Babyboomer schaffen „neuen“ Raum

<p>Die „Freigabe“ eines Großteils an Immobilien der Babyboomer dürfte in den nächsten circa zwei Jahrzehnten den Immobilienmarkt zwar nicht fluten, aber dennoch teilweise neu ordnen.</p>
Die „Freigabe“ eines Großteils an Immobilien der Babyboomer dürfte in den nächsten circa zwei Jahrzehnten den Immobilienmarkt zwar nicht fluten, aber dennoch teilweise neu ordnen. | Fotos: shutterstock/fotalia/nemo.presse

Eine demografisch absehbare Entwicklung, aus der Experten eine mögliche Wende am Markt ableiten. Vor allem erwarten sie eine kontinuierliche Entspannung - und durch das behutsam steigende Angebot eine Konsolidierung des Preisgefüges.

Das (Reihen)haus ist groß geworden. Die Kinder sind längst ausgezogen, das ehemalige Kinderzimmer ist längst Abstellkammer, die Stapel lange nicht mehr geöffneter Kartons im Keller und auf dem Speicher werden höher, die Treppe fühlt sich mit jedem Jahr ein bisschen steiler an. Tausendfach stellt sich in Belgien (besonders im ländlichen Raum) aktuell dieselbe komplexe Frage: Bleiben oder veräußern? Energetisch nochmals nachrüsten oder eher nach einer passenderen kleineren Wohnung Ausschau halten? Vielleicht sogar ohne Garage, da je nach Standort ein eigenes Fahrzeug nicht mehr nötig ist?

Teils sehr persönliche Fragen, aus denen nach und nach auch volkswirtschaftliche Überlegungen erwachsen. Denn wenn eine ganze Generation ihr Wohneigentum neu ordnet, betrifft das den Markt. Immobilien von Babyboomern sind deshalb zum Schlagwort geworden. Nicht selten in Verbindung mit einer übertrieben dramatischen Prognose - dem so genannten „Silver Tsunami“, einer Welle frei werdender Objekte, die die Immobilienpreise ins Schleudern (oder schlimmer noch: ins Rutschen) bringen könnte. Nur… Wie realistisch ist ein solches Szenario?

Keinerlei Chance als Spekulationsobjekt

Fakt ist, dass Bewegung aufkommt. Ohne dass sich dabei aber ein richtungsweisender Preissturz abzeichnen sollte. Dennoch bleibt unverkennbar und unwidersprochen, wie stark die Babyboomer den Markt prägen. Und in den nächsten circa zwei Jahrzehnten ihr Eigentum neu „sortieren“, sprich: Verkauf, Umzug, Miete, Heim, Erbschaft, Schenkung… Was aber nicht automatisch bedeutet, dass tausende Häuser gleichzeitig zur Verfügung stehen.

In diesem Kontext klingt das oft bemühte Bild vom „Silver Tsumani“ (mit Blick auf die veränderte Haarfarbe dieser Generation) zumindest drastisch. Nein, eine plötzliche Überflutung ist nicht zu erwarten, eher eine lange, ruhige Welle. Schließlich verteilen sich die Babyboomer über einen längeren Zeitraum, weshalb sich auch der Übergang über circa zwei Jahrzehnten hinziehen dürfte.

Zudem ist für die meisten Babyboomer das eigene Haus kein Spekulationsobjekt. Es ist Zuhause, Vermögen und häufig ein wichtiger Teil der Altersvorsorge. Panik ist deshalb der falsche Ratgeber. Sinnvoller ist es, frühzeitig verschiedene Möglichkeiten durchzuspielen. Zumal vorrangig im ländlichen Raum ein steigendes Angebot nicht zwangsläufig auf ausreichend jüngere Käufer trifft.

Energetische Nachrüstung

Als Babyboomer gelten Menschen der geburtenstarken Jahrgänge, in Westeuropa durchweg gängig für den Zeitraum 1950 bis 1965, aufgewachsen in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs, steigenden Wohlstands und wachsender Bildungschancen. Eine Generation, die über Jahrzehnte den Arbeitsmarkt, die Wirtschaft und die Politik prägte. Wenn die Immobilien der Babyboomer infolge der demografischen Entwicklung nun nach und nach auf den Markt „drängen“, bleibt besonders ein Aspekt relevant - der Zustand des Objektes. Viele Einfamilienhäuser besagter Generation wurden in den siebziger und achtziger Jahren errichtet. Weshalb bei einem angestrebten Verkauf vorrangig die energetische Sanierung erheblichen Einfluss auf den erzielbaren Preis nehmen kann: Heizung, Dach, Fenster oder Dämmung. Heißt im Umkehrschluss: Ein bisher noch unsaniertes Haus aus der Mitte der siebziger Jahre lässt sich - ungeachtet von Lage, Grundstück und Größe - auf einem eh schwächelnden Markt schwieriger verkaufen als ein Anwesen, wo der heutige Eigentümer im Laufe der Zeit aus Eigenbedarf und Eigeninteresse manches nachgebessert hat. Was letztlich eine Wertsteigerung nach sich zieht.

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