GSK gehört zu den größten privaten Arbeitgebern der Wallonie. Rund 8.500 Menschen beschäftigt der britische Pharmakonzern an seinen Standorten in Wavre und Rixensart in der Provinz Wallonisch-Brabant sowie in Gembloux in der Provinz Namur.
Nun will das Unternehmen seine belgische Organisation neu aufstellen. Nach den bislang vorgelegten Plänen könnten bis 2028 insgesamt 482 unbefristet beschäftigte Angestellte sowie 735 Führungskräfte mit unbefristetem Vertrag ihre Stelle verlieren. Arbeiter mit unbefristeten Verträgen sollen hingegen nicht betroffen sein.
Als Grund für die Umstrukturierung nennt die Unternehmensleitung eine strategische Neuausrichtung. Finanzielle und personelle Ressourcen sollen künftig stärker auf jene Medikamente und Impfstoffe konzentriert werden, denen GSK die größten Erfolgsaussichten einräumt. Gleichzeitig will der Konzern seine Organisationsstrukturen vereinfachen.
Größter angekündigter Stellenabbau seit Cora
Die Dimension der Pläne ist beträchtlich: Laut Zahlen des föderalen Arbeitsministeriums handelt es sich um die mit Abstand größte Ankündigung eines möglichen kollektiven Stellenabbaus in Belgien in diesem Jahr.
Andere größere Fälle betrafen Nike in Laakdal mit 736 bedrohten Stellen, UPS Belgium in Machelen mit 525 und H&M Logistics in Mons mit 440 Arbeitsplätzen.
Eine Ankündigung dieser Größenordnung gab es zuletzt im April 2025, als die Supermarktkette Cora die Schließung ihrer sieben Hypermärkte bekannt gab. Damals standen 1.777 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
In die zehn größten angekündigten kollektiven Entlassungen seit 2010 reiht sich GSK allerdings nicht ein. An der Spitze dieser Statistik steht weiterhin die Schließung des Ford-Werks in Genk im Jahr 2012, bei der 4.264 Arbeitsplätze betroffen waren. Es folgen unter anderem Carrefour mit 3.363 bedrohten Stellen im Jahr 2010 und Audi Brussels mit 2.920 im Jahr 2024.
GSK verspricht weitere Investitionen in Belgien
Trotz des geplanten Stellenabbaus betont das Unternehmen die Bedeutung seiner belgischen Standorte. GSK werde auch nach der Umstrukturierung der größte biopharmazeutische Arbeitgeber des Landes bleiben, heißt es in einer Mitteilung.
Forschung, Produktion und unterstützende Unternehmensbereiche sollen weiterhin in Belgien vertreten sein. Zudem verweist GSK auf jährliche Investitionen von 300 Millionen Euro in seine belgischen Standorte.
Auch innerhalb des internationalen Konzerns soll Belgien eine Schlüsselrolle behalten: Mehr als die Hälfte der weltweiten Impfstoffproduktion von GSK entfällt nach Unternehmensangaben auf die belgischen Aktivitäten.
Gewerkschaft kritisiert Pläne scharf
Mit der Ankündigung beginnt nun das Informations- und Konsultationsverfahren nach der sogenannten Renault-Prozedur. In den kommenden Wochen werden Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter über die Pläne beraten.
GSK versichert, diesen sozialen Dialog mit Ernsthaftigkeit, Respekt und Transparenz führen zu wollen. Gemeinsam mit den Personalvertretern sollen Möglichkeiten geprüft werden, um Entlassungen zu vermeiden oder zumindest zu begrenzen. Für möglicherweise betroffene Beschäftigte stellt das Unternehmen zudem soziale Begleitmaßnahmen in Aussicht.
Bei der sozialistischen Gewerkschaft FGTB stößt die Ankündigung allerdings auf deutliche Ablehnung. Es sei „inakzeptabel, dass Beschäftigung als bloße Anpassungsvariable im Dienste der Rentabilität eines multinationalen Konzerns betrachtet wird“, kritisiert die Gewerkschaft.
Sie fordert von der Unternehmensleitung vollständige Transparenz über die wirtschaftlichen und strategischen Beweggründe der Umstrukturierung. Gleichzeitig müssten Alternativen geprüft werden, um möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.
Die Gewerkschaft kündigte an, eigene Vorschläge vorzulegen, mit denen die Auswirkungen auf die Beschäftigten so weit wie möglich begrenzt werden könnten.
Für die Mitarbeiter dürfte die Ankündigung zunächst viele Fragen aufwerfen. Um die Belegschaft genauer über die geplanten Veränderungen zu informieren, sind am Mittwoch zwei Personalversammlungen vorgesehen. (belga/calü)

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