Neue App soll Kultur in der Euregio sichtbarer machen

<p>Warum überqueren Menschen in der Euregio die Grenze ganz selbstverständlich zum Einkaufen, Tanken oder Arbeiten, aber deutlich seltener für eine Theaterdarbietung oder ein Konzert? Genau dort will die App C-US ansetzen.</p>
Warum überqueren Menschen in der Euregio die Grenze ganz selbstverständlich zum Einkaufen, Tanken oder Arbeiten, aber deutlich seltener für eine Theaterdarbietung oder ein Konzert? Genau dort will die App C-US ansetzen. | Foto: dpa

Organisiert wurde die Auftaktveranstaltung von Studio Europa Maastricht und der Stiftung Cultadvisor, mit Unterstützung der Stadsregio Parkstad Limburg und des Ondernemersfonds Heerlen.

Im Mittelpunkt stand eine Frage, die viele Akteure in der Region seit Jahren beschäftigt: Warum überqueren Menschen die Grenze ganz selbstverständlich zum Einkaufen, Tanken oder Arbeiten, aber deutlich seltener für einen Theaterabend, eine Ausstellung oder ein Konzert? Eine kurze Umfrage zu Beginn der Veranstaltung machte deutlich, dass die Grenze im Alltag zwar oft keine praktische Hürde mehr ist, kulturell aber weiter im Kopf besteht.

Genau dort will C-US ansetzen. Die App sammelt Kulturangebote aus der Euregio Maas-Rhein, übersetzt sie mithilfe künstlicher Intelligenz in vier Sprachen und macht sie so für ein breiteres Publikum zugänglich. Nach Angaben der Initiatoren umfasst C-US inzwischen 112 Einrichtungen und mehr als 18.000 geplante Veranstaltungen. Was früher technisch und administrativ kaum zu bewältigen war, soll nun in wenigen Minuten möglich sein: aktuelle Informationen sammeln, übersetzen und grenzüberschreitend verbreiten.

Dass die Idee nicht neu ist, wurde in Heerlen mehrfach betont. Eine gemeinsame Kulturagenda für die Euregio werde seit mindestens 25 Jahren diskutiert. Gescheitert sei sie bislang weniger am Willen als an der Komplexität: unterschiedliche Sprachen, Systeme, Zuständigkeiten und Gewohnheiten. Heute eröffne die Technologie neue Möglichkeiten. Zugleich warnte man davor, allein auf Technik zu setzen.

Einfacher erfahren, was gleich hinter der Grenze geboten wird.

Mehrere Gäste machten deutlich, dass eine App nur dann Wirkung entfalten kann, wenn sie in ein größeres Netzwerk eingebettet ist. Vertreter aus Kultur, Tourismus, Gastgewerbe und Politik diskutierten daher, wie C-US vor Ort sichtbar werden kann. Hotels, Tourist-Infos und andere leicht zugängliche Orte könnten dabei eine wichtige Rolle spielen. Wer in Heerlen, Aachen, Maastricht, Lüttich, Eupen oder Hasselt unterwegs ist, soll einfacher erfahren, was gleich hinter der Grenze geboten wird.

Unter den Gesprächsteilnehmern waren unter anderem Peter Bertholet, ehemaliger Direktor der Stadsregio Parkstad Limburg, Gastronomieunternehmer Camille Oostwegel, Janine Dijkmeijer von den Parkstad Limburg Theaters, Stefanie Metsemakers von Het Nieuwe Domein, Markus Terodde von der Städteregion Aachen, EMR-Direktor Michael Dejozé sowie Bob Borggreve, Programmmanager GROS der Stadsregio Parkstad Limburg.

Ein wiederkehrender Gedanke war, dass die größte Hürde psychologischer Natur ist. Viele Menschen entscheiden sich für das Bekannte, für den einfachsten Weg und für Angebote, die sie ohnehin wahrnehmen. Kultur jenseits der Grenze fällt dabei oft aus dem Blick. C-US soll diese Schwelle senken, indem das Angebot verständlich, aktuell und gebündelt präsentiert wird.

Gleichzeitig wurde auf ein neues Problem hingewiesen: Während früher zu wenig Information verfügbar war, droht heute ein Überangebot. Gerade durch KI können Daten schnell gesammelt und übersetzt werden. Entscheidend bleibe aber, dass Qualität, Übersicht und Kuratierung stimmen. Nur dann entstehe Vertrauen, und nur dann werde eine solche Plattform regelmäßig genutzt.

Auch die politische Dimension spielte eine Rolle. Die Zusammenarbeit in der Euregio Maas-Rhein habe sich in den vergangenen Jahren verstärkt, hieß es. Kultur biete die Chance, Europa im Alltag erlebbar zu machen – niedrigschwellig, konkret und nah bei den Bürgern. Finanzielle Unterstützung sei kurzfristig nicht selbstverständlich, doch es gebe Bereitschaft, bestehende Netzwerke zu nutzen und europäische Fördermöglichkeiten auszuloten. Am Ende stand kein fertiges Konzept, sondern der Wille, weiterzugehen. Die Organisatoren wollen nun gemeinsam mit Kultur, Hospitality und Tourismus eine C-US-Gemeinschaft aufbauen. Schritt für Schritt soll so aus einer App mehr werden: ein grenzüberschreitendes Netzwerk, das die kulturelle Vielfalt der Euregio sichtbarer macht. (red/arco)

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