Einmal abgeschlossen, jahrelang nicht mehr angerührt: Für viele Menschen gehören Strom-, Internet- oder Versicherungsverträge zu den Dingen, um die sie sich möglichst wenig kümmern möchten. Doch diese Bequemlichkeit kann teuer werden.
Hunderttausende Haushalte in Belgien zahlen mehr für ihre Energieversorgung und Telekommunikationsdienste, als eigentlich nötig wäre. Dabei könnte ein einfacher Tarifvergleich in vielen Fällen bereits erhebliche Einsparungen ermöglichen.
Das föderale Wirtschaftsministerium startet deshalb am Mittwoch gemeinsam mit der föderalen Energieregulierungsbehörde CREG, dem Telekommunikationsregulierer BIPT und der Finanzaufsichtsbehörde FSMA die Kampagne „Osez comparer“ – auf Deutsch etwa „Trauen Sie sich zu vergleichen“.
Die Botschaft ist einfach: Wer seine bestehenden Verträge regelmäßig überprüft und mit anderen Angeboten vergleicht, kann unter Umständen mehrere Hundert Euro im Jahr sparen.
700.000 Familien zahlen zu viel für Strom und Gas
Besonders groß ist das Sparpotenzial bei den Energiekosten. Nach den jüngsten Zahlen der Energieregulierungsbehörde CREG zahlen rund 700.000 belgische Familien durchschnittlich 700 Euro pro Jahr zu viel für Strom und Gas.
Das bedeutet: Viele Verbraucher könnten ihre jährliche Energierechnung deutlich reduzieren, wenn sie zu einem günstigeren Tarif oder einem anderen Anbieter wechseln würden. Doch genau das geschieht häufig nicht.
„Hunderttausende Haushalte zahlen zu viel für ihre Energie und ihre Telekommunikationsdienste“, erklärt das föderale Wirtschaftsministerium. Trotzdem blieben zahlreiche Verbraucher ihrem bisherigen Anbieter treu – selbst dann, wenn sich ein Wechsel finanziell lohnen würde.
Bis zu 600 Euro beim Internetanschluss sparen
Auch beim Internet kann sich ein Blick auf die monatliche Rechnung lohnen. Nach Berechnungen des belgischen Instituts für Postdienste und Telekommunikation (BIPT) kann ein durchschnittlicher Haushalt bei seinem Festnetz-Internetabonnement bis zu 600 Euro im Jahr sparen.
Die Behörden weisen darauf hin, dass sich Angebote und Preise im Laufe der Zeit verändern. Ein Vertrag, der bei seinem Abschluss noch günstig war, muss deshalb heute längst nicht mehr die beste Wahl sein.
Dennoch scheinen viele Kunden selbst bei Preiserhöhungen oder Änderungen ihres Abonnements kaum über einen Anbieterwechsel nachzudenken.
Selbst nach Preiserhöhungen wechseln nur wenige
Wie gering die Wechselbereitschaft tatsächlich ist, zeigt eine Untersuchung des BIPT zu den Preisen für Mobilfunkdienste. Demnach glauben zwölf Prozent der Befragten, dass ihr Anbieter im vergangenen Jahr eigenständig Änderungen am Inhalt ihres Mobilfunkvertrags vorgenommen hat. Weitere 19 Prozent gehen davon aus, dass der Preis ihres Abonnements innerhalb dieses Zeitraums gestiegen ist.
Die Reaktion darauf fällt allerdings bemerkenswert verhalten aus. Von den Befragten, die Änderungen an ihrem Vertrag vermuteten, wechselten lediglich zwei Prozent den Anbieter. Unter denjenigen, die von einer Preiserhöhung ausgingen, war es sogar nur ein Prozent.
Für die Behörden ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass viele Verbraucher mögliche Einsparungen ungenutzt lassen.
Auch Versicherungen regelmäßig überprüfen
Die neue Kampagne beschränkt sich nicht auf Energie- und Telekommunikationsverträge. Auch Versicherungen sollten nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums regelmäßig überprüft werden.
Denn im Laufe der Jahre können sich die Lebensumstände erheblich verändern – etwa durch einen Umzug, eine Heirat, die Geburt eines Kindes oder andere Veränderungen innerhalb der Familie. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass ältere Versicherungsverträge nicht mehr zu den tatsächlichen Bedürfnissen eines Haushalts passen. (belga/calü)

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