Das „Pack Nouveau Départ“ (Neustartpaket) richtet sich an Opfer geschlechtsbasierter und intrafamiliärer Gewalt. Vorgesehen sind Maßnahmen in den Bereichen Sicherheit, finanzielle Unterstützung, rechtliche und psychologische Begleitung, sozioökonomische Hilfen und Wohnen. Ziel ist es, Frauen und ihre Kinder beim Verlassen einer Gewaltbeziehung besser zu unterstützen.
Neu ist die Idee nicht. Vie Féminine, das wallonische Pendant und Partnernetzwerk der Frauenliga, setzt sich bereits seit Jahren mit der Kampagne „Partir pour ne pas y rester“ für einen umfassenden Unterstützungsrahmen für Betroffene ein. Bereits 2024 wurden konkrete Schritte zur Umsetzung des Pakets in der Interministeriellen Konferenz Frauenrechte politisch vereinbart. Dass nun konkrete Maßnahmen ausgearbeitet werden, zeigt nach Ansicht von Frauenliga und Ministerin, dass das Engagement der Zivilgesellschaft Veränderungen bewirken kann.
Seit Ende Januar führen Sozialministerin Lydia Klinkenberg und ihr wallonischer Amtskollege Yves Coppieters gemeinsam den Vorsitz der Interministeriellen Konferenz Frauenrechte. Ende Januar hatte die Konferenz beschlossen, das Neustartpaket zum Schwerpunkt ihrer Arbeiten zu machen.
Am Donnerstag sollte eine strategische Note der Interministeriellen Konferenz Frauenrechte verabschiedet werden. Sie basiert auf Beiträgen von Frauenrechtsorganisationen, Opferhilfeeinrichtungen und weiteren Akteuren aus allen Landesteilen. Auch die Frauenliga und die Prisma VoG haben sich aktiv in diesen Prozess eingebracht. „Es war mir wichtig, dass die Erfahrungen und Forderungen der Organisationen, die tagtäglich mit Betroffenen arbeiten, in die weiteren Arbeiten einfließen.“, betont Klinkenberg.
Wer aus einer Gewaltbeziehung flieht, benötige oft gleichzeitig Schutz, eine Unterkunft, finanzielle Sicherheit, rechtliche Beratung sowie Unterstützung im Kontakt mit Behörden und Gesundheitsdiensten. Für die Frauenliga sei deshalb zentral, dass Frauen nicht zwischen verschiedenen Zuständigkeiten verloren gehen. Frauenliga und Ministerin „begrüßen daher ausdrücklich“, dass die Einrichtung zentraler Anlaufstellen für Opfer geschlechtsbasierter Gewalt als übergreifendes Element des Neustartpakets weiterverfolgt wird. Solche Anlaufstellen sollen Betroffenen einen unkomplizierten Zugang zu Informationen und Beratung sowie bei Bedarf zu spezialisierten Unterstützungsangeboten ermöglichen.
Auch in der DG besteht weiterhin Handlungsbedarf. Das von Prisma geführte Frauenhaus in Eupen leiste seit Jahrzehnten Arbeit für von Gewalt betroffene Frauen, stößt nach Angaben der Ministerin jedoch an seine Grenzen. Zur Deckung des wachsenden Bedarfs und mit Blick auf das Neustartpaket stellt Klinkenberg Prisma für 2026 zusätzliche Mittel in Höhe von 20.000 Euro bereit. Dabei handelt es sich laut Pressemitteilung um eine „deutliche Aufwertung der Mittel im Vergleich zum Vorjahr“. Gleichzeitig baue die Frauenliga ihr Beratungsangebot mit der zentralen Anlaufstelle weiter aus und schaffe damit zusätzliche niederschwellige Zugänge für Frauen in der DG.
Wie notwendig die Bemühungen bleiben, zeigt nach Angaben der Mitteilung auch die Zahl der Femizide: 2025 wurden in Belgien mindestens 27 Fälle dokumentiert. Hinter diesen Zahlen stünden Frauen, Kinder und Familien. Frauen, die Gewalt erleben, benötigen nach Auffassung von Frauenliga und Ministerin neben Solidarität und Aufmerksamkeit vor allem konkrete Unterstützung, wenn sie den Schritt in ein selbstbestimmtes und sicheres Leben wagen.
Die Frauenliga weist zugleich darauf hin, dass Frauenhäuser und Schutzangebote vielerorts unter erheblichem finanziellem und personellem Druck stehen. Neben dem unmittelbaren Schutz brauche es deshalb ausreichende Mittel für Prävention und die Begleitung der Betroffenen. Die DG setze bei der Bekämpfung geschlechtsbasierter Gewalt zudem auf regelmäßige Fortbildungen für Fachkräfte aus Sozialarbeit, Gesundheit und Justiz. Damit soll sichergestellt werden, dass Betroffene überall in Ostbelgien kompetente Unterstützung erhalten.
Auch die diesjährige Kampagne „Orange the World“, die in der DG von den Soroptimisten und der Frauenliga initiiert wird, wird von Klinkenberg als Schirmherrin unterstützt. Die Kampagne findet vom 25. November bis zum 10. Dezember statt und soll ein sichtbares Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen setzen.
Frauenliga und Ministerin sehen die Beschlüsse auf belgischer Ebene als wichtigen Schritt, drängen nun aber auf die konkrete Umsetzung: „Das Neustartpaket kann nur dann erfolgreich sein, wenn aus den politischen Vereinbarungen konkrete und dauerhaft finanzierte Maßnahmen entstehen. Jetzt kommt es darauf an, dass den Worten Taten folgen und aus dem ‚Pack Nouveau Départ‘ ein verlässliches und wirksames Unterstützungsangebot für Frauen in ganz Belgien wird“,lautet der abschließende Tenor. (red/nico)

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