Löwen wird zum Labor für Bier ohne Alkohol

<p>Im AB-InBev-Forschungszentrum GITEC in Löwen entwickeln Fachleute unter anderem Hefen, die bei der Gärung weniger Alkohol bilden.</p>
Im AB-InBev-Forschungszentrum GITEC in Löwen entwickeln Fachleute unter anderem Hefen, die bei der Gärung weniger Alkohol bilden. | Archivfoto: Photo News

8,4 Prozent Alkohol hat das klassische Tripel Karmeliet, 0,4 Prozent seine alkoholfreie Variante. Beim Geruch und beim Geschmack sollen die Unterschiede deutlich kleiner ausfallen. „Wir wollen dem Original so nahe wie möglich kommen, damit die Verbraucher es wiedererkennen“, sagt Adrien Mahieu, der bei AB InBev das Europageschäft mitverantwortet. Entwickelt wurde die Variante in Löwen, wo der weltgrößte Braukonzern seine Forschung zu alkoholfreiem Bier bündelt.

Die Stella-Artois-Brauerei ist mit einer Kapazität von bis zu zehn Millionen Hektolitern die größte Europas. Derzeit nutzt sie 60 Prozent dieser Kapazität. Zwischen Löwener Ring, Dijle und Eisenbahntrasse kann das 15 Hektar große Gelände kaum wachsen. In die Höhe geht es dagegen schon, wie das neue vollautomatische Lager mit Platz für rund 9.000 Paletten zeigt. Gebraut werden in Löwen gut ein Dutzend Marken, darunter Stella Artois, Jupiler, Corona und Budweiser. Für alle vier wurden dort auch alkoholfreie Varianten entwickelt.

Eine Hefe, die weniger Alkohol produziert

Im Löwener Forschungszentrum GITEC beschäftigen sich knapp zehn Mitarbeiter ausschließlich mit Hefen. Eine speziell ausgewählte Hefe namens SmartYeast erzeugt bei der Gärung weniger Alkohol. So lässt sich Bier mit niedrigem Alkoholgehalt brauen, ohne ihm den Alkohol nachträglich entziehen zu müssen. Eine weitere in Löwen entwickelte Technik, „Simmer & Strip“, soll helfen, beim Brauen die Aromen zu bewahren. AB InBev bietet inzwischen acht alkoholfreie Biere an, vom Jupiler 0,0 bis zum Tripel Karmeliet.

In belgischen Supermärkten ist die verkaufte Menge alkoholfreier Biere nach den am Donnerstag veröffentlichten Konzernzahlen 2026 bislang um 25 Prozent gestiegen. Ihr Anteil am Bierabsatz der Supermärkte hat sich seit dem Jahr 2021 von 3,2 auf 6,7 Prozent mehr als verdoppelt. In den Niederlanden liegt er bei 12,6 Prozent. Weltweit setzte AB InBev mit alkoholfreien Bieren im dritten Quartal 35 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum.

Jupiler mit Apfel, Stella mit Erdbeere

Weiteres Wachstum verspricht sich der Konzern von Bieren mit 0,5 bis 3,5 Prozent Alkohol und von fruchtigen Sorten. Die im Frühjahr eingeführte Apfelvariante von Jupiler war rasch ausverkauft, und das Zitronenbier Flying Fish fand bei Festivalbesuchern Anklang. Für das Tennisturnier in Wimbledon legte AB InBev sogar ein Stella Artois mit Erdbeer-Sahne-Geschmack auf. Fruchtbiere dieser Art machen in unserem Land knapp sechs Prozent des Biermarkts aus. (belga/gz)

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