Nach Unwetter in Gaza: Familien in Belgien drängen auf Evakuierung ihrer Angehörigen

<p>Schwere Unwetter haben im Gazastreifen zahlreiche Zeltlager überschwemmt.</p>
Schwere Unwetter haben im Gazastreifen zahlreiche Zeltlager überschwemmt. | Foto: afp

„Wir haben noch immer nichts über konkrete Schritte erfahren, wie die Föderalregierung unsere Familien zusammenführen will“, erklärte Ismail Al-Najar, Sprecher der in Belgien lebenden Angehörigen.

Nach seinen Angaben waren nahezu alle Bewohner des Gazastreifens von den schweren Stürmen betroffen. Bilder zeigen überflutete Zeltlager. Der Nachrichtensender Al Jazeera beziffert die Schäden an Gegenständen und Materialien von rund 70.000 Palästinensern auf mehr als drei Millionen Euro.

In mehreren Lagern stieg das Wasser um 30 bis 40 Zentimeter. Mehr als 125.000 Familien entlang der Küste sind dem Risiko ausgesetzt, dass ihre Zelte weggespült werden. Unter den Betroffenen befinden sich laut Al-Najar auch 1.500 bis 1.800 Menschen aus Gaza mit einem belgischen Visum.

„Unsere Familienangehörigen konnten wegen des Unwetters die ganze Nacht nicht schlafen. Viele haben ihre Zelte und persönlichen Gegenstände verloren“, berichtete Al-Najar. Die Kälte sei lebensgefährlich, während Angst und Unsicherheit die Menschen zusätzlich belasteten.

Angehörige fordern Gespräch mit Prévot

Al-Najar verlangt Klarheit darüber, wie die Familien nach Belgien gebracht werden können. Er möchte deshalb möglichst bald mit Außenminister Prévot sprechen und sucht auch den Kontakt zu mehreren politischen Parteien, darunter Groen, Vooruit und Les Engagés.

Hintergrund ist ein seit Wochen andauernder Streit innerhalb der Föderalregierung über Evakuierungen aus Gaza.

Prévot hatte sich dafür eingesetzt, zunächst 320 Palästinenser aus dem Gazastreifen zu holen, die die Voraussetzungen für eine Familienzusammenführung erfüllen. Eine entsprechende Vereinbarung mit Asyl- und Migrationsministerin Anneleen Van Bossuyt (N-VA) kam jedoch nicht zustande.

Der Streit betraf auch 13 palästinensische Studenten, die trotz gültiger Studienvisa nicht aus Gaza nach Belgien gebracht werden konnten. N-VA und MR hatten sich dagegen ausgesprochen. Mitte Oktober kritisierte Prévot die Blockade durch den Koalitionspartner MR scharf.

Der Außenminister hatte damals zudem klargestellt, dass entgegen anderslautenden Angaben nicht 1.800 Menschen im Gazastreifen tatsächlich die Voraussetzungen für eine Familienzusammenführung mit Angehörigen in Belgien erfüllten.

Ministerium prüft Treffen mit Familien

In einer Reaktion auf das Unwetter zeigte Prévot Verständnis für die Betroffenen. Die jüngsten Überschwemmungen hätten ihre ohnehin schwierige Lage weiter verschärft. Es sei nachvollziehbar, dass die Familien ihre Angehörigen möglichst schnell in Sicherheit bringen wollten.

Zugleich bedauerte der Minister, dass innerhalb der Föderalregierung weiterhin keine Einigung erzielt worden sei. Man wolle den Familien gegenüber offen kommunizieren und keine falschen Hoffnungen wecken.

Sein Kabinett prüfe derzeit, ob in Kürze eine Delegation der Angehörigen empfangen werden könne, um deren Sorgen anzuhören und über den aktuellen Stand zu informieren.

Unabhängig von der politischen Blockade unterstütze Belgien die Bevölkerung im Gazastreifen weiterhin durch humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, betonte Prévot.

Zu den geplanten Maßnahmen gehört auch die Bereitstellung von vier Millionen Euro für ein Projekt mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das die medizinische Evakuierung kranker Kinder nach Jordanien ermöglichen soll. (belga/rt)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment