätten alle ostbelgischen Gemeinden eine Zusammenarbeit vereinbart. Man müsse sich zusammentun, um die Ziele zu erreichen. In den Gemeinden würden zahlreiche Maßnahmen direkt umgesetzt, von Solaranlagen auf Gemeindegebäuden bis hin zur Anpflanzung klimafreundlicheren Mischwaldes, bescheinigte der Bürgermeister. Die Umsetzung von Maßnahmen sei allerdings nicht immer beliebt, gab Anne Kelleter zu bedenken, da sie Einschnitte in den Alltag der Menschen zur Folge, und zum Teil finanzielle Auswirkungen hätten. Höhere Steuern für klimaschädliche Fahrzeuge, zum Beispiel, kämen erstmal nicht gut an.

„Was tun sie selber für die Umwelt?“, wollte eine Jugendliche wissen. Bäume pflanzen oder pflanzen lassen, Energie einsparen, LED Leuchten nutzen, Photovoltaik einsetzen, seine Lebensweise anpassen, regional essen – die Politiker hatten viele praktische Antworten. Die Fragen der Jugendlichen an die Politik betrafen sehr konkrete Maßnahmen und deckten das gesamte Spektrum des Konsumverhaltens ab. Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel, die Einrichtung besserer Fahrradwege, Mitfahrbänke, Mülltrennung und weitere Projekte wurden angesprochen.

Bei bestimmten Fragen wurde die Diskussion recht kontrovers. „Was halten Sie von der Fridays-for-Future-Bewegung?“ war eine davon. Die Meinungen der Politiker gingen zum Teil weit auseinander. Während die einen das Engagement der Jugend für wichtig und bewundernswert hielten, waren andere eher skeptisch. Jugendliche und alle, die an den Protesten teilnehmen, müssten sich mehr über die Hintergründe informieren. Ein kritisches Engagement sei gefragt. Und die Tatsache, dass die Jugend in der Schulzeit demonstriert, traf auch nicht bei allen Teilnehmern auf Unterstützung.

87 Prozent waren nach der Diskussion überzeugt, dass noch mehr Möglichkeiten zum Klimaschutz bestehen.

„Tut die Politik genug in Sachen Klimaschutz?“, wurden die Teilnehmer zu Beginn der Veranstaltung gefragt. Nein, sagten 100 Prozent der jungen Gäste zu Beginn der Diskussion. Und auch am Ende der Debatte waren die meisten noch davon überzeugt, dass da noch mehr geht, nämlich 87 Prozent. Die Politiker versprachen, am Ball zu bleiben. Klimaschutz werde im Alltag gemacht, und man müsse an einem Strang ziehen, um Maßnahmen umzusetzen und damit etwas zu erreichen. Auch die DG könne einiges erreichen, auch in ihren Politikbereichen. (red/mv)

Kommentare

  • Schade, dass kein Politiker die Frage „Was tun sie selber für die Umwelt?“ an die Jugendlichen gestellt hat. Weil nur auf die Strasse gehen um während der offiziellen Schulzeit zu demonstrieren ist einfach zu wenig. Von diesen streikenden Schülern erwarte ich konkrete Vorschläge und Massnahmen, die sie dann auch bereit sind, selbst mitzutragen und konkret umzusetzen

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