Die Zahlen zeigen zunächst eine erfreuliche Entwicklung: Innerhalb von sechs Jahren ist die Recyclingquote für Kunststoffe in Belgien um 60 Prozent gestiegen. Mittlerweile werden 41,3 Prozent der Kunststoffabfälle recycelt. Damit liegt Belgien europaweit auf Platz zwei, knapp hinter Spanien.
Auch bei der Herstellung von Polymeren, den Grundstoffen vieler Kunststoffprodukte, nimmt Belgien eine wichtige Stellung ein. Hier liegt das Land europaweit hinter Deutschland auf Rang zwei. Bei der Weiterverarbeitung von Kunststoffen belegt es Platz sieben.
Recyclingziele für 2030 bereits erreicht
Besonders bemerkenswert: Die europäischen Recyclingziele für 2030 bei Kunststoffverpackungen und Baumaterialien hat Belgien laut dem Bericht bereits erreicht. Zudem landen weniger als zwei Prozent der Kunststoffabfälle auf Deponien. Im EU-Durchschnitt sind es dagegen 21,5 Prozent.
Doch die Fortschritte beim Recycling können die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Branche nicht verdecken. Besonders stark ist die Produktion von Kunststoffen für die Automobilindustrie eingebrochen. Hier verzeichnet der Bericht seit 2018 ein Minus von 28 Prozent. Bei Verpackungen beträgt der Rückgang 17 Prozent.
Gleichzeitig nimmt der Importdruck zu. Die Einfuhren von Polymeren sind um 41 Prozent gestiegen, jene von Kunststoffprodukten sogar um 87 Prozent. Insbesondere asiatische Anbieter verschärfen nach Einschätzung der Verbände den Wettbewerb.
Branche fordert bessere Rahmenbedingungen
Für Belgien steht wirtschaftlich einiges auf dem Spiel. Die Kunststoffindustrie beschäftigt mehr als 30.000 Menschen und erwirtschaftet eine Wertschöpfung von rund 4,9 Milliarden Euro.
Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, fordern die drei Branchenverbände günstigere gesetzliche Rahmenbedingungen und zusätzliche Investitionen in moderne Recyclingtechnologien. Dabei geht es unter anderem um mechanische, physikalische und chemische Verfahren, mit denen sich künftig mehr Kunststoffabfälle wiederverwerten lassen sollen.
Denn trotz der gestiegenen Recyclingquote werden derzeit noch 57 Prozent der Kunststoffabfälle energetisch verwertet – also zur Energiegewinnung genutzt, wobei Wärme zurückgewonnen wird.
Die Verbände setzen sich deshalb auch für einen einheitlichen europäischen Markt für Kunststoffabfälle ein. Dieser soll die Wiederverwertung erleichtern und der belgischen Industrie helfen, ihre Stellung im europäischen Wettbewerb zu behaupten. (belga/calü)

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