Burn-out-Risiko in Belgien: Fast jeder dritte Arbeitnehmer in der Gefahrenzone

<p>Fast jeder dritte Arbeitnehmer in Belgien weist laut einer neuen Studie ein erhöhtes oder sehr hohes Burn-out-Risiko auf.</p>
Fast jeder dritte Arbeitnehmer in Belgien weist laut einer neuen Studie ein erhöhtes oder sehr hohes Burn-out-Risiko auf. | Foto: picture alliance/dpa

Landesweit befinden sich demnach 31 Prozent der Arbeitnehmer in der Risikozone. Bei 17 Prozent stellten die Forscher ein erhöhtes, bei weiteren 14 Prozent ein sehr hohes Burn-out-Risiko fest. Ermittelt wurden die Werte mithilfe des sogenannten Burn-out Assessment Tool, eines Fragebogens, der typische Burn-out-Symptome erfasst und daraus das Risiko ableitet.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. In Brüssel fallen 44 Prozent der Beschäftigten in die Risikogruppe, in der Wallonie sind es 36 Prozent. Flandern liegt mit 28 Prozent darunter.

Auch das Alter spielt eine Rolle. Bei den 35- bis 49-Jährigen beträgt der Anteil der Beschäftigten mit erhöhtem oder sehr hohem Risiko 36 Prozent. Sowohl bei den unter 35-Jährigen als auch bei den über 50-Jährigen sind es jeweils 29 Prozent. Überdurchschnittlich betroffen sind zudem Beschäftigte mit mittlerem Bildungsabschluss: Bei ihnen liegt der Anteil bei 35 Prozent. Signifikante Unterschiede zwischen Männern und Frauen oder abhängig vom Beschäftigtenstatus stellten die Forscher dagegen nicht fest.

Beschäftigte bewerten ihr Wohlbefinden dennoch relativ positiv

Auffällig ist, dass diese Ergebnisse teilweise im Gegensatz zur Selbsteinschätzung der Beschäftigten stehen. Ihr allgemeines psychisches Wohlbefinden am Arbeitsplatz bewerten sie im Durchschnitt mit 6,9 von zehn Punkten. Am besten schneidet mit 7,39 Punkten die wahrgenommene Sinnhaftigkeit der Arbeit ab. Das emotionale Befinden während der Arbeit erhält dagegen lediglich 6,54 Punkte. Die allgemeine Arbeitszufriedenheit liegt bei 6,99 Punkten.

Auch hier schneidet Flandern besser ab. Flämische Beschäftigte bewerten ihr psychisches Wohlbefinden durchschnittlich mit 7,09 von zehn Punkten. In der Wallonie sind es 6,61, in Brüssel 6,53 Punkte. Nach Angaben der Forscher ist dies bei der allgemeinen Bewertung des Wohlbefindens der einzige statistisch signifikante Unterschied innerhalb der untersuchten Merkmale.

Die Studie zeigt zugleich, welche Belastungen viele Beschäftigte im Arbeitsalltag wahrnehmen. Zwei Drittel – 65 Prozent – empfinden ihre Arbeit als kognitiv anspruchsvoll. 58 Prozent berichten von viel Bürokratie und 53 Prozent von einer hohen administrativen Belastung. Jeder Zweite bezeichnet zudem die allgemeine Arbeitsbelastung als hoch.

Nur vier von zehn sehen Prävention beim Arbeitgeber

Deutlich geringer fällt der Anteil der Beschäftigten aus, die bei ihrem Arbeitgeber konkrete Maßnahmen für die psychische Gesundheit wahrnehmen. Nur 41 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen Anstrengungen unternimmt, um psychischen Problemen vorzubeugen.

Lediglich 34 Prozent sehen Unterstützung für Beschäftigte, denen ein längerer Ausfall droht. Bei der Begleitung nach einer Rückkehr an den Arbeitsplatz sind es 37 Prozent. Ein beträchtlicher Teil der Befragten weiß zudem überhaupt nicht, ob entsprechende Angebote beim eigenen Arbeitgeber bestehen.

Die Untersuchung wurde von UGent@Work im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung der belgischen Helios Foundation durchgeführt. Die Stiftung unterstützt Projekte rund um das psychische Wohlbefinden am Arbeitsplatz. (belga/calü)

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