Im Mittelpunkt stehen Branchen, für die beim Transport jede Stunde zählt. Dazu gehören beispielsweise medizinische Labore, Pharmaunternehmen und Hersteller industrieller Ersatzteile. Sie sind darauf angewiesen, dass dringende Sendungen auch spätabends oder nachts noch auf den Weg gebracht werden können.
Nach Einschätzung der Forscher könnte eine Einschränkung der Nachtflüge dazu führen, dass Belgien für solche Unternehmen langfristig an Attraktivität verliert. Dabei gehe es weniger darum, ob eine Lieferung überhaupt ankomme, sondern vielmehr darum, wann sie ihr Ziel erreiche und wie zuverlässig die Transportwege seien.
DHL als wichtiger Wirtschaftsfaktor
DHL gehört zu den größten Unternehmen am Frachtstandort Brucargo des Brussels Airports und wickelt einen erheblichen Teil seiner Transporte in den Abend- und Nachtstunden ab.
Der Studie zufolge beschäftigte das Unternehmen dort im vergangenen Jahr 2.083 Mitarbeiter, was umgerechnet 1.876 Vollzeitstellen entspricht. Die direkte wirtschaftliche Wertschöpfung belief sich auf 315,5 Millionen Euro.
Werden auch indirekte Auswirkungen berücksichtigt, etwa Arbeitsplätze bei Zulieferern und anderen Unternehmen, beziffern die Forscher den wirtschaftlichen Effekt auf insgesamt 5.580 Vollzeitstellen und eine Wertschöpfung von 774 Millionen Euro.
Die Bedeutung der Nachtflüge gehe allerdings weit über DHL selbst hinaus. Zahlreiche belgische Unternehmen hätten ihre Abläufe auf die späten Transportmöglichkeiten abgestimmt. Würden diese wegfallen, müssten sie ihre Lieferketten entsprechend anpassen.
Streit um neue Flughafengenehmigung
Die Veröffentlichung der Studie fällt mitten in die anhaltende Diskussion über die Betriebsgenehmigung des Brussels Airport. Im März 2025 hatte die flämische Regionalregierung eine neue Genehmigung erteilt. Diese wurde jedoch zwei Monate später vom zuständigen Gericht für Genehmigungsstreitigkeiten aufgehoben. Bis Mitte 2029 hat die Regierung nun Zeit, eine neue Genehmigung auszuarbeiten. Dabei spielen insbesondere die Auswirkungen des Flugbetriebs auf Umwelt und Anwohner eine wichtige Rolle.
Auch die Autoren der Studie betonen, dass Lärmbelästigung und Umweltbelastungen berücksichtigt werden müssten. Gleichzeitig warnen sie davor, die wirtschaftliche Bedeutung der Nachtflüge zu unterschätzen.
Die Gefahr bestehe nicht unbedingt darin, dass Unternehmen ihre Aktivitäten von heute auf morgen verlagerten. Vielmehr könnte Belgien schrittweise an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wenn zeitkritische Lieferungen zunehmend schwieriger würden.
Die Forscher sprechen sich deshalb für einen ausgewogenen politischen Rahmen aus, der sowohl den Schutz der Anwohner als auch die wirtschaftlichen Interessen berücksichtigt. (belga/calü)

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