Nach der Krönung: „Herrscher“ Zverev hat noch „große Ziele“

<p>Alexander Zverev ist die neue Nummer eins der Welt.</p>
Alexander Zverev ist die neue Nummer eins der Welt. | Foto: belga

An die verdiente Auszeit auf den Malediven war für Alexander Zverev nach dem Sturm in den Tennis-Olymp noch nicht zu denken. Die Saison gehe schließlich weiter, „es ist nicht vorbei“, sagte der Hamburger nach der Erfüllung seines nächsten Karrieretraums, und sowieso: „Ich habe noch große Ziele vor mir.“ Seinen besonderen Abend in Wien verbrachte Zverev dementsprechend auch nicht bei einer feuchtfröhlichen Party – sondern mit Physiotherapie.

Dass er die Nummer eins der Welt werden würde, sei ja „eine Frage der Zeit gewesen“, sagte Zverev, „aber es ist natürlich besonders, dass es jetzt hier in Wien passiert ist.“ Seit seinem Achtelfinalerfolg am Donnerstag gegen den Niederländer Tallon Griekspoor steht fest, dass Zverev am Montag als zweiter Deutscher nach Boris Becker 1991 an die Spitze der Weltrangliste springen wird - nach einem Traumjahr mit den Grand-Slam-Titeln bei Roland Garros und den US Open ist das die logische Konsequenz. Und mit 29 Jahren die Krönung einer Karriere, die lange unvollendet war.

„Ich musste warten, aber manchmal muss man auf die besten Dinge im Leben warten“, sagte Zverev, der 24 Stunden nach dieser Krönung durch ein beeindruckendes 6:0, 6:2 gegen Arthur Fery, seinen britischen Halbfinale-Gegner aus Wimbledon, die Runde der letzten vier erreichte. 2026 habe er viele seiner „Träume erreicht“, betonte der Hamburger, „und jetzt die Nummer eins zu sein, ist natürlich die Kirsche auf der Torte.“

Neben der deutschen Sportwelt verneigte sich auch die internationale Presse vor dem Tokio-Olympiasieger. Die französische L'Equipe stellte fest, Zverev sei „der neue Herrscher des Tennis“. Die spanische El Mundo Deportivo schrieb von einer „magischen Saison“ und lobte Zverev als „unermüdlichen Arbeiter“.

Doch Zverev blieb auch in einem der größten Momente seiner Laufbahn ehrlich und gab sich keinen Illusionen hin.Er profitierte bei seinem Weg an die Spitze auch von den langwierigen Verletzungen seiner Hauptkonkurrenten Jannik Sinner (Italien) und Carlos Alcaraz (Spanien), die sich 2025 noch alle vier Grand-Slam-Titel untereinander aufgeteilt hatten.

„Ich wäre ein Idiot, hier zu sitzen und zu sagen, ich wäre so gut wie Jannik Sinner gewesen. Das war ich nicht“, sagte Zverev, der seine vergangenen zehn Duelle mit dem Südtiroler verloren hat. Aber: „Gesund und fit zu sein“, erklärte Zverev, sei „ein großer Teil dieses Sports“. Und körperlich konnte keiner mit dem 1,98 m großen Modellathleten mithalten.

Jetzt soll der Körper auch im Saisonendspurt noch vier Wochen halten, bevor es wie jedes Jahr in den Urlaub auf die Malediven geht. Bis dahin hat Zverev, der als 30. Spieler die 1973 eingeführte ATP-Weltrangliste anführen wird, noch viel vor.

Nach dem Turnier in Wien stehen noch das Hallenmasters in Paris, die prestigeträchtigen ATP Finals in Turin und natürlich der Davis Cup an. Bei den ATP-Turnieren will er weitere Punkte sammeln, um seine Spitzenposition lange abzusichern – Beckers insgesamt zwölfwöchige Regentschaft wird er sehr wahrscheinlich übertreffen.

Und in Bologna will er Ende November mit dem Team von Bundestrainer Michael Kohlmann erstmals seit 1993 wieder den Mannschaftswettbewerb für Deutschland gewinnen. Für Zverev wäre es der krönende Abschluss einer ohnehin historischen Saison. (sid/tf)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment