Papst erstmals wieder zurück in Südamerika

<p>Papst Leo XIV. trifft am zweiten Tag seiner zwölftägigen Apostolischen Reise nach Südamerika im Parque París Londres ein, um dort die Messe zu leiten.</p>
Papst Leo XIV. trifft am zweiten Tag seiner zwölftägigen Apostolischen Reise nach Südamerika im Parque París Londres ein, um dort die Messe zu leiten. | Foto: Andrew Medichini/AP/dpa

Papst Leo XIV. ist erstmals wieder zurück in Südamerika, wo er vor seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche zwei Jahrzehnte seines Lebens verbrachte. Zum Auftakt einer zwölftägigen Reise wurde er in Uruguay von mehreren Zehntausend Menschen bejubelt. Bei der ersten großen Messe in der Stadt Paysandu rief er dazu auf, den Glauben an künftige Generationen weiterzugeben.

Nur dreieinhalb Wochen nach seiner Krebs-OP waren dem 71-Jährigen keine gesundheitlichen Schwächen anzumerken. Die strapaziöse Anreise mit einem Flug von mehr als 13 Stunden überstand er offensichtlich gut. Weitere Stationen der Reise sind Argentinien und der Andenstaat Peru. Dort wirkte der gebürtige US-Amerikaner viele Jahre lang als Missionar und Bischof. Im Flugzeug äußerte er sich „sehr glücklich“ über die Rückkehr.

„Papst der beiden Amerikas“

Auf dem südamerikanischen Kontinent wird Leos Lebensweg aus seiner Heimatstadt Chicago über Peru bis schließlich nach Rom sehr genau verfolgt. Vielfach wird der Nachfolger des Argentiniers Franziskus als „Papst der beiden Amerikas“ bezeichnet. Mit Freude wird auch aufgenommen, dass er seine Reden und Predigten in Spanisch hält.

Bei seiner ersten Messe appellierte Leo an die offiziellen Angaben zufolge etwa 40.000 Teilnehmer, den Glauben mit „kreativem Mut“ weiterzuverbreiten. „Das ist unser aller Berufung: Brücken zu bauen, Bindungen zu verstärken, zu vereinen und die Freude am Glauben weiterzugeben.“ In Südamerika bekennen sich nach Angaben des Vatikans mehr als 390 Millionen Menschen zum katholischen Glauben - deutlich mehr als in Europa. Weltweit gibt es 1,4 Milliarden Katholiken.

Kirche und Staat in Uruguay strikt getrennt

Im ersten Gastgeberland Uruguay sind Staat und Kirche allerdings seit mehr als einem Jahrhundert strikt voneinander getrennt. Dort heißt Weihnachten zum Beispiel „Tag der Familie“. Zum Auftakt lobte Leo das 3,5-Millionen-Einwohner-Land wegen vier Jahrzehnten „ununterbrochener Demokratie“ mit friedlichen Regierungswechseln als Modell für den gesamten Kontinent. Damit ist Uruguay in Südamerika eine Ausnahme.

Auch bei der Messe, für die er wieder ins Flugzeug steigen musste, wirkte der Papst gesund. Wegen seiner Krebserkrankung hatte es Zweifel gegeben, ob er die Reise überhaupt antreten kann. Erst Mitte Oktober war ihm ein Teil des rechten Lungenflügels mit einem bösartigen Tumor entfernt worden. Wenige Tage später gaben die Ärzte für die Reise grünes Licht. Nach deren Angaben ist der Papst nun wieder krebsfrei. Auf seinen Lieblingssport Tennis muss er noch verzichten.

Alles in allem mehr als 30.000 Flugkilometer

Auf dem langen Hinflug begrüßte Leo alle mehr als 80 mitreisenden Journalisten persönlich. Auf die Frage nach den Gründen für seine schnelle Erholung entgegnete er: „Der Glaube an Gott, gute Ärzte, gute Chirurgen und ein gesunder Lebensstil.“ In seiner Rede sagte er später: „Ich habe selbst die Grenzen erlebt, die einem durch Krankheit erwachsen und bin zutiefst dankbar für die erhaltene Hilfe. Das lässt mich an die vielen Frauen und Männer denken, denen die Mittel fehlen für eine frühzeitige Diagnose oder für die Behandlung, die sie brauchen.“

Im Flugzeug ging der Pontifex auch auf die Zwischenwahlen in den USA ein, die dem republikanischen Lager von Präsident Donald Trump eine schwere Niederlage brachten. Auf die Bitte um einen Kommentar entgegnete er: „Ich bin stolz darauf, Amerikaner zu sein und das Wahlrecht auszuüben.“ Leo hatte per Briefwahl seine Stimme abgegeben. Seit seiner Wahl kam es zwischen Trump und ihm mehrfach zu Kontroversen. Dies könnte ein Grund dafür sein, warum er nun zunächst in seine „zweite Heimat“ flog. Spekuliert wird über eine USA-Reise 2027.

Auch in Heimat von Vorgänger Franziskus

Am Sonntagabend wird Leo in Argentinien erwartet, der Heimat seines vergangenes Jahr an Ostern verstorbenen Vorgängers. Franziskus kehrte als Papst nie nach Argentinien zurück. Vermutet wird, dass er befürchtete, in die dortige Politik hineingezogen zu werden. Sowohl Argentinien als auch Peru werden heute von rechtspopulistischen Staatschefs regiert, Präsident Javier Milei und Präsidentin Keiko Fujimori, deren inzwischen verstorbener Vater früher selbst Präsident war. In seiner Zeit als Bischof hatte Leo ihn kritisiert.

Die Reise umfasst alles in allem mehr als 30.000 Flugkilometer. Leo will mehr als drei Dutzend Predigten und Reden in zehn verschiedenen Städten in unterschiedlichen Klima-, Zeit- und Höhenzonen halten. Dazu gehört auch ein Ausflug auf 3.700 Meter in die peruanischen Anden, was wegen der dünnen Höhenluft nach Leos Lungenoperation als heikel gilt.

Wieder Treffen mit Opfern sexuellen Missbrauchs

Nach Angaben des Vatikans will Leo in Südamerika auch Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche treffen. Details nannte die Kirche nicht. Solche Treffen gehören bei Auslandsreisen des Papstes inzwischen häufig dazu. In der Regel gibt es im Anschluss aber kaum offizielle Informationen über den Verlauf. Die hohe Zahl an Missbrauchsfällen und der Umgang damit haben in vielen Ländern zu einem massiven Ansehensverlust für die katholische Kirche geführt.

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