Feuer, Flammen und Tränen beim 24. Graspop Metal Meeting

<p>Kiss rundeten das Graspop am Sonntageband mit ihrer spektakulären Show ab. Auch für sie fällt nun der letzte Vorhang. Dies ist zumindest, was sie angekündigt haben.</p>
Kiss rundeten das Graspop am Sonntageband mit ihrer spektakulären Show ab. Auch für sie fällt nun der letzte Vorhang. Dies ist zumindest, was sie angekündigt haben. | Fotos: Philippe Beck

Die rund 155.000 Besucher in Dessel hatten Glück mit dem Wetter. Das Wochenende fiel kein Tropfen Regen, und die Hitzewelle kam erst am Sonntag allmählich auf. Mittlerweile hat sich das Festival, das im nächsten Jahr 25 Kerzen ausblasen wird, zu einem internationalen Event entwickelt. Diesmal waren zum ersten Mal sogar Journalisten aus Australien anwesend.

Der letzte Auftritt von Slayer in Belgien

Am Freitagabend trat US-Thrash-Metal-Band Slayer zum zehnten und letzten Mal hierzulande auf der Bühne. Die Gruppe hatte im Januar 2018 verlauten lassen, ihrer fast 40-jährigen Karriere ein Ende zu setzen, damit sich die Mitglieder ihren Familien widmen können. So hieß es für die Fans auf dem Graspop Abschied nehmen von einer Legende. Nach einem kraftvollen Set, das mit unter anderem „War Ensemble“, „Raining Blood“ und „Dead Skin Mask“ sämtliche Klassiker der Band enthielt, und einer düsteren Lightshow stand Tom Araya allein im fahlen Scheinwerferlicht auf der Bühne und schaute die Menge andachtsvoll an, während mehr als fünf Minuten, ohne ein Wort zu sagen. Zeit genug für die Fans, sich bewusst zu werden, dass es ihm mit dem Abschied ernst gemeint ist. Im Publikum flossen Tränen. Schließlich verabschiedete sich der Sänger-Bassist mit den Worten: „Ich werde euch vermissen.” Diese ergreifende Szene wird keiner vergessen. Nachts auf den Campingplätzen und am nächsten Morgen war sie Gesprächsstoff Nummer eins und sorgte auch später noch für Gänsehaut.

<p>Def-Leppard- und Kiss-Fans warteten in der ersten Reihe sehnlichst auf die Auftritte ihrer Idole.</p>
Def-Leppard- und Kiss-Fans warteten in der ersten Reihe sehnlichst auf die Auftritte ihrer Idole.

Zuvor begeisterte die niederländische Gothic-Metal-Band Within Temptation die Menge auf der rechten Hauptbühne. 1998 eröffnete die junge Band um Sängerin Sharon den Adel im frühen Nachmittag den Marquee. Rund 20 Jahre später fungierte sie als Headliner. Stone Temple Pilots gelang mit ihrem neuen Sänger Jeff Gutt ein überzeugendes Comeback. Sie waren der Headliner im proppenvollen Marquee. Die US-Band gehört zu den großen Namen der 90er Grunge-Szene. Zuletzt standen sie 2010 auf der Hauptbühne. Doch nach dem frühzeitigen Ableben von Sänger Scott Weiland schien die Zukunft der Formation ungewiss. Wielands Nachfolger lieferte auf dem Graspop eine beeindruckende und fast verwirrende Vorstellung. Es war nämlich überraschend, wie sehr er seinem Vorgänger physisch und stimmlich gleicht. Beim Auftritt stellte man fest, dass die Bandalchemie stimmt und vielleicht besser denn je ist.

Mit Lamb of God und Slipknot waren am Samstag Gruppen Top Acts, die in den 1990ern für frischen Wind in der Metalszene gesorgt haben. Heute gehören sie zu den großen Namen. Slipknot hatte bereits auf dem Rock am Ring das Publikum begeistert (das GrenzEcho berichtete), nun heizten die Rocker den Graspop-Besuchern zum siebten Mal in der Festivalgeschichte ein. Mit neuen Kostümen standen die Gruselclowns auf der Mainstage 1, als um Mitternacht der schwarze Vorhang mit dem Bandnamen fiel. Die Musiker fegten über die Bühne und schafften es erneut, auch die entfernteren Publikumsreihen in Schwung zu bringen. „Das Graspop ist unser Lieblingsfestival“ erklärte Sänger Corey Taylor. Wobei man sich die Frage stellen darf, ob er dies nicht überall sagt … Nichtdestotrotz, die US-Formation beendete ihre Vorstellung mit „Surfacing“, bei dessen Break alle aufgefordert wurden, in die Hocke zu gehen und danach gemeinsam aufzuspringen. Dies bleibt ein starker Moment eines jeden Slipknot-Konzerts.

