Man stelle sich vor, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel würde vom niederländischen König Willem-Alexander nach Den Haag eingeladen. Die Kanzlerin nimmt die Einladung an, danach teilt Merkel plötzlich mit, dass Deutschland die niederländische Nordseeinsel Schiermonnikoog kaufen möchte. Den Haag und die Inselverwaltung lehnen empört ab, Merkel streicht den Besuch daraufhin. Sowas gibt es nicht? In der Welt von Donald Trump schon. Weil niemand mit ihm über einen Verkauf Grönlands an die USA reden will, hat der US-Präsident am Dienstagabend (Ortszeit) einen Staatsbesuch in Dänemark abgesagt.
Das „Wall Street Journal“ (WSJ) gehört zu den seriösesten Medien der USA, zu den typischen Trump-Kritikern zählt es nicht. Witze verbreitet die Wirtschaftszeitung erst recht nicht. Das WSJ meldete vergangene Woche als erstes Medium, der Immobilien-Mogul Trump erwäge einen ganz neuen Deal: Den Kauf von Grönland durch die USA. Schon 1867 hatten die USA für einen Spottpreis Alaska von Russland gekauft, ein Geschäft, das Moskau bis heute bereuen dürfte. Diese Zeiten sind lange vorbei. Trump mag ein noch so unkonventioneller Präsident sein - aber würde er wirklich Grönland kaufen wollen? Selbst das „Wall Street Journal“ war sich nicht sicher, ob Trumps Vorstoß ernstzunehmend sei. Die Zeitung zitierte eine ihrer Quellen damit, es könne sich um einen Witz Trumps gehandelt haben - nach dem Motto: „Ich bin so mächtig, dass ich ein Land kaufen könnte.“
Die Regierungen in Dänemark und Grönland hofften ebenso wie viele Trump-gestählte Amerikaner auf einen Scherz. Nichts dergleichen: Ein Kauf der Arktisinsel - die autonom ist, aber zum dänischen Königreich gehört und auf der die USA einen Luftwaffenstützpunkt betreiben - könnte „strategisch“ interessant sein, sagte Trump am Sonntag.
Dänemark verliere mit seiner Unterstützung für Grönland jedes Jahr viel Geld, argumentierte der zum US-Präsidenten mutierte Baumogul. „Im Grunde wäre es ein großes Immobiliengeschäft.“ Am Montag legte Trump in einem selbst für seine Verhältnisse bizarren Tweet nach: In einer Fotomontage verschickte er das Bild eines golden glänzenden Trump-Towers, der in eine armselig wirkende Hüttensiedlung an einer Küste montiert wurde. Der Text dazu: „Ich verspreche, dass ich das Grönland nicht antun werde!“ Das dürfte ironisch gemeint gewesen sein, die eigentliche Botschaft: Ich bringe Euch Wohlstand. Naturschützer könnten das Foto dagegen so auslegen: Bleib bloß weg aus unserer Bucht.
Grönland ist etwa sechsmal so groß wie Deutschland, ein Großteil der Fläche ist ständig von Eis bedeckt - noch jedenfalls, der Klimawandel ist dort besonders spürbar. Spötter meinten nach der Ankündigung zu einem etwaigen Grönland-Kauf, Trump spekuliere darauf, dass wegen der Erderwärmung bald etliche Grundstücke mit Meerzugang frei würden. Trump hat das Pariser Klimaschutzabkommen für die USA aufgekündigt, noch Ende 2013 nannte er die Erderwärmung einen „Scherz“. Inzwischen ist er immerhin zur Erkenntnis gelangt, dass es einen Klimawandel gibt - der mächtigste Politiker der Welt bezweifelt aber immer noch, dass dieser Wandel von Menschen verursacht wird. Kopenhagen wäre die letzte Station von Trumps Europa-Reise gewesen, die ihn an diesem Samstag zunächst zum G7-Gipfel der wichtigen Industriestaaten USA, Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan ins französische Biarritz führt. Am 31. August kommt Trump dann nach Polen, einem seiner engsten Verbündeten in Europa - danach wäre er nach Kopenhagen gereist. (dpa)

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