Eine Wohnung bezahlen, die Heizung aufdrehen oder den Internetanschluss finanzieren: Was für viele Haushalte zum Alltag gehört, wird für manche Alleinerziehende in Brüssel zur finanziellen Belastungsprobe.
67.718 Einelternfamilien in der Region Brüssel-Hauptstadt sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht. Das geht aus Zahlen hervor, die das Brüsseler Institut für Statistik und Analyse (IBSA) am Mittwoch veröffentlicht hat.
Die Untersuchung zeigt zudem, dass Alleinerziehende in Brüssel unter deutlich schwierigeren sozioökonomischen Bedingungen leben als vergleichbare Familien in Flandern und der Wallonie.
Mehr als jede dritte Familie von Einkommensarmut bedroht
Besonders deutlich wird die schwierige Situation beim Einkommen. Das jährliche Medianeinkommen von Einelternfamilien in Brüssel liegt bei lediglich 20.684 Euro. Damit weisen sie das niedrigste mittlere Einkommen aller untersuchten Haushaltstypen in Belgien auf.
Mehr als 36 Prozent der Brüsseler Einelternfamilien gelten als einkommensarmutsgefährdet. Ihr Einkommen liegt unter 60 Prozent des nationalen Medianeinkommens – einer häufig verwendeten statistischen Grenze zur Bestimmung des Armutsrisikos.
Hinzu kommt die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt. Rund 40 Prozent der Einelternfamilien leben in Haushalten mit einer sehr niedrigen Erwerbsintensität. Das bedeutet, dass die erwerbsfähigen Haushaltsmitglieder im Verhältnis zu ihrem möglichen Arbeitspensum nur sehr wenig gearbeitet haben. Gerade für Alleinerziehende kann es schwierig sein, Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren.
Fast neun von zehn Alleinerziehenden sind Frauen
Die Zahlen machen deutlich, dass die finanziellen Schwierigkeiten von Einelternfamilien vor allem Frauen treffen. Fast neun von zehn Alleinerziehenden in Brüssel sind Mütter. Unter den alleinerziehenden Frauen verfügen 39 Prozent höchstens über einen Abschluss der unteren Sekundarstufe. 59 Prozent sind erwerbstätig, während 21 Prozent als arbeitslos gelten. Damit sind viele betroffene Familien nicht nur auf ein einziges Einkommen angewiesen, sondern haben zugleich mit erschwerten Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt zu kämpfen.
Wenn selbst Heizung und Internet zum Problem werden
Wie gravierend die finanziellen Schwierigkeiten sein können, zeigt ein weiterer Wert aus der Untersuchung. 14 Prozent der Brüsseler Einelternfamilien leben in einer Situation erheblicher materieller und sozialer Entbehrung. Sie können sich mindestens sieben von 13 als notwendig definierten Ausgaben nicht leisten. Dazu gehören beispielsweise Mietzahlungen, ausreichendes Heizen oder der Zugang zum Internet. Es geht damit nicht allein um den Verzicht auf Freizeitaktivitäten oder größere Anschaffungen, sondern teilweise um grundlegende Bedürfnisse des täglichen Lebens.
In Brüssel ist die Situation schwieriger als anderswo
Auch im Vergleich mit den beiden anderen belgischen Regionen schneiden Brüsseler Einelternfamilien schlechter ab. Sie verfügen im Durchschnitt über geringere finanzielle Mittel und sind seltener Eigentümer ihrer Wohnung oder ihres Hauses. Dadurch sind sie stärker auf den Mietwohnungsmarkt angewiesen. Zudem ist der Anteil der Alleinerziehenden, die außerhalb der Europäischen Union geboren wurden, in Brüssel höher als in Flandern und der Wallonie. (belga/calü)

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