Mehr als 2.000 Menschen versammelten sich am Donnerstag an der Al-Amal-Moschee in Anderlecht. Familienangehörige, Freunde, Kollegen und zahlreiche Anwohner wollten dem getöteten Beamten die letzte Ehre erweisen. Die Moschee war bis auf den letzten Platz gefüllt, viele Trauergäste mussten das Totengebet außerhalb des Gebäudes verfolgen.
Anschließend setzte sich ein langer Trauerzug zum Friedhof von Anderlecht in Bewegung. Neben mehreren Polizeifahrzeugen begleiteten Dutzende Motorradfahrer den Verstorbenen auf seinem letzten Weg – eine besondere Hommage an den leidenschaftlichen Motorradfahrer.
Staatsanwaltschaft warnt vor Spekulationen
Nordine El Talbi gehörte der Anti-Aggressions-Brigade (BAA) der Polizeizone Brüssel-Hauptstadt/Ixelles an. In der Nacht auf Dienstag war er in der Avenue Carton de Wiart in Jette im Einsatz. Dort war ein Fahrzeug entdeckt worden, das am Montagabend bei einem mutmaßlichen Carjacking in Tubize gestohlen worden war. Während der Erkundung der Situation wurde der Polizist erschossen.
Die genauen Hintergründe sind weiterhin unklar. Die Brüsseler Staatsanwaltschaft widersprach am Donnerstag mehreren Medienberichten und warnte davor, dass unbestätigte Informationen die Ermittlungen gefährden könnten.
Insbesondere nahm sie die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ ins Visier. Diese hatte über die Festnahme von drei Brüdern und einen möglichen Zusammenhang mit einem Drogengeschäft berichtet. Die Staatsanwaltschaft betonte, dass die verbreiteten Hypothesen nicht auf offiziellen Angaben beruhten. Vor allem Informationen zum Tathergang und zur Zahl der festgenommenen Verdächtigen seien teilweise falsch.
Polizeieinheit mit bewegter Geschichte
Der Tod des 41-Jährigen trifft eine Spezialeinheit, deren Geschichte eng mit gefährlichen Polizeieinsätzen verbunden ist. Die 1965 gegründete Anti-Aggressions-Brigade zählt heute rund 80 Mitglieder und ist rund um die Uhr im Einsatz. Jährlich nimmt sie etwa 1.000 Personen fest, knapp 60 Prozent davon auf frischer Tat.
Die Gründung der Brigade geht selbst auf tödliche Angriffe gegen Polizisten zurück. Im Dezember 1965 wurde ein Beamter nach einem Raubüberfall im Brüsseler Stadtzentrum erschossen. Wenige Monate später starb ein weiterer Polizist, als er ein gestohlenes Fahrzeug überwachte. Die Fälle führten zu einer grundlegenden Modernisierung der Polizeiarbeit.
Seit 2024 trägt die Brigade den Leitspruch „Virtus – Honor – Fides“ – „Stärke – Ehre – Treue“. Dahinter steht ein zentraler Gedanke: die Bevölkerung zu schützen und dafür zu sorgen, dass jeder Polizist nach seinem Einsatz gesund nach Hause zurückkehrt.
Für Nordine El Talbi ging dieser Wunsch nicht in Erfüllung. Am Freitag wird dem getöteten Polizisten bei einer offiziellen Gedenkzeremonie im Brüsseler Jubelpark die letzte Ehre erwiesen. Erwartet werden neben Innenminister Bernard Quintin und den 19 Brüsseler Bürgermeistern auch zahlreiche Polizeidelegationen aus dem In- und Ausland. (belga/calü)

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