Der tödliche Einsatz hatte demnach seinen Ausgangspunkt in einem gewaltsamen Autodiebstahl in der Provinz Wallonisch-Brabant. Gegen 23.10 Uhr meldete sich ein Einwohner von Anderlecht bei der zuständigen Polizeizone. Nach seinen Angaben war er von drei oder vier Personen überfallen worden, die ihm sein Fahrzeug mit Gewalt entwendet hatten.
Die Polizei leitete umgehend eine Fahndung ein. Das Kennzeichen des gestohlenen Wagens wurde zur Suche ausgeschrieben. Mithilfe automatischer Kennzeichenerkennungskameras (ANPR) und des Ortungssystems des Fahrzeugs konnten die Ermittler dessen Weg zunächst auf dem Brüsseler Ring und anschließend in der Hauptstadt verfolgen.
Polizist kehrte von Erkundung nicht zurück
Schließlich wurde das Fahrzeug in einer Straße in Jette entdeckt. Mehrere Polizeistreifen waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf der Suche nach dem Wagen. Zwei Teams der Anti-Überfall-Brigade (AOB) bezogen verdeckt Stellung in der Umgebung.

Einer der Beamten sollte sich in Zivilkleidung dem gestohlenen Fahrzeug nähern und die Situation erkunden. Laut Julien Moinil handelte es sich dabei um ein übliches Vorgehen bei derartigen Einsätzen. Doch der Polizist kehrte nicht zurück. „Als die Beamten ihren Kollegen nach einigen Minuten nicht zurückkommen sahen, gingen sie nachsehen“, erklärte der Prokurator des Königs auf der Pressekonferenz. Auf der Avenue Carton de Wiart fanden sie ihren Kollegen mit einer Schussverletzung am Kopf. Der Beamte erlag kurz darauf seinen Verletzungen.
Drei Schusswaffen und Drogen entdeckt
Die Brüsseler Staatsanwaltschaft leitete unmittelbar eine gerichtliche Untersuchung ein. Neben einem Untersuchungsrichter wurden auch ein Ballistikexperte und das Labor der föderalen Polizei zum Tatort gerufen.
Inzwischen wurden mehrere Verdächtige festgenommen und mehrere Hausdurchsuchungen durchgeführt. Kurz nach der Tat entdeckten die Ermittler drei Schusswaffen in unmittelbarer Nähe des Tatorts in Jette. Im gestohlenen Fahrzeug fanden sie zudem eine beträchtliche Menge Drogen.
Weitere Einzelheiten zu den Festgenommenen und den gesicherten Beweismitteln will die Staatsanwaltschaft vorerst nicht veröffentlichen. „Die Gefahr von Absprachen und der Beseitigung von Beweismitteln ist sehr groß. Ich möchte die Ermittlungen nicht gefährden“, erklärte Moinil den Medienvertretern.
Die Justiz ermittelt wegen Mordes an einem Polizeibeamten. Auf diese Straftat steht laut Moinil eine lebenslange Freiheitsstrafe. In Absprache mit der Staatsanwaltschaft von Wallonisch-Brabant übernimmt die Brüsseler Justiz auch die Ermittlungen zum ursprünglichen Autoraub.
Hintergrund: Gedenkfeier für getöteten Polizisten am Freitag
Für den bei dem Einsatz in Jette getöteten Polizisten ist am Freitag um 11 Uhr eine Gedenkfeier geplant. Sie soll voraussichtlich im Brüsseler Jubelpark stattfinden. Das kündigte Michel Goovaerts, Polizeichef der Zone Brüssel-Hauptstadt/Ixelles, am Dienstag am Rande der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft an.
Das Opfer war 2009 als Inspektor in den Polizeidienst eingetreten. 2019 wechselte es zur Anti-Aggressions-Brigade (BAA) und erfüllte sich damit nach Angaben seines Vorgesetzten einen persönlichen Traum.
Goovaerts sprach von „dem Anruf, den kein Polizeichef jemals erhalten möchte“. Zwar wüssten Polizisten um die Gefahren ihres Berufs, doch die tatsächliche Konfrontation mit einem solchen Verlust sei besonders schwer. Er sprach der Familie im Namen der gesamten Polizeizone sein Beileid aus.
Auch Julien Moinil, der das Opfer persönlich gekannt hatte, würdigte den getöteten Beamten als motivierten und engagierten Polizisten. Zugleich bekräftigte er seine Unterstützung für die Polizeikräfte. (belga/calü)

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