Weniger Ryanair-Flüge ab Charleroi: Flughafen appelliert an die Politik

<p>Ryanair reduziert sein Flugangebot in Belgien deutlich: Allein am Flughafen Charleroi werden 13 Verbindungen gestrichen und sechs stationierte Flugzeuge abgezogen.</p>
Ryanair reduziert sein Flugangebot in Belgien deutlich: Allein am Flughafen Charleroi werden 13 Verbindungen gestrichen und sechs stationierte Flugzeuge abgezogen. | Foto: belga

Für Flugreisende in Belgien wird die Auswahl im kommenden Winter kleiner. Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair streicht insgesamt 20 Flugverbindungen ab dem Landesflughafen in Zaventem (Brussels Airport) und am Regionalflughafen Charleroi. Damit fallen nach Angaben des Unternehmens rund 1,1 Millionen angebotene Sitzplätze weg. Zudem werden sechs bislang in Belgien stationierte Flugzeuge abgezogen.

Mit den Kürzungen reagiert Ryanair auf die Erhöhung der belgischen Flugsteuer. Am Dienstag bestätigte das Unternehmen offiziell die bereits im Juli angekündigten Einschnitte für die Wintersaison. Besonders hart trifft die Entscheidung den Flughafen Charleroi, dessen Flugbetrieb in hohem Maße von Ryanair abhängt. Allein dort verschwinden 13 Flugziele aus dem Angebot.

Charleroi sieht sich vorbereitet

Trotz des erheblichen Rückgangs gibt sich die Betreibergesellschaft Brussels South Charleroi Airport zunächst gelassen. Die Kürzungen seien bereits seit mehreren Monaten bekannt und entsprechend in die Planungen für die bevorstehende Wintersaison eingeflossen.

Der Flughafen sei deshalb weiterhin vollständig betriebsbereit. Der Großteil des Streckennetzes bleibe erhalten, und die Mitarbeiter bereiteten sich auf den Start der Wintersaison am kommenden Wochenende vor.

Damit will BSCA deutlich machen, dass die angekündigten Streichungen den laufenden Flughafenbetrieb nicht grundsätzlich infrage stellen. Gleichzeitig warnt die Betreibergesellschaft jedoch davor, die langfristigen Folgen der Entwicklung zu unterschätzen.

Flughafen fordert mehr Planungssicherheit

Im Mittelpunkt der Kritik steht die mangelnde Vorhersehbarkeit der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Fluggesellschaften entscheiden bereits Monate im Voraus, an welchen europäischen Standorten sie ihre Maschinen stationieren und welche Strecken sie anbieten. Ausschlaggebend sind dabei unter anderem die jeweiligen Betriebsbedingungen und Kosten in den einzelnen Ländern. Ändern sich diese Bedingungen, kann das unmittelbare Auswirkungen auf die Entscheidungen der Airlines haben. Genau deshalb fordert der Flughafen Charleroi von den politischen Verantwortlichen eine langfristig verlässliche Flughafenpolitik.

Entscheidungen für Sommer 2027 stehen bevor

Besonders dringlich wird die Frage mit Blick auf die Sommersaison 2027. Nach Angaben von BSCA werden die Fluggesellschaften bereits in den kommenden Wochen darüber entscheiden, wie sie ihre Kapazitäten für diesen Zeitraum verteilen. Für die Politik bleibt damit nur wenig Zeit, um mögliche Maßnahmen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit auf den Weg zu bringen. „Den Behörden bleibt noch dieses Zeitfenster, um zu entscheiden, welche Bedingungen sie für die Wettbewerbsfähigkeit der Luftfahrtbranche schaffen wollen“, betont die Flughafengesellschaft. BSCA möchte damit verhindern, dass Belgien bei künftigen Standortentscheidungen der Fluggesellschaften weiter ins Hintertreffen gerät.

„Arbeitsplätze und wirtschaftliche Aktivitäten stehen auf dem Spiel“

Flughafenchef Christophe Segaert richtet deshalb einen ausdrücklichen Appell an die zuständigen Behörden. „Auf Grundlage der Fakten, über die jeder Flughafen des Landes verfügt, fordern wir die Behörden auf, an einer Flughafenpolitik zu arbeiten, die die Wettbewerbsfähigkeit der Branche in Belgien gewährleistet“, erklärt Segaert. Dabei gehe es nicht allein um Flugverbindungen, sondern auch um den wirtschaftlichen Beitrag der Flughäfen für das gesamte Land. Insbesondere die Beschäftigung und die damit verbundenen wirtschaftlichen Aktivitäten müssten bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden.

Wallonische Regierung erhöht den Druck

Unterstützung erhält der Flughafen von der wallonischen Regionalregierung. Diese fordert die Föderalregierung auf, angesichts der angekündigten Ryanair-Kürzungen Verantwortung zu übernehmen und die belgischen Flughäfen sowie die davon abhängigen Arbeitsplätze zu unterstützen. Die föderalen Verantwortlichen müssten sich der Tragweite der Herausforderungen bewusst werden, lautet der Appell aus Namur. (belga/calü)

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