Der letzte Vorhang auf dem Graspop fiel am Sonntagabend für Kiss. „End of the Road“ lautet der Name der Tournee. Auf bewegbaren Plattformen zehn Meter über der Bühne standen die kostümierten Musiker zu Beginn der Show, als die ersten Töne von „Detroit Rock City“ erklangen. Mit Funken und Flammen lieferte die beliebte US-Band ihre übliche Show, die immer wieder fasziniert: Paul Stanley „flog“ an einem Stahlseil befestigt durch die Lüfte, während Gene Simmons für „God of Thunder“ und dem dazugehörigen Feuer- und Blutritual auf einer der beweglichen Plattformen emporstieg. Kiss sind eben geübte Show-Männer und wissen genau, was sie tun. So endete das diesjährige Graspop mit einer der spektakulärsten Shows der Rockgeschichte.

Klassiker live: Highway Star, Freebird, Warpigs

<p>Glenn Hughes und seine Musiker waren in Hochform.</p>
Glenn Hughes und seine Musiker waren in Hochform.

Glen Hughes spielte am Freitag wie angekündigt Deep-Purple-Stücke. Und der einstige Sänger und Bassist dieser Formation präsentierte sich in Höchstform. In farbenfrohem Hippie-Outfit, mit Sonnenbrille und einem breiten Lächeln betrat er die Mainstage 1. Voller Energie und Freude am Spielen lieferten er und seine Band ein kraftvolles Set. Dabei erreichte der 67-Jährige in Songs wie „Mistreated“ oder „Highway Star“ stimmliche Höhen, die für Gänsehaut sorgten. „Smoke on the Water“ mündete in eine ergreifende Interpretation von „Georgia on my Mind“, gefolgt von einem speedigen „Burn“. „Dies ist ein Legacy-Konzert,“ erklärte Glenn Hughes. Es ging um das Vermächtnis einer Epoche. Und fürwahr, diese Songs hat man schon lange nicht mehr mit solch einer Stimme gehört. Wer den Ausnahmemusiker verpasst hat, der kann dies voraussichtlich im kommenden Jahr nachholen: „I love you and see you next year,“ ließ er verlauten.

Mit UFO verabschiedete sich am Samstag ein Stück Rockgeschichte. „Last Orders“ haben sie ihre letzte Tournee getauft. Und das Publikum erwies den britischen Musikern alle Ehre, denn der Metal Dome platzte aus allen Nähten. Sänger Phil Mogg trug einen schwarzen, runden Hut, Schlagzeuger Andy Parker und Bassist Rob De Luca ließen es rhythmisch krachen. Gitarrist Neil Carter seinerseits tobte sich vor allem auf „Rock Bottom“ aus. Die Menge war durchaus erfreut, auch wenn der von allen erwartete Klassiker „Doctor, Doctor“ fehlte.

Lynyrd Skynyrd ihrerseits, ebenfalls auf Abschiedstournee, lieferten den Fans, was sie wollten. Ohne Überraschung endeten sie ihr Set auf der linken Hauptbühne mit „Sweet Home Alabama“ und „Freebird“.

Black Sabbath haben zwar vor drei Jahren den Hut an den Nagel gehängt, doch ihre Musik lebt weiter. Dies wurde am frühen Sonntagnachmittag deutlich, als mit Deadland Ritual eine Superband bestehend aus Matt Sorum (Ex-Guns’n’Roses, Velvet Revolver), Steve Stevens (Billy Idol), Franky Perez (Apocalyptica) und dem Black Sabbath-Bassisten Geezer Butler die Mainstage 1 für sich in Anspruch nahm. Die neue Formation hat bisher nur vereinzelte Songs im Internet veröffentlicht. Auf das erste Album muss man sich also noch ein wenig gedulden. In der Zwischenzeit füllen die Musiker ihre Konzerte zur Hälfte mit Stücken der altehrwürdigen Bands, in denen sie spiel(t)en. So erklang gleich zu Beginn der Sabbath-Hit „Symptom of the Universe“, später folgte der einst von Ronnie James Dio gesungene Song „Neon Kinghts“; und zum krönenden Abschluss gab es „War Pigs“. Ebenfalls zum Set gehörten „Slither“ von Velvet Revolver sowie „Rebel Yell“ von Billy Idol. Diese Klassiker passten im Ganzen ganz gut zu den bluesig-rockigen Eigenkompositionen von Deadland Ritual. Man darf auf das erste Album gespannt sein. (phibes)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment